Vor 100 JahrenYACHT 6/1926 - 25-qm-Jolle mit neuartiger Besegelung

YACHT

 · 27.09.2026

YACHT 6/1926 - 25-qm-Jolle mit neuartiger Besegelung.
Foto: YACHT
​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 6/1926 beschrieb die Redaktion eine neue Jollenkonstruktion des Ingenieurs Franz Kampe, der damals die Bootswerft Dunav bei Belgrad leitete. Belgrad war damals Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (dem späteren Jugoslawien) und hatte sich zu einem wirtschaftlichen Zentrum entwickelt, in dem auch Bootsbau eine Rolle spielte.

Die nebenstehenden Risse der Schwertjolle „Kasan" sind ein Beweis dafür, dass die neueren Erkenntnisse der Aerodynamik in immer stärkerem Maße die Yachtkonstruktion beeinflussen. Unsere Zeitschrift kann hierbei mit Fug und Recht die Ehre für sich in Anspruch nehmen, nicht nur unter den deutschen, sondern auch unter den segelsportlichen Fachblättern der anderen Länder die einzige Zeitschrift gewesen zu sein, die die Wichtigkeit dieser Frage erkannt und durch wissenschaftliche Aufsätze an der Entwicklung moderner Besegelungen mitgearbeitet hat.

Auch der deutsche Konstrukteur Ing. Franz Kampe, der die Bootswerft Dunav bei Belgrad leitet, hat sich durch die Ausführungen in der „Yacht" zu einer neuen Form der Jollenbesegelung anregen lassen. Er schreibt hierzu an uns:

„Weit über deutsche Grenzen hinaus sitzen Segler bei trautem Gespräche beisammen und erörtern mit regem Interesse die nahestehende Umwälzung der alten Segelformen, welche die Herren Bauermeister, Curry, Croseck und viele andere der praktischen Verwirklichung endlich näherbrachten. Die ›Yacht‹ hat uns Konstrukteure immer angeregt, neue Formen und Wege im Yachtbau zu suchen und zu beschreiten. Wenn es auch nicht immer mit großem Erfolge gekrönt ward, so ist aus den vielen kleinen Erfolgen doch so manches geschaffen worden, das heute Form und Gestalt besitzt.

Als ich den in der ›Yacht‹ Nr. 48 erschienenen Artikel des Herrn Bauermeister verfolgte und seine praktischen Möglichkeiten durchdachte, fiel mir ein, dass nicht in allen Gegenden das erforderliche Material für die in Skizze Nr. 2 angegebene starke Biegung des Mastes erhältlich ist. Man muss sich dann auf andere Art zu helfen wissen. Es ist meines Erachtens die gleiche Wirkung zu erreichen, wenn der Mast oben nur wenig gekrümmt ist und anstelle des stark gebogenen Mastteils eine leicht gebogene Gaffel gewählt wird, mit der man dann den gleichen elliptischen Umriss erreicht. In Deutschland werden Rundhölzer meist aus Spruce gebaut, doch hier im Banat steht uns nur die siebenbürger Fichte, welche sonst in jeder Beziehung die besten Eigenschaften besitzt, zur Verfügung. Da wegen der besseren Festigkeit Masten und Spieren aus zwei oder drei Teilen zusammengeleimt werden, würden diese bei starker Krümmung auf die Dauer nicht standhalten. Ich entschloss mich daher, die Rundhölzer aus zwei halben und ausgekehlten Teilen mit einer 10 mm starken Zederneinlage auszuarbeiten, wodurch eine außergewöhnliche Festigkeit erreicht wurde."


Haben Sie klassische Jollen aus Holz in Ihrem Heimatrevier? Schreiben Sie uns davon in den Kommentaren!

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