Fabian Boerger
· 25.04.2026
Samstagvormittag an der Kieler Förde. Die "Thor Heyerdahl" gleitet in die Schwentinemündung. In den Rahen stehen die Schüler – trotz starker Böen. Ihr Ölzeug leuchtet rot und gelb gegen den grauen Himmel, der Wind treibt das Segelschulschiff zügig voran. Ziel: der Liegeplatz vor dem Geomar in Kiel-Wellingdorf.
Am Kai haben sich bereits Dutzende versammelt. Familienangehörige, Freunde, ehemalige Mitsegler. Sie schwenken Flaggen – viele davon karibisch, andere von den Azoren oder von anderswo. Es sind die Fahnen von all den Orten, die die Crew in den vergangenen Monaten angelaufen hat. Es ist ein buntes Willkommen in Grau.
Sechseinhalb Monate auf See. 12.000 Seemeilen liegen im Kielwasser der “Thor Heyerdahl”. Nun kehren 34 Schülerinnen und Schüler zurück, gemeinsam mit 16 Erwachsenen, Lehrkräften und Stammcrew. Im Oktober war das Traditionsschiff mit dem „Klassenzimmer unter Segeln" Richtung Karibik aufgebrochen.
Unter den Wartenden am Kai: Constanze Prange, stellvertretende Stadtpräsidentin von Kiel. „Die ‚Thor Heyerdahl' ist mehr als nur ein Schiff", sagt sie. „Sie ist ein lebendiger Ort der Bildung und Persönlichkeitsentwicklung.”
Sie ist ein Aushängeschild für die Landeshauptstadt Kiel."
Während der Reise erkundeten die Schüler neben dem Atlantik auch unterschiedliche Länder und gingen etwa auf Kuba oder in Panama an Land. Mehrmals übernahmen sie eigenständig die Schiffsführung.
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Für die “Thor Heyerdahl” war es der 18. Törn im Projekt „Klassenzimmer unter Segeln", das die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg initiiert hat. Das Ziel: nicht nur Wissen auf See vermitteln, sondern Persönlichkeiten entwickeln.
Die Ankunft war nicht nur für die Schüler und ihre Familien bedeutsam, sondern auch für Detlef Soitzek, den Gründer des erlebnispädagogischen Konzepts. Nach über 40 Jahren ist es für ihn die letzte Überfahrt – nun geht er in den Ruhestand. „Mit Detlef Soitzek geht der visionäre Gründer dieses Projekts von Bord", sagt Christian Haehl, Vorstandsvorsitzender des Vereins Segelschiff “Thor Heyerdahl”.
Soitzek ist seit Beginn an eng mit dem Schiff verbunden. 1979 ersteigerte er den alten Frachtmotorsegler, gebaut 1930 in den Niederlanden. Von 1979 bis 1983 baute ihn die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel - heute ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) - zum Toppsegelschoner um. Seither ermöglicht das Schiff Jugend- und Bildungsprojekte an Bord. Von Oktober 2007 bis Mai 2009 folgte eine umfassende Grundsanierung mit komplettem Neubau des Rumpfs. Seither werden zahlreiche Angebote für Jugendliche angeboten – etwa das „Klassenzimmer unter Segeln".
Einen großen Teil der Arbeit trägt die Stammcrew: Fast 800 aktive Ehrenamtliche führen in wechselnder Zusammensetzung das Schiff, halten es zuverlässig in Betrieb. Insgesamt zählt der Verein rund 1700 Mitglieder – damit gehört er wohl zu den größten und aktivsten Traditionsschifffahrtsvereinen in Deutschland.
Besonders ist die Zahl junger, aktiver Mitglieder. Viele Schüler vom „Klassenzimmer unter Segeln" kehren später an Bord zurück, sagt der Verein – dann als Teil der Crew.
Zwei Institutionen tragen das Projekt gemeinsam: die Segelschiff Thor Heyerdahl gGmbH und der Verein Segelschiff Thor Heyerdahl e.V. Der Abschied von Detlef Soitzek wird zum Anlass, die Organisation neu zu ordnen. Die Mitglieder gründen gerade eine Stiftung, die im Sommer 2026 offiziell werden soll.
Mehr Informationen zur “Thor Heyerdahl” finden Sie hier.
Die Rückkehr der “Thor Heyerdahl” nach Kiel markiert zugleich den Saisonauftakt in der Ostsee. Dort wird das Segelschulschiff bis Oktober unterwegs sein, wenn das nächste „Klassenzimmer unter Segeln" startet. Zuvor geht es noch in die Werft für kleinere Arbeiten, etwa 50 Ehrenamtliche werden beteiligt sein. Danach folgen ein halbes Jahr lang kürzere Törns, vorrangig für Jugendliche auf der Ostsee, bevor es wieder über den Atlantik gehen wird.

Redakteur News & Panorama