Vor 100 JahrenYACHT 4/1926 - 14,3-m-Motor-Segel-Kreuzer

YACHT

 · 09.08.2026

YACHT 4/1916: 14,3-m-Motor-Segel-Kreuzer.
Foto: YACHT
Konstruktionen von vor hundert Jahren - ist das heute überhaupt noch interessant? Lassen Sie gerne einen Kommentar hier.

An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 4/1926 beschreibt die Redaktion einen Motorsegler nach Plänen des Kieler Schiffbauingenieurs Hegge.

Nebenstehender Entwurf stellt eine Kombination von Segel- und Motoryacht dar, ein Typ, der bei uns bisher wenig zu finden war, für den jedoch in letzter Zeit das Interesse stark im Wachsen begriffen ist. Im Ausland, besonders in England und Amerika, trifft man diese Bootsgattung bereits häufiger. Die Risse entstanden im Auftrage eines am Rhein ansässigen Sportsmannes, der vom Rhein aus ausgedehnte Reisen auf Nord- und Ostsee machen will. Mit dem Bau des Kreuzers ist im Herbst vorigen Jahres auf einer Werft am Rhein begonnen worden.

Der Typ des Motorseglers ist in erster Linie für Sportleute geeignet, die im Binnenland ansässig sind, aber eine größere seegehende Kreuzeryacht besitzen wollen, die jedoch nicht in einem Küstenhafen, sondern am heimatlichen Binnengewässer selbst stationiert sein soll. Daher darf der Tiefgang nicht zu groß sein, so dass man alle reizvollen Plätze der engeren Heimat erreichen kann. Eine kräftige Maschinenanlage ist erforderlich, um in kürzester Zeit mit eigener Kraft die See erreichen zu können. Draußen ermöglicht dann die ausreichend große Takelung den Teilnehmern die Ruhe und Erholung, die das Segeln auf See bietet. Mit einem solchen Fahrzeug lassen sich größere Reisen in verhältnismäßig kurzer Zeit bewerkstelligen, ohne die hohen Kosten, die der Betrieb einer gleich großen Motoryacht verursacht – ganz zu schweigen von der erhöhten Betriebssicherheit, die durch die doppelte Antriebsart bedingt ist. Erfahrungen mit größeren Motorfischkuttern zeigen, dass ein solcher Bootstyp mit kleiner Sturmbesegelung unter gleichzeitiger Verwendung des Motors gegen schwersten Seegang glatt aufkommt, da, wo unter gleichen Verhältnissen die reine Segelyacht unter großer Strapazierung ihrer Mannschaft einen ungeheuren Zeitaufwand benötigt und die reine Motoryacht unter Gefährdung ihrer Verbände die wildesten Bewegungen vollführt.

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Die Formgebung des vorliegenden Entwurfs stellt eine Kompromisslösung dar zwischen der Forderung nach guter Geschwindigkeit unter Maschinenkraft, guten Segeleigenschaften und ausreichender Seetüchtigkeit. Je nachdem, ob die Breite des Fahrzeuges vergrößert oder verringert wird, kann die eine oder andere Eigenschaft mehr oder weniger hervorgehoben werden. Unter Umständen ist zu erwägen, zur Verbesserung der Kreuzeigenschaft ein kleines Schwert einzubauen. Im vorliegenden Fall wurde davon abgesehen, um die Bedienung nicht zu kompliziert zu gestalten und den Bau nicht unnötig zu verteuern.

Von der großen, wasserdichten Plicht kann man die Takelung wie bei einer reinen Segelyacht bequem übersehen. Ferner sind sämtliche Räume von der Plicht aus zu erreichen, ohne dass man über Deck gehen muss. Der Motor ist in einem von den übrigen Räumen getrennten Maschinenraum untergebracht und liegt zur besseren Kontrolle in nächster Nähe des Steuerstandes. Die Einzelheiten der Einrichtung sind aus den Plänen ersichtlich.

Als Antrieb dient ein 45/60-PS-B.M.W.-Motor mit elektrischer Licht- und Starteranlage, der dem Schiff eine Geschwindigkeit von etwa 10 Seemeilen verleiht. Sämtliche Bedienungselemente des Motors sind in nächster Nähe des Steuerstandes untergebracht.

Das Fahrzeug ist als Ketsch getakelt. Bei der Anordnung der Besegelung wurde auf möglichste Einfachheit der Bedienung Wert gelegt. Eine Segelfläche von 72 qm erfordert nicht allzu baldiges Reffen und reicht andererseits auch für mäßige Winde noch vollständig aus.

Die Hauptverbände bestehen aus Eiche, die festen Spanten aus verzinktem Winkelstahl, die Außenhaut aus Lärche, die Aufbauten und die gesamte innere Einrichtung aus Mahagoni. Der gusseiserne Kiel hat ein Gewicht von 2,2 Tonnen. Die Materialstärken entsprechen den Vorschriften des Germanischen Lloyds für die höchste Klasse.

Wenn in der heutigen Zeit auch nur wenige sich den Bau einer so großen Yacht erlauben können, so dürfte der Entwurf seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten wegen doch von allgemeinem Interesse sein.


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