Ein Schiff als persönliches Geschenk für ein Staatsoberhaupt – das klingt nach einer anderen Zeit. Und das ist es auch. Als die Warnow-Werft in Rostock-Warnemünde am 26. Mai 1951 die Schonerbrigg „Wilhelm Pieck" vom Stapel ließ, war die DDR gerade zwei Jahre alt. Das Schiff, benannt nach dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR, blieb das einzige Hochseesegelschiff des Staates.
Das Schiff verband bei seinem Bau noch Niet- und Schweißtechnik, was es zu einem frühen Beispiel für den Wandel im Schiffbau machte. Am 26. Mai 1951 lief es vom Stapel, am 2. August folgte die Jungfernfahrt. Damit war die „Wilhelm Pieck" das einzige Hochseesegelschiff der DDR – ein Alleinstellungsmerkmal, das dem Schiff von Anfang an eine besondere Rolle zuwies.
Nach der feierlichen Übergabe ging das Schiff nicht etwa in den Repräsentationsbetrieb über, sondern in harte Ausbildungsarbeit. Die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die Jugendorganisation der DDR, übernahm das Schiff und nutzte es als Ausbildungsschiff für künftige Seeleute. Ab 1954 war Greifswald-Wieck der feste Heimathafen.
Von dort aus fuhr die „Wilhelm Pieck" über Jahrzehnte auf der Ostsee – und brachte Generationen von Matrosen und Seeleuten für die Handelsflotte, die Fischerei und andere maritime Berufe hervor. Das Schiff wurde damit zu einem konkreten Werkzeug der DDR-Berufsausbildung auf See.
Mit dem Ende der DDR änderte sich auch das Schicksal des Schiffes grundlegend. 1990 übernahm die Stadt Greifswald das Schiff. Ein Jahr später, 1991, erhielt es seinen heutigen Namen: “Greif” – entsprechend des Wappentiers der Stadt.
Seither trat die Greif als maritimer Botschafter der Hansestadt auf, nahm an Ostsee-Veranstaltungen teil und war auf internationalen Fahrten präsent. Der Status als „bewegliches Kulturdenkmal" machte das Schiff auch offiziell zu einem schützenswerten Teil des kulturellen Erbes – mit allen Konsequenzen für die notwendige Instandhaltung.
Ende 2022 wurde die Greif nach Stralsund verlegt. Was folgte, war keine einfache Überholung, sondern eine umfassende Grundsanierung. Rumpf, Decksaufbauten, Masten und Holzdeck – alles wurde erneuert. Im März 2026 wurde das Schiff schließlich wieder zu Wasser gelassen.
Die Kosten entwickelten sich dabei deutlich über die ursprünglichen Planungen hinaus. Die Gesamtkosten lagen zuletzt bei rund 7,7 Millionen Euro. Finanziert wurde die Sanierung aus einem Mix aus öffentlichen Mitteln, Förderzuschüssen und Spendengeldern.
Nach drei Jahren Sanierung in Stralsund ist das Segelschulschiff “Greif” Anfang März 2026 wieder zu Wasser gegangen. Aktuell konzentrieren sich die Arbeiten aufs Schiffsinnere: Kabinen, technische Anlagen und die gesamte Bordelektrik warten noch auf ihre Fertigstellung. Nach Abschluss dieser Arbeiten soll die “Greif” wieder in See – als Segelschulschiff und Botschafterin der Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Wann genau, steht noch nicht fest.

Redakteur News & Panorama