Wer eine weite und anspruchsvolle Seereise plant und dafür ein geeignetes Schiff sucht, wird eine Yacht aus Aluminium zumindest als Option ins Auge fassen. Aluminium ist zäh, widerstandsfähig und steckt harte mechanische Belastungen gelassener weg als viele andere Materialien. Hinzu kommt: Der Werkstoff ist im Verhältnis zur Festigkeit vergleichsweise leicht – das macht ihn für hochseetaugliche Yachten interessant.
Aluminium hat aber auch Schattenseiten. Der Bau verlangt große Sorgfalt, vor allem bei der strikten Trennung verschiedener Metalle, um Elektrolyse zu vermeiden. Schwächen zeigt der Werkstoff auch bei der Isolation. Gegen Hitze, Kälte und Lärm ist mehr konstruktiver Aufwand nötig als bei anderen Materialien. Auch optisch bleibt Aluminium eine Geschmackssache: technisch, nüchtern, funktional. Aber wer auf große Reise geht, sucht kein Schiff für den glänzenden Auftritt im Yachthafen, sondern eines, das viel aushält und verlässlich ist.
Die Werft Alubat in Westfrankreich setzt seit 1973 konsequent auf Yachten aus seewasserbeständigem Aluminium. Der Werkstoff passt zum Kern der Marke, die bei Blauwasser-Enthusiasten schon fast Kultstatus genießt. Mit der Ovni 370, der Ovni 430 und der ganz neuen Ovni 490 vollzieht Alubat einen sichtbaren Generationswechsel. Frische Linien und moderne Konstruktionsansätze geben der jungen Baureihe ein klareres Profil. Die Entwürfe stammen von Mortain & Mavrikios in Zusammenarbeit mit dem Konstruktionsbüro CBA von Jean-Pierre Brouns.
Bei einer Yacht wie der Ovni 490 sind die Segeleigenschaften nicht die Kernkompetenz. Gesucht sind Zuverlässigkeit, Robustheit und ein stimmiges Paket für die lange Reise. Darin liegen die Stärken der kleineren Schwestermodelle Ovni 370 und Ovni 430. Sie zeigen im YACHT-Test zwar solide und verlässliche Leistungen unter Segeln, glänzen aber nicht mit viel Temperament oder Dynamik. Eine Segeltragezahl um 4,0 spricht für diesen seglerisch eher konservativen Ansatz.
Bei der neuen Ovni 490 haben die Konstrukteure nachgelegt. Die Rumpfform wurde überarbeitet, die Segelfläche vergrößert. Das theoretische Leistungspotenzial liegt jetzt bei einer Segeltragezahl von 4,4, was für ein Boot dieser Ausrichtung bereits als gehoben gilt. Auch am Unterwasserplan wurde gearbeitet. Die Profile von Integralschwert und den doppelten Ruderblättern sind jetzt aus dem vollen Aluminiumblock gefräst und als standardisierte NACA-Profile ausgeführt.
Die Anpassungen zeigen Wirkung: Die Ovni 490 bleibt zwar klar ein Cruiser, segelt aber lebhafter als ihre kleineren Schwestern. Die Testbedingungen vor dem Alubat- Heimathafen in Les Sables-d’Olonne sind schwierig: 4 bis 5 Beaufort und hoher Schwell eines abziehenden Sturmtiefs. Also genau das Wetter, in dem ein solches Boot zeigen muss, was es kann. Am Wind macht die Ovni 490 einen guten Job. Das Testschiff mit großer Genua und optionalem Square-Top-Groß läuft rund 6,5 Knoten bei einem Wendewinkel von 90 Grad. Die Yacht segelt sehr ausgewogen und kommt gut durch die Wellen.
Dank der doppelten Ruderblätter ist der Ruderdruck gering, dennoch reagiert das bullige Schiff in der Welle sauber und erstaunlich direkt. Der fehlende Ruderdruck macht es dem Steuermann allerdings nicht leicht, das Schiff sauber an der Windkante zu führen. Der Autopilot hat es auf langer Strecke dagegen einfacher, braucht weniger Kraft für Kurskorrekturen und spart Strom, was auf langer Fahrt ein Argument ist.
Zum Konzept passt auch das Pilothouse. Die Zelle zwischen Cockpit und Niedergang ist komplett abschottbar und schafft einen trockenen Platz für lange Passagen bei schlechtem Wetter. Mit Fernsteuerung für den Autopiloten und Motorenschaltung wird dieser Bereich auch zum Innensteuerstand.
