Seit 1936 ist die stählerne Yawl „Peter von Seestermühe“ auf der Hohen See zu Hause. Eigner Christoph von Reibnitz bereitet die klassische Yacht derzeit auf ihre 90. Segelsaison vor, in der er zum 15. Mal mit der Atlantic Rally for Cruisers in die Karibik segeln wird.
Knapp 50.000 Seemeilen habe „der Peter“ unter seiner Ägide allein auf dieser Route bereits zurückgelegt – wenn Eigner Christoph von Reibnitz über Zahlen spricht, dann kann dem durchschnittlichen Segler beim Zuhören schwindelig werden.
Doch das relativiert sich vor dem Hintergrund, dass der an der Niederelbe aufgewachsene und von der Pike auf mit dem Segeln groß gewordene Skipper sein Schiff bereits vor 35 Jahren erwarb. Seither bringt er den mitsegelnden Chartergästen an Bord des liebevoll gepflegten Klassikers den Reiz traditioneller Seemannschaft in den europäischen Küstengewässern und auf hoher See näher.
Sein Törnplan sieht die Teilnahme an der legendären Atlantic Rally for Cruisers (ARC) nur in jeder zweiten Saison vor, denn die startet erst Ende November und nach seiner Ankunft in der Karibik bleibt der „Peter von Seestermühe“ während der Wintermonate in der Karibik.
Wenn es im darauffolgenden Frühling dann wieder transatlantik zurück in die Heimatgewässer geht, steht nach einem Segelsommer auf der Ostsee mit traditionellem Törn in die norwegischen Fjorde ein Winter mit Werftliegezeit und intensiven Überholungsarbeiten an.
Dann werden regelmäßig Erinnerungen an die Zeit wach, als der damals 25-Jährige sich mit schwerem Gerät an die Herkulesaufgabe machte, das 18 Meter lange Stahlschiff eigenhändig wieder instand zu setzen – begleitet vom Kopfschütteln fast aller, die ihn beobachteten.
Im Sommer 1991 hatte er den Kaufvertrag für die prominente Yawl mit bewegter Geschichte unterschrieben, die nach ihrem Bau auf der Danziger Werft im Jahr 1936 erst dem Akademischen Segler-Verein zu Danzig und nach dem zweiten Weltkrieg dem Akademischen Segel-Verein in Kiel für die Ausbildung im Hochseesegeln diente.
Schon unter dem Stander des ASV überquerte die damals „Peter von Danzig“ heißende Yacht zwanzigmal den Atlantik, rundete das Kap Horn und segelte um die Welt. Im Sommer 1991 hatte sie im ASV ausgedient und wechselte in die Hände des Enthusiasten von Reibnitz, der das arg mitgenommene Stahlschiff eigenhändig wieder instand setzte, um damit den geplanten Segelbetrieb aufnehmen zu können, der seither sein Leben bestimmt.
Zunächst war dieser Plan noch recht vage, erinnert sich von Reibnitz heute. "Klar war nur, das Schiff sollte weiterhin segeln, viel segeln".
Heute kann er mit Stolz darauf zurückblicken, über die Jahre nicht nur in unzähligen Arbeitsstunden ein Schmuckstück aus dem von Henry Gruber konstruierten Klassiker gemacht zu haben, sondern auch darauf, dass sein Plan aufgegangen ist. Und dass er die Yacht weiterhin in dem Geist ihrer Bestimmung hat weiterleben lassen:
"Hohe Wellen und stille Flauten, brüllende Stürme und liebliche Backstagsbrisen sind 'Peters' täglich Brot. Klamme Finger und Sonnenbaden an Deck, nordische Gletscher und palmenbestandene Strände gehören zu ihm. Arbeitsreiche Werftzeiten und hochkarätige Segelveranstaltungen, Hafenmetropolen und stille Buchten liegen auf seinem Kurs. Ungezählte Segler haben an- und abgeheuert, Freundschaften fürs Leben sind endstanden."
Mit diesen Worten wurde das Schiff beim ASV verabschiedet, rückblickend betrachtet, so von Reibnitz, könnte er das Gleiche über die vergangenen 35 Jahre seiner Eignerschaft sagen. Wichtig sei ihm, dass sich jeder an Bord willkommen fühle, von Segelanfängern bis zu erfahrenen Seglern. Was er seinen Gästen näherbringen möchte, sei eine gute Seemannschaft. Dazu zähle Umsicht, Geduld, Vorsicht, Sicherheit, Ordnung, Respekt vor Mensch und Natur. “Teil einer Crew an Bord dieses Klassikers zu sein”, so von Reibnitz, “bedeutet: Erfahrungen und Erlebnisse zu machen, die weit über die Zeit an Bord hinausgehen und den Alltag bereichern.”

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.