ModellpflegeElan 360 – der modifizierte Siegertyp

Jochen Rieker

 · 15.08.2013

Modellpflege: Elan 360 – der modifizierte SiegertypFoto: Werft

Als Elan 350 gewann der Performance-Cruiser 2011 den Titel Europas Yacht des Jahres. Jetzt geht er als Elan 360 in die zweite Runde

Modellpflege statt komplette Neuentwicklung – das ist derzeit bei vielen Werften angesagt. Von Bavaria bis Hallberg-Rassy reicht die Reihe jener Bootsbauer, die lieber an Bestehendem feilen als alles über Bord zu werfen und bei null anzufangen. Ein durchaus sinnvoller Ansatz, denn die Modellzyklen waren seit der Jahrtausendwende ohnehin unnötig, um nicht zu sagen ungesund kurz.

Jetzt also auch Elan. Die slowenische Werft macht aus dem Erfolgstyp Elan 350 die neue Elan 360. Eine Weiterentwicklung, die nicht zuletzt eine Adaption an die neue Linienführung der Performance-Cruiser des Hauses bringt. Diese hatte Anfang des Jahres die Elan 400 vorgegeben. Zuvor war schon die 310 auf ähnliche Weise zur Elan 320 modifiziert worden.

  Decksansicht: unverändert in den Linien, aber nun mit bündig eingelassenen LukenFoto: Werft
Decksansicht: unverändert in den Linien, aber nun mit bündig eingelassenen Luken

Rumpf und Deck der 350er blieben weitestgehend identisch. Von außen betrachtet sind es vor allem Fenster und Luken sowie die Zierstreifen überm Wasserpass, die für eine Unterscheidbarkeit zur Vorgängerin sorgen.

Die zählte lange zu den Bestsellern im Modellprogramm und holte sich 2010/11 überzeugend den begehrten Titel "Europas Yacht des Jahres" in ihrer Klasse. Mit Doppelruder, Kimmkanten, breitem Heck und hohem, unproblematisch abrufbarem Segelpotenzial hatte Konstrukteur Rob Humphreys Merkmale moderner Offshore-Renner wie Class 40 und Open 60 in die Serie überführt.

Die Elan 350 brauchte zwar relativ viel Wind, um anhaltend in Gleitfahrt zu gehen – raumschots unter Gennaker waren bei 20 bis 25 Knoten Wind dann aber dauerhaft Geschwindigkeiten zwischen 12 und 15 Knoten drin.

So lag es nahe, für die Elan 360 an der Grundkonfiguration wenig zu ändern. Der vielleicht wichtigste und sinnvollste Punkt in der Liste der Extras ist das sogenannte "S"-Paket, das eine signifikante Gewichtsersparnis von sieben Prozent bringt.

Dabei werden Rumpf und Deck im Vakuum-Infusionsverfahren mit Vinylester-Harz laminiert, der Ausbau erfolgt mit Möbeln aus furniertem Schaumsandwich, und auch das Hauptschott besteht aus leichtem Sandwichlaminat statt massivem Bootsbausperrholz. Diese Entschlackungskur tut dem Boot gut, das im Standard mit fünf Tonnen doch relativ schwer geraten ist, was unter anderem am vollwertigen Ausbau unter Deck liegt.

  Ausbau mit höherem Weißanteil – und auf Wunsch in leichtem SchaumsandwichFoto: Werft
Ausbau mit höherem Weißanteil – und auf Wunsch in leichtem Schaumsandwich

Der präsentiert sich ebenfalls überarbeitet. Der Anteil weißer Kunstoff-Oberflächen hat deutlich zugenommen, was die Elan 360 relativ hell machen dürfte; die 350 mit weitaus mehr Furnierholz wirkte dunkler, dafür aber auch gemütlicher.

Statt konventioneller Luken mit Alu-Rahmen sind bei der Neuen jetzt plane Scheiben verbaut, was das Deck aufgeräumter erscheinen lässt. Auch gibt es achtern, wo wahlweise ein oder zwei Achterkabinen zur Wahl stehen, jetzt zusätzliche Cockpitfenster am Kojenende. Dafür fielen aber zwei kleine Luken auf dem Kajütdach weg. Etwas flacher und damit leichter begehbar ist der Niedergang.

In der Plicht sticht als Erstes der jetzt versenkte Traveller ins Auge; zuvor war die Aluschiene erhöht montiert, zudem gebogen, um stets gleiche Zugwinkel am Schotwagen zu gewährleisten und ein Verkinken und Blockieren zu vermeiden. Funktional war das die bessere Lösung, allerdings auch eine Barriere für den Skipper, wenn er unter Autopilot seinen Platz verlassen wollte.

Außerdem gibt es an den Steuersäulen nun drehbar gelagerte Plotter-Aufnahmen. Das ist ein Merkmal, das viele Eigner auf Ein- oder Zweihand-Regatten schätzen werden – und auch für Fahrtensegler, die mit kleiner Crew unterwegs sind, die Navigation vereinfacht. Sogar einen Cockpittisch im Plichtboden bietet die Werft auf Wunsch. Aber der erhöht das Gewicht – und verwässert eigentlich den sportiven Charakter des Bootes.

Der Preis für die Elan 360 beträgt 132.080 Euro (inklusive Mehrwersteuer, ohne Segel). Das "S"-Paket kostet rund 12.000 Euro Aufpreis.

Mehr in Kürze auf der Homepage von Elan und bei den Händlern.

YACHT tv war bei der Wahl zu Europas Yacht des Jahres 2011 dabei. Hier die Bilder der Vorgängerin Elan 350 im Glitsch vor Barcelona.

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Und hier das Testvideo der größeren Schwester Elan 400:

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