Vor 100 JahrenYACHT 3/1926 - Fahrtenkreuzer mit Hilfsmotor

YACHT

 · 11.10.2026

Vor 100 Jahren: YACHT 3/1926 - Fahrtenkreuzer mit Hilfsmotor.
Foto: YACHT

​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 3/1926 beschrieb die Redaktion eine 19,50 Meter lange Ketsch von Abeking & Rasmussen, die damals als das modernste Fahrzeug seiner Art gepriesen wird.

Die nebenstehenden Zeichnungen zeigen einen der modernsten deutschen Fahrtenkreuzer. Die Yacht wurde für deutsche Rechnung im vergangenen Jahr von der Yachtwerft Abeking & Rasmussen konstruiert und erbaut. Sie bedeutet einen beachtenswerten Schritt vorwärts in der Entwicklung und im Ausbau unserer deutschen Yachtflotte. Der Sportsegler, der Gelegenheit gehabt hat, die verschiedenen Segelreviere zu besuchen, wird in dieser Yacht leicht einen größeren Bruder des bekannten „Ar" erkennen, seinerzeit veröffentlicht in der „Yacht". Die hervorragenden Erfolge, die Herr Rasmussen, der Konstrukteur und frühere Besitzer der „Ar", mit dieser Yacht hatte, veranlassten ihn, bei der Konstruktion dieser erheblich größeren Yacht den gleichen Weg zu beschreiten, um eine ebenso seetüchtige, handige und dabei schnelle Yacht zu schaffen.

Ein Blick auf den Segelriss genügt, um sofort zu erkennen, welche Ansprüche in erster Linie an die Yacht gestellt wurden: schnell und dabei so handig wie irgend möglich. Die Vorteile der Hochtakelung für Tourenboote dürften so bekannt sein, dass eine nähere Aufzählung nicht erforderlich ist. Für manche Fahrtensegler neu ist vielleicht, dass sämtliche Falle – Großsegel- sowie Vorsegel- und Fliegerfall – aus Draht bestehen und auf Winden laufen, so dass, wenn sämtliche Segel gesetzt sind, außer den Schoten kein Tauwerk am Mast das Deck unklar macht. Der Klüver fährt ebenfalls an einem Baum und wird genau wie Groß- und Besahnsegel unter Persenningen verpackt und nicht im Segelsack unter Deck verstaut – das Segel ist also ebenfalls schnell klar. Vor Anker wird der Baum hochgedirkt, so dass das Vorschiff für alle Arbeiten frei wird. Eine Breitfock von 23 qm dient als Sturmsegel für raume Fahrten; ein Trysegel zum Kreuzen im Sturm ist überflüssig, da die Yacht vor Fock und Besan in der Lage ist, jeden Sturm vollkommen manövrierfähig abzuwettern.

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Der Rumpf der Yacht ist aus Schiffbaustahl nach den Vorschriften des Germanischen Lloyd für die höchste Klasse für große Küstenfahrt gebaut. Der Innenballast ist in die Bilge eingegossen. Die Süßwasser-, Schmutzwasser- und Brennstofftanks sind als Doppelbodentanks ausgebildet. Der Motorraum ist durch ein Stahlschott von den übrigen Räumen getrennt, so dass weder Benzingerüche noch Öl nach den übrigen Räumen gelangen können. Das Deck ist in schmalen Oregonplanken verlegt und macht im Verein mit den Teakholzaufbauten, dem Teakholzschandeck und dem Fischbein einen sehr gefälligen Eindruck. Die Yacht wurde auf besonderen Wunsch des Bauherrn als Glattdecker konstruiert und erhält gerade hierdurch ein besonders rassiges Aussehen.

Von der geräumigen Plicht, in der Steuerrad mit Steuerapparat und Kompass angeordnet sind, gelangt man in die große Segelkoje, die wiederum durch ein Stahlschott von dem Motorraum getrennt ist. Der Motorraum ist groß genug, um überall an den 18-PS-Selve-Motor gelangen zu können. Die Zeise-Umsteueranlage kann von der Plicht aus bedient werden. Der Motor ist selbstverständlich mit Anlasser versehen.

Anschließend an den Motorraum ist ein Schlafraum vorgesehen mit fest eingebauten, bequemen Kojen. Zwischen den beiden kleinen Sofas vor den Kojen ist ein Toiletteschrank mit Schubfächern und großem Spiegel mit beweglichen Seitenteilen eingebaut. Zwei geräumige Schränke für Kleider und Wäsche vervollständigen die Einrichtung. Der ganze Raum ist in Birke mit Teakholzeinfassung ausgeführt. Geschmackvolle Vorhänge, Teppich und Sofabezüge sowie elektrische Beleuchtung geben dem Raum einen äußerst wohnlichen Charakter, so dass selbst die verwöhnteste Dame sich einige Wochen hier wohlfühlen kann. Eine Tür führt von diesem Raum nach dem geräumigen Waschraum, der auch vom Flur aus zugänglich ist. Auf dem Flur sind Schränke angeordnet, die vor allen Dingen für die im Salon wohnenden Gäste gedacht sind.

Der Salon ist in Mahagoni ausgeführt, der Tisch als Schlingertisch; Polster, Teppich und Vorhänge sind in geschmackvoller Weise dem ganzen Raum angepasst. Über den Sofarückenlehnen befinden sich zwei äußerst bequeme Klappkojen mit Sprungfederpolstern, so dass im Salon vier Personen schlafen können.

Die Küche ist ebenfalls sehr geräumig. An Steuerbord sind die Geschirr- und Eisschränke angeordnet, an Backbord eine Pantryplatte mit Primuskocher; zwischen Mast und Pantryplatte befindet sich ein Kohlenherd, der sich gerade in dieser Größe auf Yachten ganz hervorragend bewährt hat, so dass der Primuskocher eigentlich nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommt.

Das Vorschiff ist äußerst bequem für zwei Mann eingerichtet, mit dem erforderlichen Schrankraum, Eimerklosett, Kojen usw. An und für sich ist die Yacht so bequem in der Bedienung, dass mit einem bezahlten Mann ohne Weiteres auszukommen ist. Die zweite Koje im Vorschiff kann also eventuell von einem jungen Herrensegler benutzt werden, dem es mehr auf die handfeste Seefahrt als auf polierte Schlafräume ankommt.

Wir können in Deutschland auf diese Yacht ganz besonders stolz sein. Sie wird im Ausland nur bestes Zeugnis von deutscher Arbeit ablegen.

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