Zum Test geht es aufs Heeger Meer. Frischer Wind mit Böen bis 20 Knoten scheinen erstmal recht viel für die Bootsgröße. Der Eindruck relativiert sich auf dem Wasser aber sofort. Am Wind stellt die Falcon sofort ihre Stabilität unter Beweis. Gewicht auf der Kante ist natürlich dennoch sinnvoll. Dafür wären Ausreitgurte schön, um das Körpergewicht noch weiter nach Luv zu bewegen. Mit einem Fuß unterm Traveller geht es notdürftig auch so. Die Falcon liegt aber auch in Böen dank Ballast sehr stabil im Wasser.
Einzig die Abwesenheit des Achsterstags macht sich mit Vorlieksdurchhang bemerkbar. Zudem ist das Genuafall am Mast nur umgelenkt und wird in einer Klemme über der Rollanlage am Stag durchgesetzt. Da kommt man unterwegs schlecht ran, um etwas mehr Spannung aufzubauen. Dennoch sind fast durchgängig über 5,5 Knoten Speed am Wind drin. Das Ruder erzeugt wenig Druck. Mit Pinneverlängerung steuert es sich sehr angenehm auf der Kante. Der geringe Druck ist Vor- und Nachteil des vorbalancierten Spatenruders unterm Heck. Mit halbem Wind fährt die Falcon praktisch selbstständig geradeaus, nur am Wind ist sie ganz leicht luvgierig. Hier wäre ein klein wenig mehr Rückmeldung fast wünschenswert. Abgefallen auf raumen Kurs wird der Gennakerbaum ausgefahren und das bunte Tuch gesetzt. Hier hat der Eigner schon Segelsäcke hinter dem Mast angebracht, wie bei vielen Jollen üblich. Das einfache System funktioniert hervorragend. Durch den großen Abstand zwischen der aufgerollten Fock und dem Gennaker sind auch Halsen einfach möglich. In Böen verwandeln 30 Quadratmeter Segelfläche vor dem Mast den Druck sofort in Speed. Zwischen sieben und knapp neun Knoten ging es zügig in Gleitfahrt vorwärts. Dabei blieb die Falcon immer sehr gut kontrollierbar auf dem Ruder.
Insgesamt sind die Segeleigenschaften sehr gut. Die einfache Handhabung zusammen mit gutem Geschwindigkeitspotenzial machen einfach nur Spaß. Die hohe Stabilität in Böen und bei Gennakermanövern qualifiziert die Falcon auch für Einsteiger oder Segelschüler, macht aber auch geübten Seglern Freude auf dem Wasser.
Das riesige Cockpit bietet mit 4,14 Metern Länger und 1,31 Metern Breite auch mehr als zwei Personen Platz. Laut Werft können bis zu Sechs Personen mit. Es wird nur vom, über die gesamte Breite reichenden Traveller unterteilt. Schön ist der optionale Deckbelag in Teak-Stabdeckoptik. Der Easy-Tek-Belag kostet je nach Ausführung ab 3.580 Euro Aufpreis, sieht sehr gut aus und bietet guten Grip. Auch Rumpffarben (außer Weiß) kosten einen Aufpreis (650 Euro), sowie die Scheuerleiste (680 Euro) und die Stauräume im Plichtboden (1.250 Euro). Der breite Traveller ist ebenfalls eine Option (2.180 Euro), Standard ist ein zentrales Podest für den Schotblock. Wer einen Hilfsantrieb wünscht, kann zwischen einem festinstallierten Pod-Antrieb (ab 3.990 Euro) oder verschiedenen Außenbordern wählen. Der elektrische Außenborder mit Schalthebel im Cockpit machte sich auf dem Testboot sehr gut. Damit sind Hafenmanöver und die Fahrt zu einem geschützen Platz zum Setzen der Segel einfach und stressfrei.
Diese Extras summieren sich alle zum Grundpreis von 28.500 Euro dazu. Darin sind schon Rigg, Gennakerbaum und Segel inkludiert. Die Rollanlage fürs Vorsegel, Pinneverlängerung und Gennaker müssen aber noch extra geordert werden. Die Falcon Race ist eine gelungene moderne Interpretation des Polyvalk-Konzepts. Das Boot kombiniert bewährte niederländische Segeltradition mit zeitgemäßer Bauweise und sportlicher Ausstattung. Die Produktion bei Neptun Yachten in Deutschland garantiert kurze Wege und guten Service. Mit 28.500 Euro Grundpreis ist die Falcon kein Schnäppchen, aber dennoch ein gutes Angebot für ein in Deutschland gebautes Segelboot.
Das Konzept jedenfalls stimmt: Ein kompaktes, trailerbares Boot für Binnen und Küste, das extrem vielseitig benutzt werden kann: Erfahrenen Seglern bietet es ein gutes Geschwindigkeitspotenzial, die hohe Sicherheit durch Kiel und Auftriebskörper macht es aber auch zum idealen Schulungs- oder Wasserwanderboot. Der feste Kiel hat aber auch Nachteile. So lässt sich die Falcon nicht einfach slippen, zum Wassern ist ein Kran nötig. Wer einen modernen Knickspanter mit klassischem Charme sucht und Wert auf deutsche Fertigung legt, sollte sich den Falcon 22 Race genauer ansehen.

Redakteur Test & Technik