Das Cockpit ist ebenfalls auf kontrollierbares Handling unter Fahrt ausgelegt. Fallen, Schoten und Trimmleinen werden durch zwei Kanäle konsequent nach achtern geführt. Die Winschen sitzen gut erreichbar auf dem Süll oder seitlich am Niedergang. Dabei lässt Alubat den Eignern Spielraum: Die Leinenführung kann je nach Einsatzprofil für kleine Crews wie auch für größere Mannschaften eingerichtet werden. Das großzügig geplante Cockpit geht allerdings mit Einschränkungen einher. Hinter den Steuersäulen bleibt für den Rudergänger wenig Raum, auch seitliches Sitzen ist kaum möglich. Längeres Steuern von Hand ist damit unkomfortabel.
Auf den Cockpitsülls und seitlich vom Niedergang stehen insgesamt sechs 62er-Winschen von Antal, Werftstandard. Empfehlenswert sind dennoch elektrische Antriebe, weil die Lasten auf den Schoten, speziell für die große überlappende Genua, hoch sind. Die seitlichen Winschen sind etwas vertieft eingebaut. Das sieht zwar elegant aus, führt aber zwangsläufig zu gefährlichen Überläufern der Schoten. Hier muss die Werft nachbessern.
Der Integral-Schwenkkiel gehört bei Alubat seit jeher zum Markenkern, und auch die Ovni 490 folgt diesem Prinzip konsequent. Das Ballastschwert lässt sich komplett in den Rumpf aufholen. So kann das Schiff mit seinem im Multi-Knickspant gebauten Rumpf problemlos trockenfallen und steht sicher auf der Grundplatte sowie auf den Ruderblättern. Gerade für Fahrtensegler, die flache Buchten, Tidenreviere oder abgelegene Liegeplätze anlaufen wollen, ist das ein echter Zugewinn.
Dabei bleibt die Lösung einfach und robust. Das Schwert aus Aluminium wiegt nur knapp 500 Kilogramm und wird ohne Hydraulik allein per Schotzug über die Cockpitwinsch aufgeholt. Der eigentliche Ballast sitzt tief im Schiff: in Form von Bleiklötzen, immerhin knapp sechs Tonnen, die in Aluminium-Boxen eingepackt an maximal tiefer Stelle mit Epoxy in den Rumpf eingegossen werden.
Einen besonderen Weg geht Alubat auch bei der Motorisierung der Ovni 490. Statt eines zentral eingebauten Antriebs setzt die Werft auf zwei Motoren, die mit seitlichem Abstand von rund drei Metern im Rumpf installiert sind. Standard sind zwei Yanmar mit jeweils 57 PS, das Testschiff ist optional mit zwei Elektromotoren von Bellmarine à 20 kW ausgerüstet. Das bringt zwar mehr Gewicht an Bord und erhöht die Kosten, eröffnet beim Manövrieren im Hafen aber klare Vorteile.
Mit den zwei getrennten Antrieben lässt sich die Yacht ähnlich präzise bewegen wie ein Katamaran. Vor allem die gegenläufige Wirkung der Motoren erleichtert enge Hafenmanöver erheblich. Beim Test funktioniert dies ausgesprochen gut, das Schiff lässt sich allein mit Motorenkraft praktisch auf dem Teller drehen. Entsprechend kann auf ein Bugstrahlruder verzichtet werden. Hinzu kommen mehr Redundanz im Fall eines Defekts an einer Maschine und ein geringerer Treibstoffverbrauch bei gleicher Leistung.
Im Vorschiff zeigt sich die Flexibilität der Ovni 490. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind nahezu uneingeschränkt. Standard ist die Eignerkabine mit seitlich eingebautem Doppelbett sowie eine große Vorpiek, die als Segellast dient, sich aber ebenso gut als Werkstatt nutzen lässt. Optional kann dazwischen zusätzlich eine Nasszelle eingebaut werden, so wie beim Testschiff auch. Alternativ sind eine zweite Kabine im Vorschiff oder sogar ein separates Büro möglich. Insgesamt sind vier Kabinen realisierbar. Allerdings hält die Werft bewusst am seitlichen Einbau der Doppelkoje für die Eigner fest. Leebretter gehören serienmäßig dazu. Auf ein frei stehendes Inselbett verzichtet Alubat konsequent; auf See wäre eine solche Lösung kaum wirklich praxistauglich, so die Werft.
