Falcon Racing im TestJollen-Spaß mit Sicherheitsreserve

Michael Rinck

 · 03.10.2026

Unter Gennaker am langen Baum kommt das Boot schnell ins Gleiten.
Foto: Jozef Kubica
Die Falcon Racing soll ein Alleskönner sein: Schulungsboot, Wanderjolle und Regattarakete. Das Konzept greift auf den Polyvalk aus Holland zurück.

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​Am Testtag weht in Heeg ein frischer Wind. Der Probeschlag mit der Falcon Racing wird eine schnelle Ausfahrt. Das Boot ist schon seit über zehn Jahren am Markt, dennoch handelt es sich hier um die Baunummer eins. Die Falcon wird jetzt von Neptun Yachten in Rheda-Wiedenbrück gebaut.

Vom Polyvalk zur modernen Falcon Racing

Die Geschichte des Entwurfs reicht aber sogar noch weiter in die Vergangenheit. In den Niederlanden hat der Valk aus Holz mit Knickspant und Gaffelrigg seinen festen Platz in der Segelszene. Noch populärer ist die Kunststoff-Variante Polyvalk. Diese einfachere, günstigere Version aus GFK wurde zum Standardboot für Segelschulen und Bootsverleiher. Unzählige Holländer haben auf dem Polyvalk das Segeln gelernt. Hier setzt die Falcon an: Klaas Goos wollte eine modernere Interpretation dieses erfolgreichen Konzepts schaffen. Ein Boot, das die Vorzüge des Polyvalk übernimmt, aber zeitgemäßer konstruiert und sportlicher ausgelegt ist. Der Name Falcon – englisch für Falke – ist dabei bewusste Anlehnung an das niederländische Vorbild Valk.

Die Falcon Racing ist als Multitalent konzipiert und soll die Einfachheit einer Jolle mit der Sicherheit eines Kielbootes verbinden. Das simple Einsalingsrigg von Seldén ohne Achterstag trägt reichlich Segelfläche. Dieser steht aber ein knapp 160 Kilogramm schwerer Festkiel gegenüber. Zudem liefert der Knickspant schon reichlich Formstabilität. Weiterhin bietet der Hohlraum zwischen Rumpf und Cockpitschale so viel Auftrieb, dass die Falcon unsinkbar ist. Zudem kann Wasser aus dem offenen Heck einfach ablaufen. Viel Sicherheit, die die Falcon Racing als Schulungsboot qualifiziert, für Segler, die auch mal Fehler machen. Pascal Ernst von Neptun Yachten hat 2025 die Formen und die Produktion der Falcon aus den Niederlanden übernommen. Angeboten wird nur noch die Falcon Racing.

Falcon Racing im Test bei 20 Knoten Wind

Die 20 Knoten Wind zum Test scheinen für die Bootsgröße erst mal recht viel. Dieser Eindruck relativiert sich auf dem Wasser aber sofort. Am Wind stellt die Falcon augenblicklich ihre Stabilität unter Beweis. Gewicht auf der Kante ist natürlich dennoch sinnvoll. Dafür wären Ausreitgurte schön, um das Körpergewicht noch weiter nach Luv zu bewegen. Mit einem Fuß unterm Traveller geht es notdürftig auch so. Die Falcon liegt aber auch in Böen dank Ballast sehr stabil im Wasser. Einzig die Abwesenheit des Achterstags macht sich mit starkem Vorlieksdurchhang bemerkbar. Das Genuafall ist zudem am Mast nur umgelenkt und wird in einer Klemme über der Rollanlage am Stag durchgesetzt. Da kommt man unterwegs schlecht ran, um etwas mehr Spannung aufzubauen.

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Dennoch sind fast durchgängig über 5,5 Knoten Speed am Wind drin. Das Ruder erzeugt wenig Druck. Mit Pinnenverlängerung steuert es sich sehr angenehm auf der Kante. Der geringe Druck ist Vor- und Nachteil des vorbalancierten Spatenruders unterm Heck. Mit halbem Wind fährt die Falcon praktisch selbstständig geradeaus, nur am Wind ist sie ganz leicht luvgierig. Hier wäre fast ein klein wenig mehr Rückmeldung wünschenswert.

Unter Gennaker in die Gleitfahrt

Abgefallen auf raumen Kurs wird der Gennakerbaum ausgefahren und das bunte Tuch gesetzt. Dort hat der Eigner schon Segelsäcke hinter dem Mast angebracht, wie bei vielen Jollen üblich. Das einfache System funktioniert hervorragend. Durch den großen Abstand zwischen der aufgerollten Fock und dem Gennaker sind auch Halsen einfach möglich. In Böen verwandeln 30 Quadratmeter Segelfläche vor dem Mast den Druck sofort in Speed. Zwischen 7 und knapp 9 Knoten ging es zügig in Gleitfahrt vorwärts. Dabei blieb die Falcon immer sehr gut kontrollierbar auf dem Ruder.



Insgesamt sind die Segeleigenschaften sehr gut. Die einfache Handhabung zusammen mit gutem Geschwindigkeitspotenzial machen einfach nur Spaß. Die hohe Stabilität in Böen und bei Gennakermanövern qualifiziert die Falcon auch für Einsteiger oder Segelschüler, macht aber auch geübten Seglern Freude auf dem Wasser.

