Klassiker

KLASSIKER: Umfangreicher Refit für "Wanderer III"

Jochen Rieker

 · 21.11.2012

KLASSIKER: Umfangreicher Refit für "Wanderer III"Foto: Kicki Ericson

Nach Jahrzehnten auf See und Jahren im Eis überwintert die berühmte Yacht, die einst schon die Hiscocks um die Welt trug, auf dem Trockenen

  "Wanderer III" beim Refit 2012 in Buenos AiresFoto: Kicki Ericson
"Wanderer III" beim Refit 2012 in Buenos Aires

Für Thies Matzen und Kicki Ericsson ist es eine ungewöhnliche Schiffsmeldung. "Sieben Jahre lang war 'Wanderer' insgesamt nicht aus dem Wasser, der Kupferhaut sei Dank", schreibt Thies gestern in einer E-Mail an die YACHT. Nun aber liegt sie aufgepallt an Land, seit vier Monaten schon. Und die Hitze des südamerikanischen Sommers macht ihr und ihren Eignern zu schaffen.

"Nach Jahren im Kühlschrank des hohen Südens steht sie hier bei 35 Grad, wie im Backofen. Wir wollten die kleinen vom Eis verursachten Schäden beheben und sehen uns jetzt übermäßigem Austrocknen gegenüber", schildert Thies Matzen, der die 1952 gebaute 31-Fuß-Slup seit mehr als 30 Jahren "mein Zuhause" nennt. In den Zeilen des fähigen Bootsbauers schwingt durchaus Sorge mit.

"Ist halt Holz, und Holz lebt. Ich schrieb's schon mal: Kein Boot aus anderen Materialien ist so dem Wasser verbunden wie eines aus Holz. Es braucht es, fühlt sich dort am besten."

Fremdes Element: In der Sonne des argentinischen Sommers trocknet das Holz extrem aus – sehr zur Sorge seiner EignerFoto: Kicki Ericson
Fremdes Element: In der Sonne des argentinischen Sommers trocknet das Holz extrem aus – sehr zur Sorge seiner Eigner
Fast alles musste raus, um von innen an die Struktur zu kommen – auch die TanksFoto: Kicki Ericson
Fast alles musste raus, um von innen an die Struktur zu kommen – auch die Tanks
Perfekter Schutz: Der mit Kupferplatten beschlagene Rumpf war sieben Jahre ununterbrochen im WasserFoto: Kicki Ericson
Perfekter Schutz: Der mit Kupferplatten beschlagene Rumpf war sieben Jahre ununterbrochen im Wasser
Men at work: Unterstützung fanden Thies (r.) und Kicki von einem guten FreundFoto: Kicki Ericson
Men at work: Unterstützung fanden Thies (r.) und Kicki von einem guten Freund
Wird: Blick auf die Beplankung, wo sonst das Salonsofa seinen Platz hat Foto: Kicki Ericson
Wird: Blick auf die Beplankung, wo sonst das Salonsofa seinen Platz hat 
Auch wenn "Wanderer" nur 9,30 Meter mal 2,65 Meter misst: zehn Jahre nach dem letzten großen Refit ist reichlich zu schleifen und malenFoto: Kicki Ericson
Auch wenn "Wanderer" nur 9,30 Meter mal 2,65 Meter misst: zehn Jahre nach dem letzten großen Refit ist reichlich zu schleifen und malen
Fremdes Element: In der Sonne des argentinischen Sommers trocknet das Holz extrem aus – sehr zur Sorge seiner EignerFoto: Kicki Ericson
Fremdes Element: In der Sonne des argentinischen Sommers trocknet das Holz extrem aus – sehr zur Sorge seiner Eigner
Fast alles musste raus, um von innen an die Struktur zu kommen – auch die TanksFoto: Kicki Ericson
Fast alles musste raus, um von innen an die Struktur zu kommen – auch die Tanks
Fast alles musste raus, um von innen an die Struktur zu kommen – auch die Tanks
Perfekter Schutz: Der mit Kupferplatten beschlagene Rumpf war sieben Jahre ununterbrochen im Wasser
Men at work: Unterstützung fanden Thies (r.) und Kicki von einem guten Freund
Wird: Blick auf die Beplankung, wo sonst das Salonsofa seinen Platz hat 
Auch wenn "Wanderer" nur 9,30 Meter mal 2,65 Meter misst: zehn Jahre nach dem letzten großen Refit ist reichlich zu schleifen und malen
Fremdes Element: In der Sonne des argentinischen Sommers trocknet das Holz extrem aus – sehr zur Sorge seiner Eigner

Im September, als die Temperaturen weit gemäßigter waren in Argentinien, klang Vorfreude beim Gedanken an die fälligen Arbeiten durch. "Jetzt machen wir erst mal 'Wanderer' klar, ab nächster Woche, wohl für zwei Monate. Und ich freue mich drauf, sie auseinanderzunehmen und zu untersuchen, neu zu malen, Motor, Mast …" Obwohl substanziell alles in Ordnung war, zog sich das Projekt dennoch länger hin als ursprünglich geplant.

Der Grund: Es ist ein "Zehn-Jahres-Refit", wie Thies schreibt. "Der letzte wirklich gründliche, vor allen Dingen strukturelle erfolgte vor zehn Jahren in Neuseeland, danach folgten zehn stramme an Bord verlebte Winter, allesamt entweder mit Torf, Kohle oder Holz gewärmt, mit Folgewirkungen für den Innenanstrich natürlich. Aber diese letzten zehn Jahre hatten wir keine strukturellen Probleme, jetzt, hier bei einem guten Freund im Paraná-Delta, brauchen wir zum ersten Mal nichts anderes am Unterwasserschiff zu machen als malen, also keine Kupferplatten ab, um an die Planken zu gelangen. Dennoch gibt's auch sonst genug zu tun."

Um von innen an den Rumpf zu kommen und alles genau inspizieren zu können, haben Thies und Kicki die Einbauten weitestgehend entfernt – bis hin zu den Tanks. Statt des heimeligen Flairs eines Klassikers verströmt "Wanderer" derzeit nüchterne, nackte Zweckmäßigkeit. Doch bald schon wird sie – endlich – wieder schwimmen. Und seeklar sein für weitere Abenteuer, viele neue lange Fahrten. An die 300.000 Seemeilen hat sie schon geloggt, in den extremsten Revieren der Welt. Eine unglaubliche Leistung für ein nur 9,30 Meter messendes Holzboot.

Von einer unvergesslichen Seereise "Wanderers" erzählt Thies Matzen in der neuen YACHT classic. Es ist die Geschichte einer 5000 Meilen weiten Suche nach einer einsamen Insel im Südpazifik: Podesta. Heft 1-2013 erscheint am 12. Dezember. Online-Vorbestellung hier!

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