Performance-CruiserSchon gesegelt: erste Eindrücke von Beneteaus First 36

Jochen Rieker

 · 03.05.2022

Performance-Cruiser: Schon gesegelt: erste Eindrücke von Beneteaus First 36Foto: Beneteau/A. Šutej
Schnell, ohne zu fordern. Das beeindruckende Potenzial der First 36 lässt sich leicht abrufen

Es ist eine der spannendsten Premieren des Modelljahrgangs 2022. Wir konnten die Baunummer 1 der First 36 bereits ausgiebig testen – jetzt im PDF-Download

Im Serienyachtbau vergehen zwischen Grobkonzept und Weltpremiere selten mehr als zwei Jahre, manchmal auch nur eins. Mit der First 36 hat sich Beneteau länger Zeit gelassen, viel länger.

Vier Jahre sind vergangen, seit der Branchenprimus erstmals im kleinen Kreis seine Pläne hat verlauten lassen. Damals, 2018, kurz nach Bekanntwerden des Einstiegs der Franzosen beim slowenischen Sportbootbauer Seascape, war noch von 35 Fuß die Rede. Das Modell sollte eine Brücke bauen zwischen den kleinen Flitzern und dem luxuriösen Topmodell, der ein Jahr später präsentierten First Yacht 53.

Verlagssonderveröffentlichung

Die First der Mitte werde zum Preis einer Dehler 34 annähernd die Leistung einer Pogo 36 bieten, deutete Seascape-CEO Andraz Mihelin bei einem Hintergrundgespräch mit der YACHT an. Projektierter Basispreis: unter 150.000 Euro. Geplantes Debüt: Ende 2019, Anfang 2020.

Zwei Jahre später liegt sie dann endlich an Steg B in der Marina Izola. Es ist Mitte Februar, Wasser und Luft noch schneidig kalt. Zehn Tage nach der Erstwasserung und Tests des Werft-Teams dürfen wir für zwei Tage an Bord. Es ist die Zeit der harten Winterstürme über Deutschland. Die Adria dagegen gibt sich zunächst windarm und lustlos. So haben wir Zeit, das Boot in Ruhe zu inspizieren.

Gleiten als Normalzustand. Die First 36 braucht dafür nicht mehr als 15 Knoten Wind, kann aber auch deutlich mehr gut ab
Foto: Beneteau/V. Slapničar

Es ist, wie sich schon aus den Computer-Illustrationen herauslesen ließ, ein zurückhaltendes Design, in der Linienführung modern, also mit recht voller Bugsektion und breitem, flachem Heck, dabei aber von zurückhaltender Eleganz.

Keine brachialen Aufbauten mit mehrfach gewinkelten Seitenfenstern, wie sie Pogo und JPK seit einiger Zeit propagieren, kein Cockpit-Überbau am Niedergang, wie ihn die aktuellen Class 40 und bei den Performance-Cruisern die Bente 39 zeigt. Nicht einmal Pinnensteuerung hat die First 36, anders als bisher alle Konstruktionen von Seascape, stattdessen zwei Steuersäulen in der äußerst geräumigen und höchst funktionalen Plicht.

Selbst unter Deck überrascht die Neue, nicht nur mit der Weitläufigkeit im Salon, sondern auch mit der lichten, zwar reduzierten, jedoch hübsch arrangierten Gemütlichkeit eines Ausbaus, der nichts vermissen lässt.

Einzig die etwas knapp bemessene Nasszelle fordert eine gewisse Kompromissfähigkeit, zumal unter Deck ja mehr als genug Platz gewesen wäre, ihr mehr Grundfläche zu schenken. Dafür schafft ein hochklappbares Waschbecken, das erfreulich groß ist, für die nötige Bewegungsfreiheit. So etwas sah man sonst in den Siebzigern oder Achtzigern zuletzt.

Innenschalen und Wandverkleidungen mit Textilbespannung verleihen der First 36 eine gewisse Noblesse. Und auch wenn beim ersten Boot noch nicht alle Spaltmaße im Millimeterbereich blieben, wirkt sie doch für einen auf Leichtbau getrimmten Performance-Cruiser ausreichend arriviert. Statt Bodenbrettern mit nüchtern-kalter Laminat-Oberfläche etwa liegen in der First Beläge aus hochwertigem, mehrfach imprägniertem Alpi-Teak. Die Pantry-Zeile ist mit weißem Corian belegt, das sich hinter den Salon-Polstern bis zum Hauptschott zieht und so ein dezentes visuelles Highlight setzt.

