Régates RoyalesKönigliches Vergnügen in Cannes

Lasse Johannsen

 · 29.09.2026

Impressionen von den 48. Régates Royales Cannes 2026.
Foto: Régates Royales
Fünf Regattatage, ein Flautentag, 14 Nationen im Drachen-Feld und ein Duell zweier America’s-Cup-Legenden - Die 48. Auflage der Régates Royales haben derem Ruf als eine der bedeutendsten Klassikerregatten der Welt alle Ehre gemacht.

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Der vornehme Name geht auf den Ursprung zurück. Im Jahr 1929 gab König Christian X. von Dänemark den Anstoß zu dieser Veranstaltung. Er wünschte sich eine Herbstregatta für einen erlesenen Kreis von Freunden und Bekannten, überwiegend Angehörige der europäischen Königshäuser, und wandte sich mit seinem Anliegen an den Yacht Club de Cannes. Dort bot man an, die Regatta auszurichten, bat aber um die Erlaubnis, das Ereignis Régates Royales nennen zu dürfen - und der König stimmte zu.

Der Name besteht bis heute, ebenso wie die Verbindung zu den gekrönten Häuptern Europas. König Harald V. von Norwegen, ein begeisterter Regattasegler, der bei den Olympischen Spielen 1964, 1968 und 1972 in der 5,5-Meter- und der Soling-Klasse gestartet war, und sein Vater König Olav V. – 1928 Olympiasieger in der 6-Meter-Klasse – waren beide eng mit der Régates Royales Cannes verbunden.

Tag 1: Die Drachen eröffnen

Traditionsgemäß machten die Drachen den Auftakt. 34 Boote aus 14 Nationen – eines der größten Regattafelder der Klasse in dieser Saison – gingen am Dienstag, dem 22. September, in der Westbucht von Cannes an den Start. Die 8,90 Meter langen Kielboote, im Gründungsjahr der Régates Royales von dem Norweger Johan Anker entworfen, waren von 1948 bis 1972 olympische Klasse.

Während die Drachen kämpften, bereiteten sich die klassischen Yachten in den sechs weiteren Klassen – Big Boats, Époque Aurique, Époque Marconi, Modern Classic und Tofinou – auf ihren Einsatz vor: Vermessung, Sicherheitscheck, Proviantierung. Auf den Stegen drängten sich neugierige Passanten, während Crews Säcke mit Leichtwindsegeln und laufendem Gut durch die Massen manövrierten.

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Tag 2: “Eilean” kehrt zurück

Der zweite Tag gehörte “Eilean”. Die 25,60 Meter lange italienische Bermuda-Ketsch – 1936 entworfen und aus Teak gebaut gebaut von William Fife III im schottischen Fairlie – gab nach längerer Abwesenheit ihr lang erwartetes Comeback bei den Régates Royales. Der Yacht Club de Cannes und die Konkurrenz in der Big-Boats-Klasse begrüßten sie herzlich.

Im Jahr 2007 hatte die Uhrenmarke Panerai das Schiff in einem Zustand der Verwahrlosung erworben und es bis 2009 von der renommierten Werft Francesco Del Carlo in Viareggio vollständig restaurieren lassen. Heute wird “Eilean” von einer rein italienischen Crew unter Kapitän Stefano Valente gesegelt.

Doch die Natur spielte nicht mit. Drei Stunden warteten die 85 Teilnehmer unter brennender Sonne auf Wind – vergeblich. Der thermische Nachmittagswind wurde von einer dominanten Südostströmung blockiert. Die Wettfahrtleitung blies schließlich ab. Kein einziges Rennen wurde gewertet.

Auf dem Regattagelände wurde an diesem Tag eine Bilderschau gezeigt, als Tribut für den Italiener Carlo Borlenghi – einen der bedeutendsten internationalen Segelfotografen, der Ende des Sommers verstorben war. Borlenghi hatte die Régates Royales jahrzehntelang fotografisch begleitet und viele der ikonischen Bilder von dieser Veranstaltung geschaffen.

