Lagoon EIGHTY 2Viel Ruhe statt Glamour

Uske Berndt

 · 09.03.2026

Die Eighty 2 hat viel Platz für 8 bis 10 Gäste.
Foto: Julien Gazeau
​Der Lagoon EIGHTY 2 breitet auf 24 mal 11 Metern eine imposante Wohnfläche aus. An Bord des Kats stehen die Zeichen auf entschleunigtes Chartersegeln für acht bis zehn Gäste. BOOTE EXCLUSIV traf den Eigner im Hafen von Cannes.

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​Bevor es losgeht mit der Tour über die türkisblau-weiße „Imladris“, prasseln über einen Bildschirm am Kai noch diverse Fakten über die nachhaltige Konstruktion des 65-Tonners auf die Besucher ein. Demnach stecken in dem Kat zu 80 Prozent recycelte Glasfasern, rund 70 Prozent des Holzes sind wiederverwendetes Material, und knapp die Hälfte des Harzes (insgesamt acht Tonnen pro Kat) ist Bio­ware. Die Beneteau-Gruppe, zu der die Marke Lagoon gehört, teilt zudem mit, dass der Klebstoff für die Rümpfe zu 100 Prozent aus natürlichen oder recycelten Zutaten besteht und damit den Carbon-Fußabdruck um 50 Prozent senkt. Nur damit möchte die Marke allein in der Bauphase zehn Tonnen CO2 pro Kat einsparen. Dies ist Teil der groß angelegten Initiative der Yachtbau-Giganten, bis zum Jahr 2030 die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt um 30 Prozent zu senken.

Das Motto der Lagoon Eighty 2

Der Lagoon Eighty 2 greift samt Eigner und Crew die Erfahrungen rund um den Seventy 7 auf, wollte diesen aber in allen Facetten übertrumpfen. Die ersten Skizzen zeichnete der legendäre, als Automobildesigner bekannt gewordene Patrick Le Quément. Ziel war es, eine segelnde Charter-Basis ohne Kompromisse zu schaffen. Motto: Maximaler Platz und höchster Komfort. Le Quément feilte schließlich weiter an dem Konzept, nahm sich diverse Details vor, die seiner Meinung nach „niemals nur Details sind, denn das Design ist ein großes Ganzes, und alles muss zu seiner Wirkung beitragen“. Die finale Ausarbeitung stemmte das Team von VPLP, das seit 1987 Lagoon-Kats zum Leben erweckt – der erste war ein 55-Fußer. Für das französische Designstudio agiert der mittlerweile über 80-jährige Le Quément als Berater. VPLP lieferte auch die konstruktiven Berechnungen des Raumwunders.

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Im Fokus der Kreativköpfe und eine echte Attraktion für die bis zu acht Gäste der „Imladris“ ist ein Accessoire, das im Hafen nicht auf Anhieb ins Auge fällt: Am Heck fährt eine Schwimmplattform aus und dann nach oben, sodass sie mit ihrer stattlichen 22-Quadratmeter-Fläche das offene, halb im Schatten gelegene Cockpit um eine sonnige Terrasse erweitert. Die Plattform kann einen Tender oder Jetskis aufnehmen und dient als Ausgangspunkt für Schwimmzüge oder Tauchgänge. Falls für sportliche Aktivitäten mehr Platz benötigt wird, kann die Crew die frei stehenden Sitzmöbel im Cockpit schnell wegräumen. Von hier geht es nahtlos in den riesigen Salon mit Rundum-Ausblick, an Steuerbord steht ein U-förmiges Sofa, gegenüber ein Speiseplatz für acht Personen. Zwischen der offenen Pantry-Bar und der Zentrale für die Navigation liegt die Tür zur Vordeck-Lounge plus Trampolin.

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​Das Interieur gibt sich zeitlos und unaufgeregt

Zu beiden Seiten führen Treppen in die Rümpfe. Backbords sind die Crew plus Galley und zwei Gästekabinen untergebracht. Der Steuerbord-Rumpf beherbergt eine VIP-Suite sowie das Eigner-Apartment mit Kingsize-Bett und privatem Klappbalkon für den ersten Kaffee am Morgen. Beide Suiten haben ihren jeweils eigenen Zugang vom Salon. Auf Wunsch erhalten Kunden hier noch eine dritte Suite, also insgesamt fünf. In der Variante „Galley up“ wird diese im Backbordrumpf installiert.

Die Designer von Nauta schufen an Bord der Eighty 2 ein ruhiges, geradliniges Interieur in Beige und Creme, „luxuriös, einladend, cool und hell“, wie der Studio-Mitbegründer ­Massimo Gino sagt, „ein trendiges Interieur mit zeitlosem Stil“. Als Partner für die Dekoration mit Accessoires wie Kissen oder Vasen tritt erneut das französische Maison Sarah Lavoine auf den Plan. Zurück im Cockpit machen sich die ersten Besucher an den Aufstieg zur Fly. Die Optik des filigranen Treppenaufgangs an der Backbordseite ist keinem Zufall gefolgt oder gar zum Nebenschauplatz im Designprozess geworden. Le ­Quément hat sich über die Dimensionen und die Anordnung der abgerundeten, mittig an einer eckigen Chromstange aufgehängten Holzplatten diverse Gedanken gemacht und hatte schon vorab gewarnt: „Sie werden der Versuchung nicht widerstehen können, die Treppe zu besteigen.“

Auf der Fly entdecken Gäste einen „überdimensionalen Wohnbereich“, den Le ­Quément vor allem für den Sonnenuntergang empfiehlt. Auf dieser 50 Quadratmeter großen Dachterrasse mit Speiseplatz, Lounge und Bar gibt es das erste Mal Gewissheit, sich wirklich auf einer Segelyacht zu befinden. Gleich zwei Steuerstände sind hier platziert, dazwischen thronen fünf große Winschen mit Taschen darunter für die Schoten und Fallen. Alles ist leicht zugänglich für die Crew, das Handling der 337 Quadratmeter großen Lami­natsegel am Wind fast ein Kinderspiel. Der 36 Meter in den Himmel ragende Mast steht weit vorne, sodass er die Gäste beim Entspannen nicht stört. Da auch hier oben das Mobiliar mobil ist, lässt sich die Fläche flexibel nutzen.

