Jahrelang lag die über 100 Jahre alte Segelyacht „Klaus Störtebeker III“ vergessen an der Wiesbadenbrücke im Großen Hafen von Wilhelmshaven, ehe der eigens dafür gegründete gemeinnützige Jadewind e.V. den Traditionssegler kaufte und nun auf der H. Bültjer Bootswerft in Ditzum von Grund auf restaurieren lässt. Nach Instandsetzung soll die Yacht vom kommenden Sommer an wieder Jugendlichen zur Förderung des Segelsports zur Verfügung stehen, insbesondere zur Ausbildung von Stammcrews für Traditionssegler an deutschen Küsten.
Inzwischen sind die Restaurierungsarbeiten der auf traditionellen Holzbootsbau spezialisierten Bootswerft bereits weit fortgeschritten. Sowohl auf Backbord als auch auf Steuerbord wurden die oberen zwei Plankengänge des Rumpfes, das gesamte Leibholz, das Süll und die Scheuerleiste entfernt, um die vertorften, schadhaften Spanten und Spantenköpfe zu ersetzen. Hein von Dollart, Altgeselle der Bültjer Bootswerft, hat anschließend die Planken mit einer Riesensäge ausgeschnitten, ca. 60 Minuten heiß gedämpft und im heißen Zustand mit hydraulischer Kraft an die richtigen Stellen passgenau angebolzt.
Manchmal durfte der Arbeitsdienst des Vereins bei diesen Arbeiten mit Hand anlegen. Um die Leibhölzer und das Süll nach Originalplänen wieder einzubauen, mussten aufwendig Holzschablonen vorgefertigt werden. Erst nach deren perfekter Anpassung wurden aus Edelhölzern die Leibhölzer, das Süll und die Scheuerleisten ausgesägt und in den Rumpf eingearbeitet. Für diesen Teil der Restaurierung wurden originale Konstruktionszeichnungen des Hamburger Konstrukteurs Heinrich Rabba vorgelegt. Anschließend wurde der Rumpf vom Bootsbaumeister Gerrit Bültjer vollständig neu kalfatert und geprimert.
In den Herbstmonaten 2025 hat der Arbeitsdienst des Jadewind e.V. die Cockpitwanne und den Schiffsdiesel demontiert und ausgebaut. Die Maschine wurde im Frühjahr 2026 zur Motorenwerkstatt der Jade Dienst GmbH verholt, deren Techniker die Maschine bis Juli generalüberholen werden. Ende Juli wird die Motorenwerkstatt der Jade Dienst den Schiffsdiesel vor Ort wieder einbauen.
Bis dahin wird Hein von Dollart die vertorften Teile der tragenden Balken des Cockpits und die die Leibung der Cockpitwanne erneuern und die Ruderanlage überarbeiten. Auch dazu mussten Originalpläne besorgt werden, da „Klaus Störtebeker III“ gemäß Vereinsbeschluss wieder auf Pinnensteuerung zurückgebaut wird.
Der Bugspriet muss ebenfalls erneuert werden. In diesem Zusammenhang werden Lateral-, Segel- und Gewichtsschwerpunkt von einem Bremer Fachbetrieb neu vermessen, bevor das Rigg saniert und angepasst wird und die neuen Segel eingemessen werden.
Der Arbeitsdienst des Jadewind e.V. hat die Tieftanks ausgebaut, so dass sämtliche Eisenwrangen in der Tiefbilge in tagelangen Arbeitsdiensten entrostet und konserviert wurden. Ebenso wurde die Elektrik komplett demontiert. Im Herbst 2026 werden Innenkabinen, Kojen, Navigationsecke, Pantry und Nasszelle renoviert. Für den Arbeitsdienst des Vereins bedeutet das: schleifen, vorlackieren, schleifen, vorlackieren, schleifen…..
Selbstverständlich ist dieses Großprojekt nur mit tatkräftiger Unterstützung realisierbar. Das Traditionsunternehmen H. Bültjer Bootswerft leistet nicht nur bootsbauerische Arbeiten, sondern weist die Vereinsmitglieder kompetent in alle Eigenarbeiten ein, denn zahlreiche Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer erbringen wichtige Eigenleistungen. Großzügige Spender sorgen dafür, dass der gemeinnützige Verein schuldenfrei allen Verpflichtungen nachkommen kann. Und nicht zuletzt unterstützt die Bootswerft Hamburg-Cranz das Projekt, auf der die „Klaus Störtebeker III“ im Jahre 1922 als Gaffelketsch unter dem Namen „Bille III“ vom Stapel lief.
