Gerammter SchonerBergung der „Eleonora“ beginnt

Tobias Frauen

 · 05.09.2022

Gerammter Schoner: Bergung der „Eleonora“ beginntFoto: Bombers Cataluna

Fast drei Monate lag die „Eleonora“ im Hafen von Tarragona auf Grund, nachdem sie von einem Versorgungsschiff gerammt worden war. Mit zwei Kränen soll sie nun gehoben werden, die gesamte Operation dauert etwa vier Wochen

Die Lokalzeitung „Diari de Tarragona“ berichtet ausführlich über die geplante Bergung. Laut dem Blatt wurden in den vergangenen Tagen letzte geologische Studien durchgeführt, bevor zwei 250 Tonnen schwere Kräne im Hafen aufgestellt werden. Mit 13,5 Meter Tragweite können sie jeweils 53 Tonnen Last anheben.

Bevor die „Eleonora“ bewegt wird, prüfen Taucher noch einmal den Zustand des Wracks und schauen, ob Sedimente in den Rumpf eingedrungen sind. Mit Ballons soll dann der Auftrieb erhöht und die Kräne unterstützt werden. Zusätzlich wurde eine Stahlkonstruktion entworfen, die am Kiel des Schoners befestigt wird. Diese soll den Rumpf vor weiteren Schäden durch die Bergungsarbeiten schützen. Zudem wird laufend überwacht, ob möglicherweise Schadstoffe austreten.

Fast drei Monate ragten nur die beiden Masten aus dem Hafenbecken von TarragonaFoto: Port of Tarragona/Twitter
Fast drei Monate ragten nur die beiden Masten aus dem Hafenbecken von Tarragona

Bergungsarbeiten dauern etwa vier Wochen

Nach diesen Vorbereitungsarbeiten ist dann der erste Schritt, die „Eleonora“ so weit zu heben, dass das Hauptdeck über Wasser liegt. Wenn das geschafft ist, wird der Schaden auf der Steuerbordseite genau inspiziert und soll noch vor Ort von einem Unterwasserteam provisorisch abgedichtet werden. Anschließend wird dann das Wasser aus dem Rumpf gepumpt, und weitere Auftriebsballons werden installiert, die den Schoner schließlich ganz heben sollen.

Wenn die „Eleonora“ stabilisiert ist, soll sie in die etwa 800 Meter entfernte PTW-Werft geschleppt werden. Dabei muss das gesamte Hafenbecken von Tarragona durchquert werden. Insgesamt soll die Bergung laut „Diari de Tarragona“ 28 Tage dauern, 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind daran beteiligt. Ob und wie der Schoner repariert werden soll, ist noch nicht bekannt.

Nachbau der legendären „Westward“

Anfang Juni hatte ein 60 Meter langes Hochsee-Versorgungsschiff die „Eleonora“ im Hafen von Tarragona gerammt, wo der Zweimaster längsseits an einer Pier festgemacht hatte. Mit Fahrt über den Achtersteven krachte der Versorger mit blockiertem Rückwärtsgang in die Steuerbordseite des 49,5 Meter langen Schoners. Lediglich etwa eine halbe Stunde dauerte es, bis nur noch die Masten aus dem Wasser ragten.

Der „Eleonora“-Unfall im Video:

Die „Eleonora“ ist der Nachbau der legendären „Westward“, die 1910 bei Herreshoff vom Stapel lief und der größte nach der International Rule von 1908 gebaute Schoner war. Der Holländer Ed Kastelein gab die Replik in Auftrag, nachdem er die Pläne ausfindig gemacht hatte. Der Stapellauf im Jahr 2001 wurde von der Szene als Sensation gefeiert und zum Vorbild für mehrere weitere Repliken klassischer Schoner wie „Atlantic“, „Elena“, „Germania“, „Ingomar“, „Naema“ und „Wolfhound“. Erst 2014 hatte die „Eleonora“ ein aufwändiges Refit erfahren. Sie war für 6,9 Millionen Pfund am Markt.

„Eleonora“ (r.) auf den Régates Royales in CannesFoto: Guido Cantini/seasee.com
„Eleonora“ (r.) auf den Régates Royales in Cannes

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel