YYachts aus Greifswald hat mit dem Bau einer Y8 mit Hybridantrieb begonnen. Das Antriebssystem YF12estammt von Yanmar und kombiniert einen konventionellen Dieselmotor mit einem Elektromotor. Eigner können je nach Situation zwischen beiden Antriebsarten wählen. Die 80-Fuß-Yacht lässt sich unter Diesel oder im Elektromodus fahren. Das Hybridsystem soll sich in die Philosophie der Werft einfügen, nachhaltige Lösungen mit Komfort zu verbinden. Der Elektromotor bezieht seine Energie aus Lithium-Batterien und ermöglicht emissionsfreies Fahren in Häfen und Ankerplätzen. Die Batterien lassen sich über Landstrom oder bordeigene Solaranlagen oder den Yanmar laden, der dann als Generator arbeitet. Der Dieselmotor ist für den Betrieb mit HVO zugelassen, einem Kraftstoff aus hydrierten Pflanzenölen, der die CO₂-Emissionen senkt.
Das Hybridsystem YF12e bietet fünf verschiedene Betriebsmodi, die über das Touchdisplay ausgewählt werden. Im Engine Mode arbeitet der Dieselmotor wie gewohnt und liefert die volle Leistung des 4JH-Aggregats. Der Hybrid Mode nutzt den Dieselmotor für den Vortrieb, während der Elektromotor als Generator die Batterien lädt. Yanmar bezeichnet diese Betriebsart als besonders effizient für die Stromerzeugung. Im Electric Mode, kurz EV Mode, treibt ausschließlich der Elektromotor das Boot an und ermöglicht emissionsfreies Fahren. Der Silent Generator Mode nutzt die Batteriekapazität, um elektrische Verbraucher zu versorgen, ohne dass Motor oder Generator laufen müssen. Der Quick Charge Mode beziehungsweise Generator Mode lässt den Dieselmotor ausschließlich zur Stromerzeugung laufen, ohne Vortrieb zu erzeugen. Der Elektromotor arbeitet in einem Drehzahlbereich von 1.000 bis 6.000 Umdrehungen pro Minute und liefert kontinuierlich 8,3 Kilowatt bei 4.969 Umdrehungen.
Das Batteriesystem basiert auf einzelnen Modulen mit je 5,75 Kilowattstunden Kapazität. In der Standardkonfiguration umfasst das System vier Module mit insgesamt 23 Kilowattstunden, optional sind acht Module mit 46 Kilowattstunden verfügbar. Jedes Batteriemodul misst 243 Millimeter in der Breite, 352 Millimeter in der Länge und 300,5 Millimeter in der Höhe. Das Gewicht beträgt 148 Kilogramm für die kleine und 296 Kilogramm für die große Batterievariante. Die Batterien arbeiten mit einer Nennspannung von 51,8 Volt, die Spannung bewegt sich zwischen minimal 43,4 und maximal 58,1 Volt. Ein integriertes Batteriemanagementsystem überwacht die Zellen. Die Schutzklasse IP55 macht die Batterien gegen Staub und Strahlwasser resistent. Als kompatible Ladegeräte nennt Yanmar Geräte von Victron, Delta-Q und Zivan. Die Batteriekapazität reicht laut Hersteller aus, um Klimaanlagen über Nacht zu betreiben.
Im Generatorbetrieb arbeitet der Dieselmotor in einem Drehzahlbereich von 800 bis 3.000 Umdrehungen pro Minute. Bei 1.200 Umdrehungen liefert das System mindestens 4,5 Kilowatt Generatorleistung, bei 2.500 Umdrehungen steigt die Leistung auf mindestens 10,5 Kilowatt. Yanmar bewirbt das Konzept mit der Formel „One for one hybrid": Eine Stunde Fahrt im Hybridmodus soll ausreichen, um die Batterien für eine Stunde elektrisches Fahren zu laden. Der Hersteller gibt an, das Laden während der Fahrt sei im Vergleich zu herkömmlichen Generatoren um durchschnittlich 20 Prozent effizienter. Ein Praxisbeispiel aus Testdaten zeigt den typischen Einsatz: Die Abfahrt erfolgt im EV-Modus, während der Mittagspause versorgt die Batterie die elektrischen Verbraucher. Nach der Pause startet der Dieselmotor erstmals und lädt während der Weiterfahrt zum Liegeplatz die Batterien wieder auf. Am Abend reicht die Kapazität dann für alle elektrischen Verbraucher inklusive Klimaanlage über Nacht.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
Fridtjof Gunkel, geboren auf Helgoland, startete dort seine Segelkarriere im Opti und stieg schnell auf Kielboote um. Admiral’s Cup, Weltmeisterschaften und weitere internationale Regatten sowie eine Teilnahme im Whitbread Round the World Race Race waren seine prägenden seglerischen Stationen, ebenso wie ausgedehnte Fahrtentörns in Europa und Übersee. Bei der YACHT ist er bereits seit 1985. Er segelt privat einen Performance/Cruiser mit Liegeplatz an der Ostseeküste, seine Lieblingsreviere sind die schwedischen Schären und die Bretagne.