Vor 100 JahrenYACHT 38/1926 - Bilder aus dem praktischen Yachtleben

YACHT

 · 04.10.2026

Vor 100 Jahren: YACHT 38/1926 - Bilder aus dem praktischen Yachtleben.
Foto: YACHT
Kommt Ihnen das alles völlig antiquiert vor oder erinnert Sie vieles an Ihren eigenen Bordalltag? Schreiben Sie uns Ihre Gedanken in die Kommentare.

​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT . In Ausgabe 38/1926 beschrieb YACHT-Redakteur Peter Haentjens, der erst drei Jahre zuvor den Ratgeber Yachtsegeln - Über die Praxis des Segelns veröffentlicht hatte, typische Tätigkeiten an Bord.

Eine Reihe wohlgelungener Bilder soll uns mitten in der Zeit der Tages- und Wanderfahrten oder der Regatten an allerlei praktische Fragen erinnern, an deren Lösung jeder Segler nicht allein zur In- und Außerdienststellung, sondern auch während des seglerischen Hochbetriebes herangehen muss.

Schwerlich kommt eine Yacht durch den Sommer, ohne wenigstens ein- bis zweimal gründlich unter Wasser nachgesehen zu sein. Leichte Schwertboote können von einigen kräftigen Leuten ohne besondere Hilfsmittel aus dem Wasser an Land getragen und auf einige nicht zu niedrige Klötze oder Böcke gesetzt werden. Bei größeren Jollen bedient man sich einiger kräftiger Holzrollen, die man beim Anlandholen abwechselnd unter den Kiel legt, so dass das Boot stets auf mindestens einer Rolle ruht. Man hält das Boot während des Aufholens so, dass die Boden- oder Kimmplanken nicht auf die Rollen stoßen, damit Plankenbrüche oder Beschädigungen der Außenhaut durch Risse oder scharfe Eindrücke vermieden werden. Das vielfach sehr beliebte Kielholen, wobei die Yacht mittels eines möglichst hoch im Mast angreifenden Falls soweit gekrängt wird, dass womöglich der Kiel über Wasser kommt, ist nicht zu empfehlen, da hierbei nicht nur Takelung und Schiffsverbände unnatürlich und übermäßig beansprucht werden, sondern auch die beabsichtigte Überholung des Unterwasserschiffes nur unvollkommen durchgeführt werden kann. Insbesondere lässt sich ein etwa erforderliches Dichten der Nähte, Abschleifen, Spachteln und Streichen der Unterwasserteile nicht einwandfrei bewerkstelligen. Diese Arbeiten, welche vor Antritt einer Seereise oder vor und während der Wettfahrten vorgenommen werden müssen, sind am besten auf dem Slip auszuführen.

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Eine sachgemäß auf einen Slip gebrachte und mit diesem hochgeholte Kielyacht wird mit zwei verstellbaren Steifen einseitig abgestützt. Ein beidseitiges Abstützen ist nicht erforderlich, da ein gründliches Anlaschen an den Steifen ein Umfallen oder Abrutschen verhindert. Die hintere Steife ist der Bootsform entsprechend steiler eingestellt als die vordere; die Außenhaut wird durch einen großen, weichen Fender sorgfältig geschützt. Die Laschung darf erst fest belegt werden, wenn die Yacht nach dem ersten langsamen Aufholen des Slips keinen Auftrieb mehr hat, sondern in ihrer natürlichen Lage mit dem Kiel fest auf den Slipplanken steht. Bis zu diesem Augenblick sind die Laschen an den Steifen nur soweit anzuholen, dass ein Umfallen der Yacht verhindert wird. Ob nach dem Aufholen ein Absteifen der Überhänge erforderlich ist, richtet sich nach der Länge derselben und der Festigkeit des Längsverbandes. Ist die Yacht am Bug und Heck nicht abgestützt, so muss ein Betreten dieser Bootsteile nach Möglichkeit vermieden werden. Auf dem Slip kann der Boden jetzt gründlich mit Besen, Schwabber und reichlich Wasser gesäubert werden; dann erfolgt eine eingehende Besichtigung, die je nach Befund ein Ausbessern oder Dichten der Planken, Abschleifen und ein- oder mehrfachen Bodenanstrich im Gefolge hat.

Bei sehr flachliegender oder unebener Slipbahn muss die Yacht, falls ein Slipniederholer fehlt, durch Hineinschieben des Wagens wieder zu Wasser gebracht werden. Ist der Wagen durch ein kräftiges „Zu-gleich!" in Bewegung gebracht, so muss diese Bewegung mit einem taktmäßigen Weiterschieben in Gang gehalten werden, wobei wohl ein richtiger Seemann ein melodisches „Schuub över lang!" aussingt.

Arbeiten in der Takelung können, falls eine bequeme Arbeitsleiter auf dem Stegkopf vorhanden ist, ohne Bootsmannsstuhl ausgeführt werden, dessen Benutzung in den oberen Zonen eines Pfahlmastes nicht jedermanns Geschmack ist. Der auf der Leiter stehende Mann hat ein neues Fall eingeschoren, dessen Tampen der an Deck Stehende mit dem Bootshaken heruntergeholt hat. Die Stegeleiter kann bei entsprechender Einrichtung auch zum Ein- und Aussetzen von Masten benutzt werden.