Großes Cockpit und zahlreiche Optionen

Das riesige Cockpit bietet mit 4,14 Metern Länge und 1,31 Metern Breite auch mehr als zwei Personen Platz und Übernachtungsmöglichkeiten beim Wasserwandern. Laut Werft können bis zu sechs Personen mit. Das Cockpit wird nur vom über die gesamte Breite reichenden Traveller unterteilt. Schön ist der optionale Deckbelag in Teak-Stabdeckoptik. Der Easy-Tek-Belag kostet je nach Ausführung ab 3.580 Euro Aufpreis, sieht sehr hübsch aus und bietet guten Grip. Auch Rumpffarben (außer Weiß) kosten einen Aufpreis (650 Euro) sowie die Scheuerleiste (680 Euro) und die Stauräume im Plichtboden (1.250 Euro). Der breite Traveller ist ebenfalls eine Option (2.180 Euro), Standard ist ein zentrales Podest für den Schotblock.

Elektroantrieb und Grundpreis

Wer einen Hilfsantrieb wünscht, kann zwischen einem fest installierten Pod-Antrieb (ab 3.990 Euro) und verschiedenen Außenbordern wählen. Der elektrische Quirl mit Schalthebel im Cockpit machte sich auf dem Testboot sehr gut. Damit sind Hafenmanöver und die Fahrt zu einem geschützten Platz zum Setzen der Segel einfach und stressfrei.

Diese Extras kommen alle zum Grundpreis von 28.500 Euro hinzu. Darin sind schon Rigg, Gennakerbaum und Segel inkludiert. Die Rollanlage fürs Vorsegel, Pinnenverlängerung und Gennaker müssen aber noch extra geordert werden.

Vielseitig, trailerbar und auf einen Kran angewiesen

Die Falcon Racing ist eine gelungene moderne Interpretation des Polyvalk-Konzepts. Das Boot kombiniert bewährte niederländische Segeltradition mit zeitgemäßer Bauweise und sportlicher Ausstattung. Die Produktion bei Neptun Yachten in Deutschland garantiert kurze Wege und guten Service. Mit 28.500 Euro Grundpreis ist die Falcon kein Schnäppchen, aber für ein hierzulande gebautes Segelboot dennoch ein gutes Angebot.

  • ​Grundpreis ab Werft: 28.500 €
  • Preis segelfertig: 34.738 €
  • Trailer: 3.890 €
  • Garantie/gegen Osmose: 2/5 Jahre

​Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.

Das Konzept jedenfalls stimmt: ein kompaktes, trailerbares Boot für Binnen und Küste, das extrem vielseitig benutzt werden kann. Erfahrenen Seglern bietet es ein gutes Geschwindigkeitspotenzial, die hohe Sicherheit durch Kiel und Auftriebskörper macht es aber auch zum idealen Schulungs- oder Wasserwanderboot. Doch der feste Kiel mit 0,95 Meter Tiefgang hat auch Nachteile. So lässt sich die Falcon nicht einfach slippen – zum Wassern ist leider ein Kran nötig.

Wer einen modernen, gut segelnden und trailerbaren Knickspanter mit klassischem Charme sucht und Wert auf deutsche Fertigung legt, sollte sich die Falcon Racing genauer ansehen.


YACHT-Bewertung der Falcon Racing

​Die Falcon Racing ist eine Weiterentwicklung des niederländischen Polyvalk. Der große Flossenkiel, das Spatenruder und der Knickspant wirken zuerst retro, die Segel­eigenschaften überzeugen aber. Das Boot bietet zudem sehr viel Sicherheit.

Konstruktion und Konzept

Einfache Bedienung

Hohe Stabilität

Unsinkbar

Segelleistung und Trimm

Große Segelfläche

Simples Rigg ohne Achterstag

Viel Vorstagsdurchhang

Ausrüstung und Technik

Ausfahrbarer Gennakerbaum

Breiter Traveller


Video zum Test


Die Falcon Racing im Detail

Polyvalk 2.0 aus Deutschland: Der Riss mit Knickspant und Flossenkiel sieht traditionell aus. Das Seldén-Rigg ohne Achter­stag erlaubt ein weit ausgestelltes Groß.Foto: YACHTPolyvalk 2.0 aus Deutschland: Der Riss mit Knickspant und Flossenkiel sieht traditionell aus. Das Seldén-Rigg ohne Achter­stag erlaubt ein weit ausgestelltes Groß.

Technische Daten der Falcon Racing

  • ​CE-Entwurfskategorie: D
  • Rumpflänge: 6,56 m
  • Breite: 2,07 m
  • Tiefgang: 0,95 m
  • Gewicht: 525 kg
  • Ballast/-anteil: 160 kg/30 %
  • Großsegel: 18,6 m²
  • Vorsegel: 9,8 m²
  • Gennaker: 30,2 m²
  • Personen (max.): 6

​Rumpf- und Decks­bauweise

Handlaminat mit ISO/NPG-Harz. Das spezielle Harz soll vor Osmose schützen.

Werft

Neptun Yachten GmbH, Dieselstraße 8, 33378 Rheda-Wiedenbrück. https://falconsailing.de/


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Würden Sie für mehr Stabilität und Sicherheit auf unkompliziertes Slippen verzichten? Diskutieren Sie mit uns über das Konzept der Falcon Racing.

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Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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