Gleichwohl müssen bis zur endgültigen Übergabe des Traditionsseglers an Jugend-projekte unter dem Mentorat des Jadewind e.V. noch ca. 150.000 Euro an Spenden generiert werden.
Im Frühjahr 2027 soll die „Klaus Störtebeker III“ nach Wilhelmshaven verholt werden. Die Jade Yachting GmbH wird die neueste Sicherheitselektronik unter Beratung der DGzRS einbauen, und die Segelmacher der MWB Motorenwerk Wilhelmshaven GmbH & Co. KG werden einen Satz neuer Segel im Antiklook herstellen.
Noch ist es eine kleine Gruppe seemännische Enthusiasten, die das Projekt in Angriff genommen und mit Hilfe zahlreicher Spender und Unterstützer die vollständige Sanierung der „Klaus Störtebeker III“ realisieren werden. Aber es bedarf noch zahlreicher weiterer Mitglieder, um die Segelyacht an ihrem neuen Liegeplatz im Großen Hafen von Wilhelmshaven zu unterhalten, von dort über die hohe See zu fernen Küsten und zu internationalen Jugendtreffs zu segeln.
An Bord greifen die Trainees ganz selbständig einen internationalen Klassiker der Seefahrtliteratur aus der Bordbibliothek für ihre Freiwache heraus, lernen gemeinsam für die ganze Crew Kartoffeln zu schälen und zu kochen und fangen an, mit Situationen umzugehen, bei denen Handeln oder Nichthandeln unmittelbare Konsequenzen nach sich ziehen. Mehr und mehr können in Zukunft Persönlichkeitsentwicklung und Horizonterweiterung durch praktische Erfahrung und Selbstaufklärung auf „Klaus Störtebeker III“ fernab auf hoher See wieder ergriffen und begriffen werden.
Am 4. Juli 2026 veranstaltet der Jadewind e.V. seinen ersten Ausbildungstörn um eine Stammcrew aufzubauen. Gesegelt wird auf traditionellen Jollenkreuzern im Jaderevier. Die ausführliche Ausschreibung und Teilnahmevoraussetzungen sind hier zu finden:
Ein Ziel ist der Erwerb der amtlichen Sportbootführerscheine (SSS, SHSS) mit denen man Traditionssegler als lizensierter Kapitän und Steuermann gemäß der Segelanweisung des Jadewind e.V. führen kann. Es geht jedoch hauptsächlich darum, Schiffsführer und Steuerleute auszubilden, die mit dem Heimatrevier und dem Vereinsschiff vertraut sind, die Segelanweisungen des Segelbeirates des Jadewind e.V. verlässlich umsetzen und die Sicherheit und Leichtigkeit der Schiffsverkehre gewährleisten. Dazu arbeitet die Schiffsführung die 10 Trainees an Bord mit klaren Befehlen und pädagogischem Geschick in die Wachaufgaben ein. Jugendschiffe der S.T.A.G. sind satzungsgemäß drogen- und alkoholfrei.
In Absprache mit der Jugendabteilung der S.T.A.G. (Sail Training Association Germany) wird ein Segelgeld von 80 Euro pro Tag erhoben (für die Koje, Proviant, Treibstoff und Liegegebühren), Trainees und lizensierte Skipper müssen für mindestens ein Jahr Mitglied im Jadewind e.V. sein. Selbstverständlich werden nach Indienststellung auch auf „Klaus Störtebeker III“ regelmäßig Stammcrewausbildungstörns vom Jadewind e.V. ausgeschrieben und veranstaltet.
Am 21. Juni 2028 startet „Klaus Störtebeker III“ in Kiel zur Teilnahme am Tall Ship Race 28 nach Turku. Auch Tallin, Marie Hamm, Stettin und Greifswald werden in dieser internationalen Jugendveranstaltung angelaufen. Der Jadewind e.V. wird dazu erstmals im Herbst 2027 einen detaillierten Törnplan für „Klaus Störtebeker III“ für die Segelsaison 2028 herausgeben.
Am 2. Juli 2026 veranstaltet der Jadewind e.V. für Vereinsmitglieder, Freunde und Gäste eine eintägige Busreise nach Leer und nach Ditzum. In Leer gibt es Vorträge zur Konzeption und Geschichte des Museumshafens Leer, und in Ditzum findet zusammen mit den Bootsbauern der Bültjer Werft eine Kaffeetafel unter dem Rumpf der „Klaus Störtebeker III“ statt. Ausschreibung unter:
„Klaus Störtebeker III“ ist eine Zweimast-Gaffelketsch