​Eine Charter-Basis für ganz normale Leute

Das Dach plus Bimini bedecken Solarzellen, die bis zu 50 Prozent der an Bord benötigten Energie liefern und die Lithium-­Ionen-­Batterien aufladen. Die Speicher machen die Yacht vor Anker über Stunden autark und liefern Strom für Klimaanlage, Galley und Navigation. Neben der Bauweise ist das ein weiterer Aspekt im Nachhaltigkeitskatalog der Marke.

Auf der Flybridge treffen wir auf den Eigner, der Schweizer Armin Dressler hat den Lagoon-Kat jüngst seiner Morii-Charterflotte hinzugefügt. Auf die Frage, wer die 24 Meter buchen würde, antwortet er ohne Umschweife: „Ganz normale Leute.“ Als mögliche wöchentliche Charterrate nennt er 65.000 Euro, ab rund 80.000 Euro wäre „alles inklusive“.

Für Dressler gibt es zwei typische Arten von Kunden für das Projekt: entweder eine Art Sponsor wie eine Großmutter oder einen Vater, der die gesamte Familie mit auf die Yacht einlädt, oder eine Gruppe von Freunden, die sich die Rate teilen. Glamour sei das hier trotz allem Komfort nicht, betont der Unternehmer: „Das Konzept steht für Ruhe und Nachhaltigkeit.“ An Bord seiner Lagoon sieht er klassische Segler, die älter geworden sind und nicht mehr alles selbst machen können oder wollen, aber doch gerne mal am Ruder stehen.

Es gebe auch immer mehr Motoryacht-Kunden, die Interesse an umweltfreundlichem Reisen haben. Oder Leute, die, anstatt ins All-Inclusive-Hotel zu gehen, ihre Freunde mit der Aussage ermuntern: „Wir gehen jetzt mal segeln!“ Verzichten müssten sie auf nichts, denn gebucht wird das schwimmende Boutique­hotel mit Sternekoch, Top-Service und Tauchausrüstung. „Ich denke, wir sehen hier eher keine Fußballstars, denn die möchten einen Pool und Selfies posten. Unsere Kunden kennt man eher nicht“, meint Dressler.

Den Beginn eines typischen Segeltags stellt er sich ungefähr so vor: „Um sechs Uhr früh legt die Crew ab, spätestens um zehn Uhr gibt es Frühstück in einer schönen Bucht. Schweizerisch diskret.“ Dank 1,90 Meter Tiefgang und einer Zertifizierung für unter 24 Meter Länge kann das Ausflugsziel auch in flachen und sensiblen Gewässern liegen. Reisen in Ruhe, wenn möglich unter Segeln oder mit E-Kraft. Notfalls springen die John-Deere-Motoren mit je 170 Kilowatt Leistung an. Für die Werft ist die Lagoon Eighty 2 ein wichtiger Schritt in eine Welt, in der anspruchsvolle Kunden im Bereich Layout und Innenausstattung eine maßgeschneiderte Yacht in Empfang nehmen. Lagoon hat Erfahrung mit großen Modellen. „Seit den Anfängen haben wir 88 Yachten mit einer Länge von über 75 Fuß gebaut. Davon 52 Seventy 7 und Seventy 8 sowie 36 Einzelbauten“, sagt Markendirektor Thomas Gailly.

​Die Eighty 2 gibt es auch als Motoryacht

In vielerlei Hinsicht stellen die Franzosen ihren Pragmatismus unter Beweis und zeigen, dass sich mit einem Modell auch zwei unterschiedliche Welten beglücken lassen. Den Kat entwickelten die Designer auch für den Einsatz ohne Mast, mit geringen Änderungen im Profil. Die Eighty 3 ähnelt der segelnden Schwester sowohl optisch als auch in den Abmessungen – Breite, Rumpf- und Wasserlinienlänge sind exakt gleich, die Länge über alles fällt etwas kürzer aus. Die Motor­yacht-Version der Eighty 2 steht längst in den Startlöchern. Die Baunummer eins befindet sich zwar noch in der Halle, kommt aber schon diesen März ins Wasser.


Technische Daten

Aufteilung der Decks
  • Länge über alles: 24.97 m
  • ​​Länge Rumpf: 23,91 m
  • ​Länge Wasserlinie: 23,85 m
  • Breite: 11 m
  • Tiefgang: 1,9 m
  • Segelfläche am Wind: 337 m²
  • Motor: 2 x John Deere N5 - 230 HP
  • ​Tank: 2 x 1400 L
  • Frischwasser: 2 x 800 L
  • Kabinen: 4- 5
  • Konstruktion: VPLP Design
  • Außenlinien: VPLP Design / Patrick Le Quément
  • Interieur: Nauta Design

Uske Berndt

Uske Berndt

Redakteurin News & Panorama

Uske hat eine Schwäche für die ganz Großen und schreibt vor allem Geschichten über motorisierte Superyachten: Neubauprojekte, Wasserungen und detaillierte Porträts. Dabei nimmt sie die Leser über alle drei bis sechs der schwimmenden Etagen mit, erklärt die Antriebstechnik und die Finessen des Interieur-Designs. Je exklusiver und spezieller, desto besser.

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