Vor 100 JahrenYACHT 15/1926 - Deutsche Bootsmotoren - der Pirat-Motor

YACHT

 · 30.08.2026

Deutsche Bootsmotoren - der Pirat-Motor, YACHT 15/1926.
Foto: YACHT
An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 15/1926 beschrieb der Berliner Architekt Uhl in der Reihe “Deutsche Bootsmotoren” den “Pirat-Motor”. ​

Es ist eine glückliche Begleiterscheinung wirtschaftlich schwieriger Zeiten, dass das gesamte industrielle und kommerzielle Leben auf äußerste Rationalität eingestellt werden muss. Als praktische Auswirkung dessen zeigt sich für den Einzelnen die Erzeugung und stetige Weiterentwicklung industrieller Fabrikate von höchster Wirtschaftlichkeit.

Wenn man sich vergegenwärtigt, in welchem Maße die Kleinbootsmotoren heute Allgemeingut all jener Kreise geworden sind, die irgend mit dem Wasser zu tun haben, und wenn man sich ferner die Frage vorlegt, ob vom volkswirtschaftlichen Standpunkt der Betrieb zahlreicher derartiger Motoren gutzuheißen ist, so muss man unbedingt zu dem Ergebnis kommen, dass hier mit geringen Anschaffungs- und Betriebsmitteln Leistungen erzielt werden, auf die auch in Zeiten allerbester Wirtschaftslage nicht verzichtet werden kann.

Der „Pirat"-Motor, dem diese Zeilen gelten, ist in seiner heutigen Gestalt ein Ergebnis überlegter Fortentwicklung des ersten überhaupt in Deutschland eingeführten derartigen Motors, der schwedischen Konstruktion „Archimedes", und man kann gut behaupten, dass der „Pirat"-Motor der Firma Hanson & Co., Komm.-Ges., Lübeck, alle guten Eigenschaften vereinigt, die bisher an Kleinmotoren geschaffen wurden. Übersichtliche Konstruktion, einfache Handhabung, große Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit haben dem Pirat-Motor Weltruf verliehen.

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Der Pirat-Motor wird in mehreren verschiedenen Typen hergestellt, mit 2,5, 5 und 6 PS Leistung, jeweils als Außenbord- und Einbaumotor. Es sind durchweg Zweitaktmotoren in der so günstigen Bauart mit gegenläufigen Zylindern. Die beiden Zylinder arbeiten direkt auf die senkrecht liegende Kurbelwelle. Diese läuft mit ca. 1200 Umdrehungen pro Minute, untersetzt aber diese Drehzahl im Propellergehäuse auf ca. 800 Umdrehungen. Oberhalb des Kurbelgehäuses liegt das Schwungrad mit eingebautem Bosch-Schwungradmagnet mit Früh- und Spätzündeinstellung. Der Magnet ist gegen Feuchtigkeit wasserdicht gekapselt. Ein kurzes Drehen des Schwungrades bringt den Motor einwandfrei zum Anspringen.

Beachtenswert ist die Ableitung der Auspuffgase, die häufig das Sorgenkind derartiger Motoren sind. Direkt hinter dem Auspufftopf werden sie mit dem Kühlwasser des Zylinders zusammengeführt und in diesem niedergeschlagen, so dass sie ins Freie gelangen, ohne den Bootsrumpf zu beschmutzen. Auf eine einfache Weise wird sowohl die Steuerung als auch die Rückwärtsfahrt des Bootes bewirkt: Der Motor ist um seine Achse drehbar aufgehängt, so dass man mit dem Steuerbogen die Schubrichtung des Propellers nach allen Seiten bis zur Rückwärtsfahrt ändern kann.

Die verschiedenen Einbaumotor-Typen sind zwecks rationeller Herstellung selbstverständlich in den gleichen Triebwerksabmessungen ausgeführt wie die Außenbordmotoren. Wie aus den Abbildungen ersichtlich, sind sie den verschiedensten Zwecken entsprechend mit Wendegetriebe, mit Drehflügelschraube, mit nach rückwärts gelegter Andrehvorrichtung sowie mit Autosteuerung erhältlich. Durch diese Vielseitigkeit sind sie als Kleinmaschine für alle möglichen Wasserfahrzeuge geeignet.

Der zweieinhalb PS starke Motor mit Drehflügelschraube dürfte besonders als Hilfsmotor in Jollenkreuzern und kleinen Kielyachten zur Geltung kommen, in der höheren Stärke auch für größere Segelyachten. Mit Wendegetriebe und nach rückwärts gelegter Andrehvorrichtung sowie mit Autosteuerung wirkt er als zuverlässige und günstige Betriebskraft kleiner Motorboote, Motorkanadiern usw. Die kompakte Verbindung des Motors mit Wendegetriebe und die geschlossene, niedrige Bauart des gesamten Aggregats ermöglichen den Einbau selbst unter engsten Raumverhältnissen.

Um dem Motor auch beim Betrieb im Seewasser eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, sind sowohl bei der Außenbord- als auch bei der Einbaumotor-Ausführung alle Unterwasserteile seewasserbeständig in Kupfer, Bronze bzw. Messing ausgeführt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sämtliche dem natürlichen Verschleiß unterliegenden Teile ohne Weiteres auswechselbar sind.

Dem neuen industriellen Prinzip – Leistungsfähigkeit durch Qualitätsarbeit in der Serienherstellung – kommen auch die Pirat-Motoren nach, indem die entsprechenden Teile der verschiedenen Typen untereinander gleich und in Serien hergestellt sind. Damit ist auch der so wichtigen Forderung nach sicherem und einfachem Auswechseln später bezogener Ersatzteile Rechnung getragen.


Außenbord2,5125078031 kg0,85 kg
Außenbord5115075041 kg1,6 kg
Außenbord6120088065 kg
Einbau2,5125070037 kg0,85 kg
Einbau5150085057 kg1,6 kg

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