Gestern Mittag hieß es “Leinen los!” in Kiel. Die “Gorch Fock” verließ ihren Heimathafen und brach auf zu einer besonderen Ausbildungsreise. Sie führt über den Atlantik nach Amerika mit Stationen in Bayonne, Las Palmas de Gran Canaria, Hamilton (Bermuda), Norfolk, Baltimore und New York sowie in Halifax (Kanada) und Reykjavik (Island).
Für den Kommandanten, Kapitän zur See Elmar Bornkessel, steht eine Reise mit vielen Facetten bevor: "Auf der kommenden 189. Auslandsausbildungsreise bilden wir Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter in einer besonders seemännisch anspruchsvollen Umgebung im Nordatlantik aus. Zusätzlich starten wir das Programm Work & Travel für junge Soldatinnen und Soldaten”, so der Kommandant.
Die Fahrt biete zahlreiche Höhepunkte - von der Transatlantikpassage über das Einlaufen am 4. Juli in New York anlässlich der Feierlichkeiten zur 250-jährigen Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bis zum Wiedersehen der Schwesterschiffe der “Gorch Fock” im Rahmen der "Five Sisters Trophy" von New York nach Boston”, führte Bornkessel weiter aus. Und: “Als Kommandant erwarte ich, dass diese Reise unseren jungen Seeleuten unvergessliche Momente schenkt, sie maritim prägt und gezielt auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet.”
Erstmalig wird auf der "Gorch Fock" das Work & Travel-Programm angeboten. Auf jedem Reiseabschnitt nimmt das Schiff 25 junge Männer und Frauen mit, die über den freiwilligen Wehrdienst in die Bundeswehr gekommen sind. Rund 230 Besatzungsmitglieder sind an Bord - volle Auslastung. Das bedeutet: "Die ein oder andere Lücke zwischen der Hängematte, die vielleicht in der jüngeren Vergangenheit noch da war, wird es nicht mehr geben", so Bornkessel.
In New York soll das Segelschulschiff an einer großen Flottenparade teilnehmen. Über 100 Großsegler sind angekündigt – im Prinzip alle Großsegler, die aktuell auf den Weltmeeren unterwegs sind, wie Kommandant Bornkessel erklärt.
Von New York aus segelt die Crew dann gegen ihre drei noch aktiven Schwesterschiffe nach Boston um die Five Sisters Trophy: die „USCGC Eagle" aus den USA, die „Sagres" aus Portugal und die „Mircea" aus Rumänien. Die Wettfahrt ist vom 8. bis 10. Juli geplant.
Dass alle Schwesterschiffe zusammenkamen, gab es zuletzt 1976 anlässlich der damaligen 200-Jahr-Feier der USA. Es war zudem das erste und bislang einzige Mal, dass die - damals noch fünf - Schwesterschiffe gegeneinander antraten. Die “Gorch Fock” ging aus der Wettfahrt als Siegerin hervor. Seither steht die Trophäe an Bord des deutschen Segelschulschiffs. Über die Hintergründe der Five Sisters Trophy hatten wir ausführlich berichtet.
Schwerpunkt der Reise bleibt die Ausbildung der Offizieranwärterinnen und -anwärter, sagt der Kommandant. Es gibt aber auch Nebenaufträge. Das Schiff ist stets auch als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland unterwegs. Empfänge sind geplant. “Wir sind frohen Mutes, da eine gute Plattform zu sein für gute Gespräche und interessante Begegnungen”, so Bornkessel. Die Rückkehr nach Kiel ist für den 19. September vorgesehen.
Die Bark ist das älteste in Dienst befindliche Schiff der Deutschen Marine und dient der Ausbildung. Seit der Indienststellung im Dezember 1958 wurden etwa 20.000 Offizier- und Unteroffizieranwärter auf der “Gorch Fock” ausgebildet.
Im Verlauf der Ausbildungsreisen besuchte das Schiff bisher rund 400 Häfen in knapp 60 Ländern auf fünf Kontinenten. Dabei legte sie mehr als 780.000 Seemeilen zurück.
Das Segelschulschiff gehört nicht zu den Verbänden der Flotte, sondern untersteht der Marineschule Mürwik direkt. Gebaut 1958 in Hamburg, und 2016 bis 2021 komplett restauriert, ist die “Gorch Fock” ein Traditionsschiff der Marine.

Textchef YACHT