Als echte Deckssalon-Yacht ist der zentrale Wohnbereich erhöht eingebaut und bietet durch die großen Fenster im Kajütaufbau eine nahezu uneingeschränkte Aussicht nach draußen. Der über die gesamte Länge absenkbare Salontisch verwandelt die gesamte Sitzgruppe in eine riesige Liegefläche. Die Nutzung als große Koje auf langer Fahrt ist wegen des Panoramas nicht nur angenehm, sondern kann auch der Seekrankheit vorbeugen.
Die Pantry ist als lange Seitenzeile ausgeführt und überzeugt mit großen Arbeitsflächen und reichlich Stauraum. Dazu kommen durchdachte Festhaltemöglichkeiten im ganzen Schiff sowie exzellente Möglichkeiten zur Lüftung. Die Tanks für Wasser und Treibstoff sind zentral und tief unter den Bodenbrettern im Salon eingebaut und sorgen dort für einen tiefen Schwerpunkt und für zusätzlich aufrichtendes Moment.
Mit rund 1,2 Millionen Euro ist die Ovni 490 alles andere als ein Schnäppchen. Der Preis ist aber schwer einzuordnen, weil die Konkurrenz in diesem Marktfeld ganz unterschiedliche Konzepte zum Thema Langfahrt auf Lager hat. Unstrittig ist: Die Ovni 490 ist ab Werft sehr komplett, hochwertig und robust ausgerüstet. Vieles, was anderswo aufpreispflichtig wäre, gehört hier bereits zum Standard.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!
Wer Bauqualität, Ausstattung und Revierfreiheit zusammen betrachtet, bekommt eine klare Vorstellung davon, was diese Yacht für das Geld bietet – und das ist beachtlich.
Sehr solide Bauweise aus Alu
Kompromissloses Konzept
Problemloses Trockenfallen
Geschütztes Pilothouse
Ordentliche Segelleistungen
Segelt sehr ausgewogen
Effizientes Handling
Wenig Platz für Steuermann
Deckssalon mit Rundumsicht
Flexible Ausbauvarianten
Gute Ausbauqualität
Perfekte Ventilation
Doppelte Motorisierung
Top-Ausstattung ab Werft
Kein Rollmast erhältlich
Gefahr von Überläufern
Aluminium-Konstruktion im Multi-Knickspant über Spantgerüst geschweißt. Verwendet wird seewasserbeständiges Aluminium (Standard 5083) in den Stärken von 10 mm (Bodenplatte), 8 mm (Rumpf oberhalb Wasserlinie) und 6 mm (Deck). Standard Isolation überhalb der Wasserlinie mit gespritztem Kork und darauf 50 mm Schaum. Innenballast in Form von Bleiklötzen eingegossen. Integral Schwenkkiel aus Aluminium.
Standard ist das Zweisaling-Rigg aus Aluminium von Hersteller Z-Spars. Ein Rollmast wird von der Werft auch als Option nicht angeboten. Ein Satz Dacron-Segel von Incidence (Groß und Genua) gehört zur Grundausstattung ab Werft. In Ausstattungspaketen sind zusätzliche Segel sowie Upgrades erhältlich.
Ab Werft werden zwei Einbaudiesel von Yanmar (4JH57) mit jeweils 57 PS und Wellenantrieb eingebaut. Auf Wunsch sind wie beim Testschiff zwei Elektromotoren von Hersteller Bellmarine mit 20 kW Leistung möglich, ebenfalls mit Wellenantrieb.
2 x 105 Ah AGM (Service), 2 x 90 Ah AGM (Starter). Lithium-Batterien werden als Option angeboten.
Alubat Chantier Naval; 85180 Les Sables-d’Olonne (Frankreich); www.alubat.com
Allures-Yachting Frankreich stellt ein neues Modell mit vielen frischen und innovativen Designelementen vor. Der Rumpf besteht aus Aluminium, das Deck aus GFK.
Die Alu-Yachten aus der Bestevaer-Serie von KM Yachtbuilders in Holland sind bei Blauwasserseglern sehr beliebt. Erhältlich mit Festkiel oder Schwenkkiel.
Die attraktive Wettbewerberin aus Frankreich überzeugt im YACHT-Test mit ausgezeichneten Segeleigenschaften. Auch sie verfügt über ein geschlossenes Deckhaus. Lesen Sie hier den Test.
Sehr robust gebaute Explorer-Yacht aus Aluminium mit einer kompromisslosen Ausrichtung für anspruchsvolle Touren. Trockenfalltauglich mit Integral-Schwenkkiel. Hier lesen Sie den Test.

Redakteur Test & Technik