Es ist spät im Jahr, die ersten Nachtfröste kommen, Wildgänse fliegen in großen Schwärmen in den Süden, und die meisten Yachten liegen schon im Winterlager. Doch die Oktobersonne wärmt noch auf gute 10 Grad, der Wind vor der kleinen Hafenstadt Muiden weht moderat, maximal 4 Beaufort.
Eine der zahlreichen Traditionsschiffregatten vor der niederländischen Nordseeküste steht an, und natürlich sind Henk Fredt und seine Crew mit dem Botter "AM 1" wieder dabei. Sobald sie die Startlinie überqueren, verfallen sie in den Rennmodus, offenbar können sie nicht anders. Auf der Kreuz hängen sie sich auch mal zu dritt mit ihrem ganzen Gewicht nach Luv, um noch etwas aufrichtendes Moment zu erzeugen und Höhe zu gewinnen.
Da wundert sich der Besucher schon nicht mehr über den Segelwechsel kurz vor dem Ziel, als der Wind abflaut, natürlich ist auch der selbstverständlich. "Leetrimm!", ruft Fredt nach der Wende, und sogleich stehen sie alle auf der Leeseite. Mit bis zu sechseinhalb Knoten pflügt der Botter durchs Wasser.

Redakteur Test & Technik
Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.