MesseneuheitHanseboot-Premieren I: Vilm 115

Jochen Rieker

 · 26.10.2014

Messeneuheit: Hanseboot-Premieren I: Vilm 115Foto: YACHT/B. Scheurer
Geschütztes Cockpit, gemütlicher Salon: die neue Vilm 115
Der Tourer mit Hardtop ist die einzige Weltpremiere der Hanseboot, die aus Deutschland kommt – geschützte Plicht, schöner Holzausbau

Die Bootsbauer aus Rügen runden mit der Vilm 115 die Erneuerung ihres Modellprogramms ab. Die Fahrtenyacht mit dem charakteristischen Hardtop ersetzt die erfolgreiche Vilm 101 und bildet zusammen mit der auf dem gleichem Rumpf basierenden 37 künftig die Basis der Werftlinie, sagte Matthias Lenz am Auftakt-Wochenende der Hanseboot gegenüber YACHT online.

Es ist ein Boot, wie geschaffen für nordische Reviere: mit 11,15 Meter Länge und 3,54 Meter Breite kompakt genug, um auch in kleineren Kommunalhäfen noch unterzukommen, dabei aber so groß, dass ein Eignerpaar, gelegentlich auch mit Gästen, bequem auf Langfahrt gehen kann.

Rumpf von der Dehler 36, aber mit flacherem Bleikiel, neuem Deck, Hardtop und geändertem Rigg
Foto: YACHT/B. Scheurer

Vilm hat als Grundlage der Neuentwicklung die Formen der Dehler 36 genutzt, eine noch recht junge Konstruktion von Judel/Vrolijk & Co mit anerkannt sehr guten Segeleigenschaften. Der Rumpf verfügt jetzt über mehr Freibord und eine Schanz, das Deck sieht schiffiger aus, der Tiefgang von 1,65 Meter ist moderat.

Trotz reduzierter Masthöhe misst die Segelfläche immer noch fast 75 Quadratmeter – für einen reinen Tourer ist das stattlich (Segeltragezahl 4,4). Wer möchte, kann statt der serienmäßigen Genua 3 auch eine Selbstwendefock ordern – im Kajütaufbau ist bereits der Sockel für die dafür nötige Schiene einlaminiert.

Die Plicht der Vilm 115 wirkt sehr sicher und dennoch geräumig. Ein hohes Süll vermittelt ebenso Geborgenheit wie das weit nach achtern gezogene Deckshaus. Es schirmt die Crew von überkommendem Wasser oder Regen wirkungsvoll ab. An Backbord ist im Dach bereits ein Rotlicht eingelassen, mit dem sich das Kartenfach nachts beleuchten lässt. Dieses fehlt bei der auf der Hanseboot gezeigten Bau-Nummer 1 aber noch.

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Unter Deck empfängt Messebesucher ein behaglicher Mahagoni-Ausbau, wie man ihn heute auch auf Yachten aus Skandinavien nicht mehr oft findet. Beispiel: die Schapp- und Schranktüren werden aufwändig aus Vollholz-Rahmen getischlert. Es fehlt aber auch nicht an zeitgemäßen Akzenten: weiße Vinyl-Paneele sorgen für Helligkeit, das Bad mit abgeteilter Dusche ist außerordentlich geräumig und gut belüftet, der Niedergang verläuft angenehm flach.

Eine der Besonderheiten von Vilm lässt sich auf der Hanseboot freilich nicht besichtigen: die Individualisierbarkeit der 115. Auf Wunsch können etwa Stauraum und Kojenmaße verändert werden. In der Pantry gibt es wahlweise Induktions- oder Gasherd. Selbst die Schotten sind in Grenzen verschiebbar. So wird der Eigner zum Co-Konstrukteur. Diese Anpassungsfähigkeit, die nur eine Kleinserienwerft bieten kann, spiegelt sich im Preis. Die Neue aus Lauterbach kostet 229.325 Euro.

Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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