Tag 3: “Shamrock V” gegen “Cambria”

Der Mittwoch brachte eine stetige Ostbrise von rund 10 Knoten, und sah sieben Klassen im Rennen, durch glitzerndes Licht über der Bucht.

Das Spektakel des Tages lieferten zwei Kolosse: “Shamrock V” und “Cambria” – zwei der berühmtesten Rennsegelyachten der Geschichte – fuhren ihren eigenen inoffiziellen Zweikampf aus, während sich die Yachten der übrigen Klassen am Wind zur Tonne bei den Lérins-Inseln kämpften.

Die “Shamrock V” ist eine J-Class von 36,58 Metern, entworfen 1930 von Charles Ernest Nicholson für Sir Thomas Liptons fünften America’s-Cup-Versuch. Die fast 170 Tonnen schwere Yacht aus Stahl und Holz wurde 2004 in Southampton vollständig restauriert. Cambria, eine 23-Meter-Rennyacht von 33,80 Metern, entworfen von William Fife III und auf seiner Werft in Fairlie gebaut, misst mit Bugspriet über 41 Meter. Beide Masten ragen rund 45 Meter in den Himmel. Das goldene Zeitalter des America’s Cup – lebendig vor Cannes.

Tag 4: Champagner-Segeln

Temperaturen von 26 Grad, Sonnenschein, auffrischender Südwest bis 15 Knoten – der Donnerstag lieferte, was Segler auf der ganzen Welt „Champagne Sailing" nennen. Die 34 Drachen absolvierten drei Wettfahrten in der Ostbucht. Die Tofinou- und 12-Meter-Flotten rasten vor der Kulisse der Esterel-Berge. Die übrigen Klassen segelten einen 14,5-Seemeilen-Küstenkurs, auf der die NY 49 “Rowdy” glänzte, die mit einer beeindruckenden Kombination aus Geschwindigkeit, Taktik und Bootshandling alle Konkurrenten hinter sich ließ. An Land stieg dann die traditionelle Crew Party.

Tag 5: Päpstliche Glocken

Freitag, der 25. September, begann mit einer ungewöhnlichen Unterbrechung: Wettfahrtleiter Jérôme Nutte verschob das reguläre Skipper-Briefing um 15 Minuten – denn um 10 Uhr läuteten die Kirchenglocken quer durch Frankreich zum Empfang von Papst Leo XIV.

Am Yacht Club de Cannes warteten Seglerinnen und Segler mit Kaffee und Croissants, während ein Ostwind von fast 25 Knoten langsam nachließ. Die Wettfahrtleitung entschied klug: Die ersten Starts wurden um eine Stunde verschoben. Die Weitsicht zahlte sich aus: Der Wind flaute ab, die See wurde fast spiegelglatt, die Bedingungen wurden außergewöhnlich – und die Starts folgten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks aufeinander.

Die Époque-Aurique-Flotte lieferte das Spektakel des Tages: dramatische Duelle, enge Begegnungen und intensive Kreuzschläge in der 300-Meter-Zone. In der Ostbucht absolvierten die 34 Drachen ihre zehnte und letzte Wettfahrt der Regatta. Die Preisverleihung der Drachen fand am Abend bei Sonnenuntergang im Yacht Club de Cannes statt.

Tag 6: Siegerehrung im Abendlicht

Samstag, der 27. September: leichter Südostwind, goldenes Licht über den Esterel-Bergen, hunderte Seglerinnen und Segler versammelt im Yachthafen von Cannes. Die 48. Régates Royales gingen zu Ende.

Clubpräsident Jean-François Cutugno dankte Organisatoren, Freiwilligen und Teilnehmern und würdigte die Veranstaltung als das, was sie Jahr für Jahr ist: eines der bedeutendsten Treffen klassischer Yachten auf der Welt. Trotz eines windstillen Ausfalltages hatten die anderen vier Renntage spektakuläres und intensives Regattasegeln unter nahezu perfekten Bedingungen geliefert.

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Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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