PremiereTF10: Heißer Foil-Trimaran zum Trailern aus Holland

Jochen Rieker

 · 06.02.2017

Premiere: TF10: Heißer Foil-Trimaran zum Trailern aus HollandFoto: Morelli & Melvin
Gut für 30 Konten und mehr – der neue 32-Fuß Foil-Tri TF10
Die Mehrrumpf-Experten Morelli & Melvin haben einen Foiler zum Falten konstruiert. Trailerbar ist er also, fahrtentauglich soll er auch sein – irgendwie

Foilen entwicklet sich zum Megatrend. Nach Cuppern und Regattabooten kommt die Tragflügel-Technologie ganz allmählich auch im Serienbootsbau an. Jüngstes Beispiel der Entwicklung ist der TF10, ein 32-Fuß-Foil-Trimaran von Morelli & Melvin – gewissermaßen das Mehrrumpf-Pendant zur Figaro 3 von Beneteau.

Gedacht ist das Boot als Einheitsklasse für Eigner, die selbst an der Pinne sitzen wollen – kein weiteres Spielzeug für Vollprofis. Eine Art "Volks-Foiler" also, wobei man das nicht zu wörtlich nehmen darf, denn der Preis wird sicher sechsstellig sein. Dafür sollen die laufenden Kosten im Rahmen bleiben, weil bis auf die Elektronik nahezu alles in den Klassenregeln festgeschrieben ist – bis hin, kein Witz (!), zu Anzahl und Modell der Winschkurbeln.

  Foil des TF10Foto: Morelli & Melvin Foil des TF10

Zum Konzept passen auch die Anhänge, die bei Tragflügelbooten ja mit zum Wichtigsten überhaupt zählen. Statt mehrfach gebogenen L-Foils gibt es beim TF10 relativ simple, nur einmal gekröpfte V-förmige Schwerter, die beim Segeln dauerhaft abgefiert bleiben; sie werden nur zum Trailern aufgeholt. Das ermöglicht unter anderem das (Regatta-)Segeln im Zweihand-Modus.

Die Ruderblätter mit T-Foils am Ende bleiben ebenfalls dauernd im Wasser. Sie verfügen aber über einen Kick-up-Mechanismus, der die Carbon-Konstruktion bei Kollisionen vor Bruch bewahren soll. Auch lassen sie sich im Hafen von Deck aus abnehmen, um das Trailern in seichten Uferregionen zu ermöglichen.

  Kick-up-RuderFoto: Morelli & Melvin Kick-up-Ruder

Die Verstellung von Rudern und Schwertern erfolgt elektrohydraulisch per Knopfdruck, kann also jederzeit vom Steuermann autonom vorgenommen werden – auch das eine Voraussetzung für das Segeln mit kleiner Crew. Variieren lässt sich jeweils der Anstellwinkel der Flügel.

Rumpf und Deck werden komplett in Kohlefaser-Sandwich mit Nomex-Wabenkern gebaut. Das erklärt das extrem geringe Leergewicht des Bootes von nur 1,1 Tonnen. Segelfertig mit Crew wird der TF10 rund 1,5 Tonnen verdrängen. Sein Potenzial ist vergleichbar mit dem des Foiler-Kats Easy To Fly. Die Segeltragezahl liegt bei 7,7. Zum Vergleich: Performance-Cruiser haben Werte um die 5,0. Es braucht also nur wenig Fantasie, um dem Tri bei flachem Wasser und 6 Beaufort 30 Knoten Top-Speed zuzutrauen.

Ach ja, zwei Einzelkojen gibt es im Mittelrumpf auch, der mit 1,80 Meter sogar fast Stehhöhe bieten soll. Streng genommen ist der TF10 also auch fahrtentauglich, wenn man kein Doppelbett, kein Klo und keine Pantry erwartet. Und er passt nicht nur hinter einen Mittelklasse-Pkw, sondern auch in einen 40-Fuß-Standard-Container. So gesehen lässt er sich günstigst in jedes Revier der Welt verschiffen.

Zur TF10-Website geht es hier, zu Werft DNA von Holland Composites hier.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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