In Heft 15 dieser Zeitschrift, Jahrgang 1924, wurden die verschiedenen Kompasse nach Bauart, Verwendungsmöglichkeit und ihrer besonderen Eignung als Yachtkompasse näher beschrieben. Das Streben nach immer weiterer Vervollkommnung der technischen Hilfsmittel bringt es mit sich, dass auch die Instrumente der verschiedensten Anwendungsgebiete fortwährende Änderungen und nach Möglichkeit auch Verbesserungen erfahren, wozu insbesondere auch die an die einzelnen Instrumente gestellten Anforderungen beitragen.
Die Magnetkompassen trotz aller Verbesserungen und Anpassungsversuche an die Erfordernisse der modernen Schifffahrt immer noch anhaftenden und in den Eigenheiten der magnetischen Kraft begründeten Mängel führten vor einer Reihe von Jahren zur Schaffung des elektrisch betriebenen Kreiselkompasses, der denn auch in der Folgezeit auf größeren Schiffen der Handelsmarine Eingang gefunden und sich als zuverlässiger Richtungsweiser erwiesen hat. Eine solche Kreiselkompassanlage ist aber ein sehr umfangreiches und kostspieliges Instrumentarium und aus diesen und anderen Gründen für kleinere Fahrzeuge nicht geeignet.
Um aber auch kleineren Fahrzeugen, insbesondere Yachten, einen zuverlässigeren Richtungsweiser bieten zu können als dies bisher möglich war, hat man Versuche angestellt, den Magnet-Fluid-Kompass wie den Magnetkompass überhaupt den neueren Anforderungen mehr anzupassen. Ausgehend von den mit Flugzeugkompassen gemachten Erfahrungen hat man versucht, das Magnetsystem des Kompasses im Gegensatz zu der früheren Forderung der langen Schwingungsdauer nahezu schwingungslos – „aperiodisch" – zu machen, also die Schwingungen noch stärker als bisher zu dämpfen.
Die bisherigen Fluidkompasse erhielten ein mit hohem magnetischen Moment versehenes, schweres Magnetsystem, das an einem Schwimmer angeordnet wurde, der durch den in der Flüssigkeit erfolgenden Auftrieb in der Füllung nur ein geringes Gewicht hatte und so eine zu große Reibung zwischen Pinne und Stein verhinderte. Die mit den Schwimmern dieser Art in der Kompassfüllung erreichte Dämpfung der Schwingungen war im Verhältnis zu den Trockenkompassen eine recht gute; immerhin aber erforderte das Ausschwingen des Rosensystems nach einer Ablenkung noch eine Zeit von 50 bis 70 Sekunden bis zur Erreichung der Ruhelage, so dass erst nach dieser Zeit der Kompass wieder richtig abgelesen werden konnte.
Die Askania-Werke AG, Bambergwerk in Berlin-Friedenau, haben nun seit etwa einem halben Jahr auf Grund von umfangreichen Versuchen und Erprobungen im Bau von Magnetsystemen für Fluidkompasse eine grundlegende Änderung getroffen und einen neuen Yachtkompass herausgebracht, der die oben genannten Mängel nicht mehr aufweist. Bei diesen neuartigen Yachtkompassen wird das Magnetsystem aus einer Reihe leichter, aber sehr kräftiger kurzer Magnete gebildet, die untereinander und mit der Rosenkarte starr verbunden sind. Durch die Art der Anordnung der Magnete wird eine sehr große Dämpfung der Rosenschwingungen erreicht, so dass zum Beispiel die Rose des 115-mm-Kompasses schon nach 14 Sekunden und zwei einfachen Schwingungen zur Ruhe kommt, während der gleiche Kompass mit dem älteren Magnetsystem unter gleichen Bedingungen 51 Sekunden und sechs einfache Schwingungen bis zur Rückkehr in die Ruhelage benötigte.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil des neuen Magnetsystems liegt in der im Verhältnis zum Gewicht recht erheblichen Steigerung des magnetischen Moments, so dass also einem solchen Kompass ein bedeutend größeres Richtmoment innewohnt als dem früheren Instrument gleicher Art und Größe. Aus der somit erfolgten Erhöhung des magnetischen Moments in Verbindung mit der Steigerung der Dämpfung der Schwingungen ergibt sich, dass ein solcher „aperiodischer" Kompass allen Kräften, die ihn aus seiner Ruhelage herauszubringen bestrebt sind, einen großen Widerstand entgegensetzt, ohne dabei jedoch unempfindlicher zu sein gegen alle Änderungen des Kurses. Der Kompass dieser neuen Bauart besitzt also eine große „Ruhe" und eignet sich daher ganz besonders als Steuerkompass auf Yachten und kleineren Fahrzeugen, die in bewegter See stark und unruhig arbeiten.
