A-CatHeißes Carbon-Geschoss aus Holland

Lars Bolle

 · 11.04.2016

A-Cat: Heißes Carbon-Geschoss aus HollandFoto: Holland Composites

Mit einem komplett neu entworfenen A-Cat will Holland Composites die Klasse revolutionieren – und könnte für eine Spaltung sorgen

Rein optisch ist der neue A-Cat von Holland Composites eine Rakete. Wie aus einem Guss, komplett in Sicht-Carbon, schier, elegant, edel, aggressiv – Adjektive lassen sich schon aus den Bildern und dem ersten veröffentlichten Video zuhauf ableiten.

A-Cat DNA F 1 vor dem Firmengelände
Foto: Holland Composites

Die Kohlefaserschmiede, die unter anderem den ersten foilenden Fahrtenkatamaran Gunboat G4 entworfen hat, ist seit 25 Jahren im A-Cat-Geschäft. Der DNA 2016 F1 ist eine Weiterentwicklung des viermaligen und Vorjahresweltmeisters DNA A-Cat und dennoch ein komplett neuer Entwurf, der Hightech- und Speed-Enthusiasten begeistern dürfte, bei der Basis der A-Cat Segler aber auch auf Skepsis stößt.

Bei dem neuen Cat wurde viel Wert auf wenig Luftwiderstand gelegt, ein Trend, der auch aktuell beim America’s Cup zu sehen ist. Die Holländer liefern dazu ein Beispiel: Schon bei 13 Knoten Amwind in einer 17 Knoten Brise summiert sich der scheinbare Wind auf 30 Knoten. Wer schon einmal versucht habe, 55 Kilometer pro Stunde mit einem Fahrrad zu erreichen, könne sich vorstellen, wie wichtig dieser Aspekt sei.

Testfahrten mit dem Prototypen des A-Cat DNA F1

Die Beams sind deshalb stromlinienförmig in die Rümpfe integriert und es gibt kein klassisches Trampolin mehr, sondern eine homogene Fläche aus Mylarfolie. Auch der Traveller wurde versenkt.

Beim Rigg wurde dem Trend gefolgt, den Kat-Spezialist Glenn Ashby im vergangenen Jahr setzte. Ein im Top-Bereich relativ schmal geschnittenes Großsegel reduziert den Druck beim Abfallen an der Luvmarke, der bei mehr Wind Kenterungen über die Nase begünstigt. Das gewonnene Tuch wurde am Fuß des Segels hinzugefügt, welches so mit dem Trampolin abschließt und weniger Induktionswirbel erzeugt.

Da ein konventioneller Großbaum damit nicht möglich ist, wird ein Gabelbaum wie beim Windsurfen verwendet. Damit bei der Schotführung achtern mit dem Dichtholen der Schot nicht gleichzeitig der Traveller nach Luv geholt wird, ist die Schot nach vorn umgelenkt und wird von vorn bedient, was zugleicht für mehr Stabilität im Trapez sorgt.

Der DNA F1 soll vom Start weg kontinuierlich auf Foils segeln. Da die Klassenregeln jedoch nicht geändert wurden, die Schwerter also von oben in den Schwertkasten einführbar sein müssen, setzt Holland Composites auf sehr gestreckte L-Schwerter und Kombination mit rechtwinkligen L-Rudern. Für ein stabiles Foilen müssen dabei, anders als beim America’s Cup, wo J-Schwerter möglich sind, beide Schwerter im Wasser sein.

Im veröffentlichten Video foilt der Cat sehr stabil, offensichtlich ist das Bestreben des Steuermannes nach sehr aufrechter Lage ohne Krängung, um beide Schwerter im Wasser zu behalten. Allerdings fanden die Testfahrten auch bei sehr glattem Wasser statt.

Mit dem DNA F1 kommt ein offensichtlich sehr heißes Segelgerät auf den Markt. Für ungeteilte Begeisterung sorgt es bislang jedoch nicht. "Die bisherigen foilenden A-Cats sind nur von einer Handvoll Seglern zu beherrschen, wie einem Ashby", sagt Ingmar Warnicke, zweiter Vorsitzender der deutschen A-Cat-Klassenvereinigung. So lange das Foilen nicht mit vertretbarem Zeitaufwand für Hobbysegler möglich sei, wären solche Boote eher kontraproduktiv. "Diejenigen, die sich ähnliche Vorgänger zugelegt haben, sind über weite Teile langsamer als die normalen A-Cats, denn wenn sie nicht foilen, haben sie mehr Widerstand." Auch sei der Schwebezustand auf ruppigeren Revieren wie der Ostsee kaum meisterbar, was die Revierwahl in einer ohnehin nicht sehr Mitgliederstarken Klasse zusätzlich einschränke.

Zudem würden die älteren Boote nun womöglich noch schneller chancen- und wertlos. "Es gibt schon Überlegungen, zwei Wertungen einzuführen, für foilende und nicht-foilende A-Cats", so Warnicke. "Doch was soll das bei einer Klasse bringen, die im Norden gerade einmal zehn Boote in der Rangliste hat?"

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