Das Abziehen des Decks erfolgt am besten mit einem aufs Schärfste geschärften Schräper, mit dem der vorjährige Lack entfernt wird. Man darf den Schräper nicht immer in der gleichen Richtung und mit voller Kraft über die Planken ziehen, denn das würde manche nicht wieder auszubessernde Wunde im Holz verursachen; man muss vielmehr mit feinem Takt dem Laufe der Holzfasern folgen. Je schärfer der Schräper oder die Ziehklinge, desto leichter ist die Arbeit, welche jedoch in der Nähe der Klampen oder anderer Beschläge eine besonders große Sorgfalt erfordert. Nach dem Schräpen folgt ein Nachziehen mit der Ziehklinge oder Glasscherbe, darauf ein Abschleifen mit feinem Glaspapier und ein nicht zu starkes Ölen und schließlich das möglichst dünne Aufbringen des Lacks, das zwei- bis dreimal zu wiederholen ist.

Das Aufbringen des Außenbordanstrichs erfolgt erst nach vorherigem Abziehen, Ausspachteln und Abschleifen der Außenhaut. Das Ausbessern des Anstrichs während der Segelzeit betrifft häufig das Hinterschiff einer großen Kreuzeryacht, deren hohe Reeling mit weiten Speigaten auf hauptsächliche Verwendung zu Seereisen schließen lässt. Mit der kräftig vorstehenden, soliden Scheuerleiste liegt die Yacht an den Pfählen eines Seglerhauses vertaut, gemeinsam mit einigen anderen, fast gleichgroßen Kreuzern. Das Beiboot ist vor dem Bug festgemacht, und zwar mit seinem Bug an der Klüverbaumnock und mit dem Heck am Wasserstag.

Selten wird ein Segel, ohne je einen Riss bekommen zu haben, so zu Ende gefahren, bis es eines Tages alt und morsch aus den Nähten oder Lieken fliegt. Beim Segelsetzen kommt es vor, dass ein Segel irgendwo festhakt und einreißt, beim Reffen drückt sich der Schotring oder eine Segellatte durch das Tuch, oder ein Zusammenstoß oder irgendeine Havarie zerreißen die bisher sorgsam gehütete Leinwand. Obgleich nun stets mit Segelhavarie und Reparatur gerechnet werden muss, findet man doch auf höchstens zehn Prozent unserer gesamten Yachtflotte das erforderliche Flickmaterial an Bord, bestehend aus mehreren kräftigen Segelnadeln mit Segelhandschuh und Segelgarn für schweres Tuch sowie leichteren Nadeln mit Zwirn oder Baumwolle für leichtes Tuch. Etwas Talg zum Einfetten der Nadeln sowie einige Segeltuchreste für etwaige Doppelungen dürfen auch nicht fehlen. Die Nadeln sind in einer wasserdichten Büchse untergebracht, damit sie bei längerem Liegen unter Deck nicht rosten. Der Riss muss so genäht werden, dass die Ränder keine Wulst bilden, wodurch im Segel eine zu straffe Stelle und Falten entstehen würden. Die Rissränder sollen nebeneinander liegen und dürfen beim Nähen nicht zu knapp gefasst werden, um nicht alsbald wieder auszureißen und den Schaden noch zu vergrößern. Das Segelflicken erfordert Geschicklichkeit und bei größeren Rissen auch sehr viel Geduld.

Ein aufgeklartes Boot, dessen Segel mustergültig unter die Persenning gebracht und durch einige Fender bereits gegen feindliche Angriffe geschützt ist, lässt erkennen, wie der ordentliche Abschluss des Segeltages aussehen soll. Das Deck ist bereits gewaschen, und die Bootseignerin säubert abschließend noch die Außenhaut – eine Arbeit, die die meisten Segler für überflüssig halten, weil dies ja beim Überliegen der Yacht von selbst durch das Wasser besorgt werde.

Die letzte Betrachtung führt uns in die Zeit der In- oder Außerdienststellung. Auf dem starken Stegrande liegt das schwere Bojengeschirr für eine Anzahl größerer Yachten, von denen einige vorübergehend am Stegkopf festgemacht haben. Die Bojensteine sind in einheitlichem Format aus Beton hergestellt; an ihre Ringe sind teils schwere Ketten, teils Drahtstander angeschäkelt, wobei der Kette vor dem Drahtende der Vorzug zu geben ist. Die Kette bringt infolge ihres größeren Gewichtes und Widerstandes bei entsprechender Länge ein ruhigeres Liegen des Fahrzeuges zustande als das leichtere und weit weniger Widerstand erzeugende Drahtende, das obendrein durch Rost viel eher zerstört wird. Die Bojenketten oder Drahtstander werden durch weiche Korkbojen getragen, an deren oberen Drahtaugen die Bojereeps eingeschäkelt sind, welche an Deck belegt werden. Das Arbeitsboot liegt bereits klar, um einen Bojenstein nach dem anderen an seiner durch einen genauen Bojenplan zugewiesenen Stelle zu versenken. Zu diesem Zweck wird durch den Ring des Bojensteins ein kräftiges Ende geschoren, dessen einer Tampen im Arbeitsboot belegt ist, während der andere nach Wegfieren des Steins unter das Heck des Bootes in diesem auf Slip belegt wird. Bojenkette beziehungsweise Stander werden klar auf dem Boden des Bootes aufgeschossen, die Boje wird außenbord mitgeschleppt. An Ort und Stelle angelangt, wird der Stein langsam auf Grund gefiert und dann der lose Tampen aus dem Ring wieder an Bord geholt.


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