Vor 100 JahrenYACHT 24/1926 - Ein Besuch bei unseren holländischen Sportskameraden

YACHT

 · 20.09.2026

Ein Besucht bei unseren holländischen Sportskameraden.
Foto: YACHT/K.Bruhns
​An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT . In Ausgabe 24/1926 beschrieb Autorin Käthe Bruns ihre Erlebnisse auf einer Reise nach Holland.

Viele deutsche Yachten suchen allsommerlich Kopenhagen auf. Eine ganze Anzahl von ihnen strebt weiter bis Skagen und Göteborg oder auch ostwärts nach Stockholm, Bornholm, Visby. Warum finden so wenige den Weg nach Holland? Ja, die Nordsee!, heißt es immer. Ebbe und Flut und nirgends ein Hafen, in dem man bei aufkommendem Wetter unterkriechen kann. Kein behaglicher Ankerplatz für eine ruhige Nacht. Stimmt alles! Aber man soll nicht vergessen, dass auch die Ostsee ihre Launen hat und einen, wenn man Pech hat, selbst mitten im Sommer acht Tage lang in irgendeinem Kaff festhält. Bei einigermaßen ruhigem Barometer ist der Weg über die Nordsee von der Elbmündung längs der Küste wohl zu schaffen, und ist man erst einmal in den holländischen Binnengewässern, dann fängt das behagliche Segeln an. Die einzige Schwierigkeit liegt vielleicht in dem Tiefgang unserer seegehenden Kreuzer. Für Boote mit mehr als 1,60 m ist das Segeln dort natürlich schwierig, aber für Binnenboote mit Motor ist das holländische Segelrevier ideal. Man lernt dort eine neue, sehr reizvolle Art des Segelns kennen, und das, was manchen abschreckt – Ebbe und Flut –, wird von den Holländern geschickt ausgenutzt.

So finden zum Beispiel die Wettfahrten auf der Maas in Form von „Staffettensegeln" statt. Zu verabredeter Zeit, etwa am Freitagabend, fällt ein Startschuss. Eine vorher bekanntgegebene Bahn muss abgesegelt und eine Anzahl bestimmter Punkte angelaufen werden. Die jeweiligen Schleusenwärter haben eine Bescheinigung auszustellen, dass die Yacht tatsächlich dort passiert hat. Die Kunst bei diesen Wettfahrten, die stets mehrere Tage dauern, besteht darin, die in viele Arme geteilte Maas und ihre Seitengewässer unter Ausnutzung der Gezeiten abzusegeln, da die Flut an verschiedenen Punkten zu verschiedener Zeit einsetzt und Gegenströmungen sich bemerkbar machen. Eine genaue Kenntnis des Terrains ist natürlich Vorbedingung. Beliebt ist auch eine „Fuchsjagd". Eines der teilnehmenden Boote ist der Fuchs, bekommt einen Vorsprung von etwa zwölf Stunden und muss sich verstecken. Aufgabe der anderen ist es, diesen Fuchs in den vielverschlungenen Gewässern aufzustöbern. Dass bei dieser Art von Sport nicht die Schnelligkeit ausschlaggebend ist, liegt auf der Hand.

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Die Holländer zeigen deshalb fast ausnahmslos den Typ ihrer Fischerfahrzeuge. Es sind entweder Bojer – hochbordige schwere Fahrzeuge, vorn und hinten sehr voll, mit Seitenschwertern und flachem Boden – oder es sind, ähnlich dem Typ der Zuidersee-Fischer, sogenannte Boter, vorn ebenfalls hoch, aber schärfer geschnitten mit flach verlaufendem Heck. Außerdem gibt es natürlich richtige Schwertboote.

Um die Schulung durch Wettsegeln auf kleinen flinken Fahrzeugen nicht zu vernachlässigen, hat man verschiedene Einheitstypen eingeführt. Ich hatte Gelegenheit, auf Einladung des Herausgebers der holländischen Wassersportzeitschrift „Het Nederlandsche Zeewezen", Herrn van Campen, beim Ruder- und Segelverein „De Kaag" eine Jollenwettfahrt anzusehen. Das originelle Bootshaus des Vereins, aus einem alten strohgedeckten Bauernhaus entstanden – der frühere Kuhstall ist jetzt Esssaal –, liegt in der Nähe der Universitätsstadt Leiden, unweit Amsterdam. In dem kleinen Holland ist alles „unweit" und durch die glänzenden Verkehrsmittel leicht zu erreichen. Es hatten sich etwa 18 Mitglieder eingefunden, die in zehn Einheitsjollen eine Anzahl Auswahlrennen bestritten. Die Sieger bekamen Punkte, und zum Schluss findet eine gemeinsame Wettfahrt der Punktsieger der verschiedenen Vereine um die Landesmeisterschaft statt. Die für diesen Zweck beschafften Jollen stammen von Rasmussen und werden von einem Mann gesegelt. Bei viel Wind gehört allerhand seglerisches Können dazu, die ranken Boote ohne Reff zu segeln, und die „Schwergewichtsmeister", die sich selbst als lebenden Ballast benutzen, sind alsdann im Vorteil. Die dem holländischen Yachtverband gehörenden Jollen sind vorzüglich gehalten, dürfen ausschließlich zu Wettfahrten benutzt werden und werden von einem Regattaplatz zum anderen geschleppt.

Man kann sich keinen größeren Gegensatz zu diesen leichten hübschen Booten denken als die schweren behaglichen Tourenyachten, die am Steg des Klubhauses lagen. Ich war zu Gast auf „Brandaris", der großen, außerordentlich schön gehaltenen Yacht des Herrn Lucassen, Vorsitzenden des Vereins „De Kaag" und Präsident des holländischen Yachtverbandes. Niemals, weder in Skandinavien noch bei uns, habe ich einen Yachtwohnraum gesehen, der so luxuriös und zugleich so außerordentlich behaglich eingerichtet war. Man sah, dass hier ein Ehepaar zu Hause war, dem das Boot für viele Sommermonate als schwimmendes Heim diente. Dem kalten Frühlingswetter entsprechend verbreitete ein solider eiserner Ofen behagliche Wärme, und ein indischer Steward in blütenweißem Zeug mischte mit melancholischem Lächeln raffinierte Cocktails. Beim Verlassen des gastlichen Fahrzeuges fiel mein Blick auf eine Inschrift, die auf der Kajütreppe angebracht war und die charakteristisch ist für das gastliche und liebenswürdige Entgegenkommen der Holländer. Sie lautete in deutscher Übersetzung: „Wann kommen Sie wieder zu uns?"


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