Nach insgesamt zwölf Jahren seit Projektbeginn wurde die rekonstruierte "Bonavista" am Samstag im Rahmen eines maritimen Festes in Marstal unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit an das künftig bereedernde Nationalmuseum übergeben. Noch bis zum Vorabend hatten die Bootsbauer um Ebbe Andersen hier am Eriksens Plads, wo das imposante Schiff einst auch gebaut wurde, gearbeitet.
In ihren Ansprachen gingen der Leiter des örtlichen Schifffahrtsmuseums, Erik Kromann, und Peter Henningsen, Oberinspektor des Nationalmuseums und Spitze der Projektleitung, auf die Frage ein, ob die "Bonavista" eine Restaurierung oder ein Neubau sei. Wichtiger als diese philosophische Erwägung aber sei, so Bürgermeister Ole Wej Petersen, dass der Schoner, der schon vor 105 Jahren von diesem Hafen aus mit Ziel Neufundland ausgelaufen sei, hier in Marstal wieder seinen Heimathafen habe.
39 Millionen Kronen (5,2 Millionen Euro) hat das Projekt alles in allem verschlungen, 26 Millionen Kronen (3,5 Millionen Euro) davon gingen in die Rekonstruktion des Rumpfes in den Jahren 2008 bis zum Stapellauf 2012. Weil es an den weiteren 13 Millionen mangelte, die für Ausbau, Rigg, Segel, Takelage, Technik und Antrieb fehlten, stand das Projekt mehrere Jahre lang still. Dann erfolgte eine Förderung durch den A. P. Møller-Fonds, und es konnte weitergehen.
Die "Bonavista" wurde 1914 in Marstal gebaut. Sie ist eine der letzten Vertreterinnen eines Handelsschiffstyps, mit dem von der kleinen Hafenstadt auf Ærø aus transatlantischer Handel betrieben wurde. Sie ist nach einem Ort in Neufundland benannt. Vom Original konnten ein Stevenknie vorn und achtern, ein Spant, zwei Bodenwrangen und das Ankerspill gerettet werden.
Marstal war zur Zeit des Stapellaufs der "Bonavista" nach Kopenhagen die bedeutendste dänische Hafenstadt, gut 300 große Handelsschiffe hatten hier ihren Heimathafen. Das Seefahrtsmuseum zeigt heute in über 30 Ausstellungsräumen eine der beeindruckendsten Sammlungen im Ostseeraum.
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Stellvertretender Chefredakteur YACHT
Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.