Vor 100 JahrenYACHT 4/1926 - 35-qm-Jollenkreuzer

YACHT

 · 13.09.2026

Vor 100 Jahren: YACHT 4/1926 - 35-qm-Jollenkreuzer
​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 4/1926 stellte der Konstrukteur W. Ott aus Altona seinen Riss eines 35-Quadratmeter-Jollenkreuzers vor.

Als im Frühjahr 1924 der D.S.Vb. die Bauvorschriften für die nationale 30-qm-Kreuzerklasse (Jollenkreuzer) herausbrachte, waren in Hamburg schon mehrere Fahrzeuge eines größeren Typs von 35 qm Segelfläche entstanden.

Ursprünglich hatten die Vorgänger der nationalen 30-qm-Kreuzer bei einem L+B = 10 m, also bei gleichen Abmessungen wie die jetzige nationale Klasse, eine Segelfläche von 35 qm. Einige Hamburger Segler wollten nach Schaffung der 30-qm-Kreuzerklasse die Fläche von 35 qm beibehalten, und deshalb schufen sie im Verein mit den Hamburger Bootswerften Bauvorschriften für 35-qm-Jollenkreuzer. Diese sollten eventuell als neue Verbandsklasse beim D.S.Vb. beantragt werden; dass dies im vergangenen Jahr nicht geschehen ist, wird wohl der Rücksichtnahme auf das an sich schon stattliche Register der Verbandsklassen zuzuschreiben sein.

Nach diesen Vorschriften wurden bisher sieben oder acht Boote gebaut, hiervon vier nach meinen Rissen, und diese Fahrzeuge haben sich als sehr schnelle, bequeme und trocken segelnde Boote erwiesen, deren gesegelte Zeiten besser waren als die der nationalen 30-qm-Kreuzer.

Auf gemeinsamen Beschluss der Eigner nahmen mehrere Boote, wie auch schon im Jahre 1924, an der Travemünder Woche teil, in der sie als Ausgleichsklasse, jedoch ohne jede Vergütung, segelten und sich sehr interessante und spannende Kämpfe lieferten. Die Zeiten zeigen Unterschiede von meist nur wenigen Sekunden – ein Zeichen annähernder Gleichheit der Boote. Ich glaube, gerade wegen dieser sportlich hoch zu wertenden harten Kämpfe ist jeder befriedigt nach Hause gezogen.

Meine bisherigen Erfahrungen mit diesen Kreuzern legte ich nun in die veröffentlichten Risse. Als Formel gilt hier L+B = 11,00 m.

Die Bauzeichnung zeigt die solide Bemessung der Bauteile, deren Daten annähernd denen der 30-qm-Kreuzer gleichen. Die Einrichtung weicht von meinen bisherigen Entwürfen ab, bedingt durch den weit nach hinten angeordneten Schwertkasten. Hierdurch war es möglich, eine gute Lösung für die Anordnung der Schlafsofas und eines Klapptisches zu finden. Der Steuermann erhält einen erhöhten Sitz und wird vom unten sitzenden Großschotmann nicht behindert; der Vorschot- und Schwertfallmann hat seinen Platz gleich hinter dem Kajütschott. Im Vorschiff ist außer der festen Koje noch viel Stauraum vorhanden, wie auch im Achterschiff. Alles Übrige zeigt der Einrichtungsplan.

Trotz vielfacher Bedenken habe ich wieder Hochtakelung gewählt, zumal die Form des Bootes auf größere Stabilität zugeschnitten ist und ich bisher mit Hochtakelung bei diesen Booten gute Erfahrungen erzielt habe. Zwei in Hamburg beheimatete 30-qm-Jollenkreuzer haben auch mit dieser Takelung gute Ergebnisse gezeigt.

Es wäre zu wünschen, dass diese Jollenkreuzer auch auf anderen Revieren heimisch würden, wie zum Beispiel auf den Haffs, da sie sich mit dem kurzen Seegang flacher Gewässer sehr gut abfinden.

W. Ott, Altona

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