Werften, die vollends maßgeschneiderte Segelyachten unter 60 Fuß fertigen, sind rar gesät. Maxi Dolphin ist so eine Adresse, die regelmäßig Individualbauten zwischen 55 und 78 Fuß abliefert. Bei den Italienern entstehen seit über 40 Jahren schnelle Cruiser nach Kundenwunsch. Mit der MD58 „Minnesota“ wollen die Yachtbauer aus Erbusco, wenige Kilometer südlich des Lago d’Iseo, besonderen Anforderungen gerecht werden. Längst würden nicht mehr nur die seglerischen Werte zählen.
Luca Botter, CEO von Maxi Dolphin, umschreibt die neue Nachfrage wie folgt: „Moderne Eigner erwarten eine Yacht, die Ozeane zuverlässig überqueren kann und dabei einen Komfort bietet, der früher ausschließlich großen Motoryachten vorbehalten war. Breite, hindernisfreie Laufdecks, großzügige Eignerkabinen, separate Duschräume, vollständige Klimatisierung, umfangreiche Kühlkapazitäten, Wassermacher, hohe Stromautonomie und immer ausgefeiltere Bordsysteme sind in diesem Marktsegment längst zum Standard geworden. All diese Anforderungen zu integrieren, ohne die seglerischen Qualitäten einer Yacht zu beeinträchtigen, ist zu einer der größten Herausforderungen für jede Werft geworden.”
Der „Minnesota“-Eigner definierte von Anfang an klare Vorgaben: lange Passagen, hoher Komfort, verlässliches Handling. Darauf aufbauend schrieb die Werft gemeinsam mit dem argentinischen Konstrukteur Alejandro Bottino das Pflichtenheft. Projektmanager Enrico Tettamanti brachte sich mit 30 Jahren Branchenerfahrung und Erfahrung aus über 250.000 Seemeilen ein. Bei einer echten Custom-Yacht geht es laut Maxi Dolphin nicht einzig darum, andere Hölzer, Stoffe oder Oberflächen zu wählen. Was zähle, sei ein stimmiges Gesamtkonzept.
Wie es sich für eine hochgradig individualisierte Yacht gehört, ging es bei der Umsetzung der MD58 um jeden Zentimeter. Tanks, Stauraum, Technik und Strukturelemente wurden so angeordnet, dass sich die Wasserlinie möglichst wenig verändert. Egal ob die Tanks voll oder leer sind, ob Proviant an Bord ist oder verbraucht wurde – das Gefühl am Steuerrad soll sich nicht ändern. Ziel war es, den Lateralplan im Gleichgewicht mit dem Segelplan zu halten. Für progressives, berechenbares Verhalten auf allen Kursen wurde die Massenverteilung kontinuierlich überprüft. Alejandro Bottino hielt den Aufbau bewusst niedrig, um sowohl Wind als auch Sonne weniger Angriffsfläche zu bieten. Die Fenster sind schmal, das leicht vorkragende Kajütdach soll zusätzlich ein Aufheizen bei Mittagssonne verhindern.
Die gesamte Struktur besteht aus Kohlefasern mit Corecell-Sandwichkern als Grundlage. Die Laminierung erfolgt im Vakuumverfahren für hohe Steifigkeit bei kontrolliert niedrig gehaltenem Gewicht. Die steife Struktur soll die Segeleigenschaften verbessern und die Langlebigkeit der Konstruktion erhöhen. Bei 17,90 Metern Länge über alles verdrängt die MD58 etwa 21 Tonnen, wobei der Kiel rund 6,4 Tonnen auf die Waage bringt. Die Wasserlinienlänge beträgt 16,80 Meter, die Breite 5,28 Meter und der Tiefgang des Festkiels 3,20 Meter.
Die Bordsysteme setzen auf Robustheit und Redundanz. Kritische Funktionen haben Backup-Lösungen. Fällt ein System aus, kann weitergesegelt werden. Zur Not auch manuell: Viele Anlagen lassen sich wie auf größeren Maxi-Formaten händisch bedienen. „Minnesota“ verfügt über zwei Wassermacher, Klimaanlage, große Kühlkapazität und hohe Energieautonomie. Das ermöglicht wochenlange Aufenthalte fernab von Marinas. Die großzügig dimensionierte Eignerkabine belegt das Vorschiff mit einer separaten Duschkabine, auf das Heck verteilen sich zwei weitere Doppelkabinen jeweils mit Bad. Eine voll ausgestattete Pantry und reichlich Stauraum ergänzen die Ausstattung. Unter und über Deck wurden die Laufwege so geplant, dass Bewegungen auch bei Seegang sicher bleiben.
Um Ergonomie an Deck sicherzustellen, habe man jedes Manöver durchgespielt. Sichtlinien vom Steuerstand, Zugang zu Arbeitsbereichen und Bewegungsabläufe wurden analysiert. Die Push-Button-Winschen, Umlenkungen und Laufwege sind so angeordnet, dass zwei erfahrene Segler die Yacht handhaben können. Die Positionen der Beschläge folgten ausschließlich dem Zweck. Das Deck solle die Crew entlasten, nicht beschäftigen.
Die Frage der Ästhetik bleibt subjektiv, besonders bei Einzelanfertigungen. Maxi Dolphins Luca Botter beantwortet sie so: „Wer tausende Meilen vom nächsten Hafen entfernt segelt, misst Luxus anders. Nicht an dem, was einen umgibt. Sondern am Vertrauen in die Yacht unter den Füßen. Die MD58 ist das Ergebnis tausender technischer Entscheidungen und unzähliger Gespräche zwischen Eigner, Designer, Projektleiter und Werft. Sie liefert einfach, was der Eigner erwartet – jedes Mal, wenn sie ablegt. Das ist der Wert einer maßgeschneiderten Yacht. Nicht Exklusivität, nicht Aussehen, nicht Komplexität. Sondern die Gewissheit, dass jede Entscheidung einen Grund hatte.”

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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