In den beiden Abbildungen 3 und 4 sind für die Fluidkompasse von 85 und 115 mm Rosendurchmesser die einzelnen Prüfungsergebnisse in Zahlen und in Kurven dargestellt, wobei auch die gleichen Ergebnisse für die Kompasse älterer Bauart angegeben sind. Aus den Kurven und den Zahlenangaben ergibt sich ohne Weiteres die erhebliche Überlegenheit des neuen Magnetsystems gegenüber dem alten, so dass nähere Erläuterungen dazu sich wohl erübrigen dürften.
Das neue Magnetsystem für den Fluidkompass von 85 mm Rosendurchmesser ist so leicht gehalten, dass die Verwendung eines Schwimmers ganz überflüssig wurde. Äußerlich hat der Kompass keine Änderung gegenüber früher erfahren, so dass Außenmaße usw. unverändert geblieben sind. Das Magnetsystem für den 115-mm-Kompass ist mit einem kleinen Schwimmer verbunden, um die Reibung zwischen Pinne und Hütchen möglichst gering zu halten. Auch dieses neue System ist so leicht gehalten, dass es in der Luft noch nicht den vierten Teil eines alten wiegt.
Für diese neuen Yachtkompasse sind zwei einheitliche Rosenbilder gewählt worden, und zwar eine reine Strichrose mit Teilung in ¼-Striche und entsprechender Bezeichnung, sowie eine „Zweigradrose", welche eine Teilung von 2° zu 2° mit besonderer Kennzeichnung und Bezifferung der Zehnergerade trägt. Die Bezifferung der letzteren Rose ist von 0 bis 360 durchgehend erfolgt. Außer dieser am Außenrand liegenden Gradeinteilung trägt diese Rose noch eine innenliegende Teilung in Grade zur Ermöglichung einer etwa notwendigen schnelleren Orientierung.
Durch den Einbau einer Zweigradrose dürfte ein besseres Steuern möglich sein als nach der älteren Rose mit Teilung auf ¼-Grade, zumal die nun bedeutend ruhiger liegende Rose ein gutes Erkennen der einzelnen Teilstriche auch bei einer mittleren Entfernung vom Kompass ermöglicht. Zur Ablesung der Rosenteilung bei Vornahme von Peilungen ist die Teilung auf 2 Grad auch als durchaus ausreichend anzusprechen, da sich ohne Mühe auch auf 1 Grad genau schätzen lässt.
Bei dem neuen 115-mm-Kompass ist eine elektrische Beleuchtung der Rose vorgesehen, und zwar durch Einbau der entsprechenden Einrichtung in dem Bodengewicht des Kompasses. Es können Lampen von 6 oder 12 Volt Verwendung finden, je nach der Art der an Bord vorhandenen Beleuchtungseinrichtung. Das Licht dieser Lampe gelangt durch ein im Federboden angebrachtes Fenster in den Innenraum des Kessels und erleuchtet die Rosenkarte von unten, so dass keine das Auge des Steuermanns störenden Lichtreflexe entstehen können. Für den Peilkompass ist diese Beleuchtungsart besonders vorzuziehen, da bei der Vornahme von Peilungen die Kappe oder Haube des Kompasshauses abgenommen wird und der Kompass somit unbeleuchtet sein würde, wenn die Beleuchtung weiterhin nur in der Haube angebracht wäre.
Für den 85-mm-Kompass ist die frühere Beleuchtungsart beibehalten worden, was bei diesem Instrument auch unbedenklich ist, da diese Kompassgröße als Peilkompass nicht gebaut wird und auch keine Verwendung findet.
Da der Anschaffungspreis dieser neuen Kompasse dem der älteren Instrumente gleich ist, darf erwartet werden, dass die mancherlei Vorteile dem neuen Modell viele Freunde sichern werden.
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