Zwar bleibt das Boot weit von den Furnierholzwelten eher herkömmlicher Yachten des Segments entfernt; man sieht der First 36 das Bemühen um Gewichtsreduktion also durchaus an. So bleiben etwa viele Bolzen und Muttern von Decksbeschlägen bewusst sichtbar. Wer aber etwa aus einer First 27 kommt, wo das Rumpflaminat nur leicht beigeschliffen und minimal gespachtelt wird, erlebt ein komplett anderes Qualitätsniveau.

Dabei ist es der Werft gelungen, eng am berechneten Konstruktionsgewicht zu bleiben. Weil die Podeste des Ausbaus Teil der tragenden Struktur sind, die Schotten aus Schaumsandwich und Rumpf und Deck eine kleine Doktorarbeit aus minutiös vorgeschnittenen Corecell-Kernelementen, wiegt die First 36 nur 4,8 Tonnen. Zum Vergleich: Die Dehler 38 kommt auf 7,5 Tonnen, die JPK 39 auf 5,6 Tonnen – beide in etwa gleich groß, was das Volumen betrifft, Nur die Pogo 36 ist mit 3,9 Tonnen deutlich leichter.

Und wie segelt sie nun? „Verblüffend“ trifft es wohl am besten!

Als wir am ersten Tag Wind suchen und vor Piran tatsächlich eine Art Privat-Bö von 4 bis 6 Knoten finden, die sich auf dem Wasser kaum abzeichnet, gluckert und gurgelt es plötzlich leise am Heck. Die Logge springt auf 3, dann knapp 4, schließlich auf 4,8 Knoten. Das alles geschieht fast von allein, und es wirkt geradezu sphärisch, mit diesem großen, breiten Boot praktisch aus dem Nichts davonzuziehen, nur unter Groß und Code Zero. Dabei kann man die unfassbar gut ansprechenden Ruder sich selbst überlassen. Die First 36 zieht eigenständig ihre Blasenspur durch die Adria.

Und nicht viel anders, nur deutlich flotter, geht es am zweiten Testtag voran. Da schickt eine leichte Bora 8 bis 12 Knoten Wind über den Golf von Triest. Auch das keine ernsthafte Prüfung für eine Elf-Meter-Yacht, aber immerhin eine Gelegenheit, die gesamte Garderobe auszuprobieren, alle Kurse. Am Wind loggt die First 36 da im Mittel 6,3 Knoten bei Wendewinkeln unter 90 Grad, in der Spitze marschiert sie mit bis zu 7 Knoten nach Luv.

Raumschots unter Gennaker fängt sie bei 8 Knoten Fahrt leicht zu summen an, ein Zeichen, dass sie ihre Rumpfgeschwindigkeit bereits hinter sich lässt. Ab etwa 8,5 Knoten reißt die Wirbelschleppe am Heck ab, das Boot gleitet an. Bei 9,5 Knoten ist erst Schluss. Dabei gibt sie sich so spurtreu wie am Vortag und überaus steif. Ihre Stabilitätsreserven reichen aus, um bis zu 5 Beaufort Vollzeug tragen zu können.

Unser französischer Jury-Kollege von Europas Yacht des Jahres, Loïc Madeline von Voiles & Voiliers, hatte zehn Tage nach uns perfekte Testbedingungen mit 20, in Böen bis 25 Knoten Wind und gut einem Meter Welle. Er zeigte sich beeindruckt von der Mühelosigkeit, mit der die First 36 über die See surfte. Unter einfach gerefftem Groß und kleinem Fraktional-Gennaker segelte er permanent jenseits der 12-Knoten-Marke, in der Spitze erreichte er mehrfach über 15 Knoten durchs Wasser.

Lesen Sie den ausführlichen Test der First 36 mit allen Daten und Messwerten exklusiv in YACHT 9/2022. Zudem bringt YACHT tv ein ausführliches Video, dann von der Ostsee. Dafür haben wir 5 bis 6 Beaufort bestellt; darunter gehen wir nicht in See. Und im Mai muss sich Beneteaus Performance-Cruiser dann in einem großen YACHT-Vergleich der gesamten Konkurrenz stellen. Also: Bleiben Sie dran!

Alles nachzulesen über den Testschlag mit der First 36 gibt es in der YACHT, Ausgabe 09/2022. Das Heft ist im DK-Shop erhältlich, oder Sie laden sich den Test direkt über den Link unten herunter.

Downloads:

Meistgelesene Artikel