Vor 100 JahrenYACHT 7/1926 - 30-qm-Jollenkreuzer für den Rhein

YACHT

 · 09.07.2026

YACHT 7/1926: 30-qm-Jollenkreuzer für den Rhein.
Foto: YACHT
​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 7/1926 beschrieb die Redaktion einen neuen, von dem Berliner Oberingenieur C. E. Heymann für den Rhein konstruierten 30-qm-Jollenkreuzer.

Der Jollenkreuzer hat sich auch auf dem Rhein eingebürgert, weniger jedoch seiner besonderen Geeignetheit wegen als vielmehr der Geräumigkeit wegen, welche bei geschickter Anordnung seine Inneneinrichtung ermöglicht. Im abgelaufenen Jahr war er bereits in fünf Exemplaren vertreten, wovon je zwei auf dem Niederrhein und dem Main und einer auf dem Oberrhein beheimatet sind. Drei davon sind Klassenboote, und die beiden auf dem Main sind mit Hilfsmotoren ausgerüstet.

Bei schwachen Brisen auf Talfahrt zeigten sie befriedigende Schnelligkeit, da erfahrungsgemäß der Strom breite Schiffe schneller schiebt als schlanke. Umgekehrt lässt jedoch ihre Schnelligkeit auf Bergfahrten zu wünschen übrig, da die Boote zu kurz sind, beziehungsweise weil ihr Verhältnis von Breite zur Länge mit 1:3,03 für Raumschotsfahrten gegen den Strom ein zu ungünstiges ist.

Man hätte daher am Rhein den 30-qm-Jollenkreuzer lieber um mindestens 1 m länger und auch um 10 bis 15 cm schmaler machen sollen, was seine Schnelligkeit verbessern, seine Stabilität kaum verringern, die Inneneinrichtung nicht beschränken, vielmehr in der Länge ausdehnen und vor allen Dingen sein Aussehen verbessern würde. In letzterer Hinsicht ist man am Rhein durch den täglichen Anblick einer hochentwickelten modernen Großschifffahrt besonders verwöhnt und anspruchsvoll.

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Besonderen Anstoß nimmt man weniger an dem zu geringen als vielmehr unschön und steif geführten Sprung der hochbordigen Jollenkreuzer, wenn man sie mit den schwungvollen Linien der auf dem Rhein beheimateten Klipperschiffe vergleicht, die doch nur gewöhnliche Frachtschiffe sind.

Beim vorliegenden Entwurf für einen Neubau für 1926 ist dieser Geschmacksrichtung denn auch Rechnung getragen, so dass sich die Silhouette von Boot und Besegelung harmonisch dem Vorbild des Rhein-Segelschiffes anschließt.

Erreicht ist das gefälligere, dem rheinischen Geschmack mehr entsprechende Äußere durch Verlegung der niedrigsten Freibordhöhe weit nach hinten, bis an das Ende des Kajütenaufbaus, und durch das Höherziehen der Besegelung sowie den genau parallelen Verlauf von dem Vorliek der Stagfock und dem Oberliek des Großsegels. Hierdurch ist auch das häufige „gedrückte" Aussehen des Jollenkreuzers glücklich vermieden.

Das massige Aussehen des Bootskörpers selbst aber soll und kann gemildert werden durch Verwendung verschiedenfarbiger Hölzer für Bootskörper, Aufbau und Deck sowie durch farbigen Anstrich der obersten Planke und andersfarbig abgesetzten Bodenanstrich. Gerade hierfür gibt das Material der Rheinschifffahrt sehr geeignete und geschmackvolle Beispiele, wogegen viele unserer Jollenkreuzer künstlerische Linienführung und sorgfältige Bauausführung zur Milderung ihres behäbigen, wenn nicht gar plumpen Aussehens vermissen lassen.

Da für den 30-qm-Jollenkreuzer drei Mann Besatzung erlaubt sind, so sollte er durchweg auch Schlafplätze für drei Mann aufweisen und nicht nur die gewöhnliche, für den Konstrukteur allerdings sehr bequeme symmetrische Anordnung beider Kajütseiten.

Beim vorliegenden Entwurf ist zunächst Bedacht auf Luftigkeit der Innenräume genommen und die Kajüte nach vorn offengelassen. Nur ein halbhohes Schott trennt sie vom vorderen Stauraum, der vom Deck aus zugänglich ist. Kajüte und Segelkammer können daher gut durchgelüftet werden.

Der Einstieg befindet sich an Steuerbord, und darunter befinden sich halbhohe Küchen- und Anrichteschränke, auf denen man im Einstiegsluk stehend bequem die Mahlzeiten bereiten kann. Davor befindet sich ein Schlafsofa, dessen Fußende unter das Vordeck geschoben ist und das 1,15 m Sitzfläche hat.

Gegenüber an Backbord vorn ist ein gleiches Schlafsofa eingebaut; dahinter ein hoher und tiefer Kleiderschrank und hinten eine Schlupfkoje. Zwischen ihr und dem Schwertkasten ist, diskret durch die Rückwand der Kajüte und den Schwertkasten verdeckt, ein Eimerklosett untergebracht. Ein Klapptisch befindet sich wie üblich am Schwertkasten. Für Tisch- und Leibwäsche könnten schließlich noch Schubfächer zwischen den Fußenden der beiden Schlafsofas eingebaut werden, und weiterer Stauraum kann noch unter den Bänken der Plicht und unter dem Hinterdeck genutzt werden.

Der Mast ist über dem Baum klappbar, was nach rheinischer Art durch einen sogenannten „Schrenkel" – eine zweischenkelige Jutt zwischen Püttings und Fockstag – noch bequemer gestaltet werden kann.


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