Bei Neel Trimarans beginnt eine neue Phase. Die Werft aus La Rochelle, bekannt für ihre bewohnbaren Fahrten-Trimarane mit sportlichem Anspruch, war nach dem Weggang von Firmengründer und Ideengeber Eric Bruneel in unruhiges Fahrwasser geraten. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, wechselnde Eigentümer und Veränderungen in der Geschäftsführung prägten die vergangenen Jahre. Jetzt soll die Marke wieder Kurs aufnehmen.
Die neue Eignerschaft um Martin Volt, Maxime Vedrenne und Martin Lepoutre will Neel Trimarans neu aufstellen. Vedrenne und Lepoutre kennen die französische Bootsbau-Szene gut; beide haben früher bei RM Yachts beziehungsweise Fora Marine zusammengearbeitet. Auf der Multihull Boatshow in La Grande Motte präsentierte sich die Marke wieder deutlich selbstbewusster. Die Aufgabe sei groß, sagte Maxime Vedrenne dort – doch gleichzeitig nutzte Neel den Auftritt, um ein neues Projekt anzukündigen: den Neel 48.
Ganz neu ist das Projekt allerdings nicht. Bereits unter der früheren Führung war vor gut einem Jahr ein neuer Neel 48 angekündigt worden, damals allerdings eher als limitierte Sonderauflage. Das aktuelle Projekt wurde nun doch noch einmal gründlich überarbeitet. Die Formen befinden sich nach Werftangaben bereits im Bau; noch in diesem Jahr soll mit der Baunummer eins begonnen werden.
Der Neel 48 tritt die Nachfolge des Neel 47 an, den die YACHT in Ausgabe 8/2020 getestet hat. Das Vorgängermodell war vor allem durch sein ungewöhnliches Raumkonzept bekannt geworden: bewohnbare Seitenrümpfe mit separaten Niedergängen sorgten für viel Privatsphäre, aber auch für ein sehr spezielles Layout. Beim neuen 48 wird dieses Konzept deutlich verändert. Die separaten Niedergänge in die Seitenrümpfe entfallen. Stattdessen gibt es achtern Luken als Zugang zu zwei möglichen Skipperskabinen im Heck. Werden diese Bereiche nicht als Kabinen ausgebaut, dienen sie als große, begehbare Stauräume.
Im Zentrum bleibt das für Neel typische „Cockloon“-Konzept, also die funktionale Verbindung von Salon und Außencockpit auf einer Ebene. Der Wohnbereich soll offen, hell und stark nach außen orientiert sein. Die Eignerkabine ist großzügig in diesen Salonbereich integriert. Von dort führt ein Niedergang in den Seitenrumpf, wo sich die eigene Nasszelle sowie ein Utility-Raum für die Eigner befinden.
Auf der Steuerbordseite kann der Neel 48 je nach Ausbau mit einer oder zwei Kabinen ausgestattet werden. Bei der Version mit zwei Kabinen teilen sich die Bewohner eine gemeinsame Nasszelle im Vorschiff. Zusätzlich führt eine Treppe aus dem Salon hinunter in das Untergeschoss des zentralen Rumpfs. Dort konzentriert die Werft Bordtechnik, Tanks und die Einbaumaschine.
Auch seglerisch bleibt Neel Trimarans mit der Vorstellung des neuen Modells seiner Linie treu. Die Marke ist bekannt für kraftvolle, leistungsorientierte Segelpläne, und auch die 48 soll mit einem durchgelatteten Großsegel mit Squaretop ausgerüstet werden. Dazu kommen eine überlappende Genua und eine Fock (Trinquette). In dieser Konfiguration können beide Vorsegel gerollt angeschlagen bleiben.
Der Steuerstand bleibt wie bisher seitlich erhöht angeordnet. Alle Schoten, Fallen und Trimmleinen werden ins Cockpit geführt. Neu ist die Großschotführung: Statt der doppelten Schotzüge wie bei den älteren Modellen von Neel erhält der 48er nun einen Traveller auf dem hinteren Beam. Der soll die Bedienung vereinfachen und vor allem nach Manövern weniger Nachtrimmen erforderlich machen.
Mit der Vorstellung des Projekts auf der Multihull Boatshow in La Grande Motte hat die neue Geschäftsführung auch schon eine erste Preiseinordnung bekannt gegeben: 898.000 Euro netto soll der Trimaran in seiner einfachsten Ausführung kosten. Inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer liegt der Einführungspreis bei 1.068.600 Euro. Dabei sind die Segel (Groß, Genua, Trinquette) allerdings noch nicht enthalten, sondern werden mit dem sogenannten Premium-Paket und weiteren Komponenten bis zur segelfertigen Ausstattung mitgeliefert. Dieses Paket schlägt mit weiteren 76.000 Euro brutto zu Buche. Die Premiere des Neel 48 soll im September 2027 auf der Messe Grand Pavois in La Rochelle stattfinden.

Redakteur Test & Technik