Enavigo 38RCarbon-Rakete für jedermann

Michael Good

 · 27.03.2013

Enavigo 38R: Carbon-Rakete für jedermannFoto: Enavigo Composite Yachts
Enavigo 38 R
Enavigo Yachts in Kroatien stellt einen radikalen Kohlefaser-Racer vor, mit dem auch ambitionierte Tourensegler glücklich werden sollen
  Enavigo 38RFoto: Enavigo Composite Yachts Enavigo 38R

Der Name ist noch weitgehend unbekannt: Enavigo Yachts baut Segelschiffe in kleiner Serie dort, wo man Bootsbau eher nicht suchen würde: In Virovitica im kroatischen Hinterland, nahe der ungarischen Grenze – weit weg vom Wasser jedenfalls. Dort baut die Werft vor allem Holzboote im klassischen Stil, Kutter und Schulungsboote. Aber nicht mehr nur: Jetzt überrascht das Unternehmen mit der Ankündigung eines radikalen Club- und Offshore-Racers unter dem Namen Enavigo 38R.

Gezeichnet hat den Renner Andrej Justin (RC 44 u. a.). Die Rumpfform und die Profile der Anhänge sind das Ergebnis umfangreicher Tests mit CFD- (Fluid Dynamics) und VPP-Anwendungen (Velocity prediction). Die Basis ist eine Voll-Carbon-Rennmaschine mit einem hohem Leistungspotenzial. Die tiefen, schlanken Rumpfanhänge und ein hohes Kohlefaserrigg von Pauger Carbon mit enorm viel Segelfläche (103 Quadratmeter am Wind) sorgen für kraftvollen Umsatz. Die Segeltragezahl des 11,60 Meter langen und nur 3,6 Tonnen schweren Renners (50 Prozent Ballastanteil) wird mit einem Wert von 6,7 berechnet und liegt damit weit über dem Durchschnitt gewöhnlicher Performance-Boote.

  Enavigo 38RFoto: Enavigo Composite Yachts Enavigo 38R

Interessant an der Enavigo 38R ist insbesondere das Bauverfahren für den Rumpf. Die Schale wird vorerst in Leistenbauweise mit leichtem Zedernholz über einer Helling gebaut, wie ein richtiges Holzboot – nur dünner, leichter und fragiler. Dann wird beidseitig Kohlefaser aufgelegt, das Ganze als Sandwich mit Epoxid verklebt und im Vakuum ausgehärtet. Diese ungewöhnliche Sandwichkonstruktion mit Vollholzkern soll besonders steif ausfallen und auch gegen Schläge und Stöße resistenter sein. Das Deck bleibt dagegen eine "gewöhnliche" Kohlefaser-Sandwichkonstruktion mit Schaumkern.

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Der Kohlerenner von Enavigo ist aber nicht nur und ausschließlich für ambitionierte Regatta-Crews ausgelegt, sondern soll auch die Ansprüche von ambitionierten Tourenseglern erfüllen. Dafür wurden die Bordtechnik und das Deckslayout fokussiert auf ein einfaches, unkompliziertes Handling. Damit sollen selbst Familiensegler klarkommen und eine Chance haben, die Clubregatta vor dem Heimathafen zu gewinnen.

  Enavigo 38RFoto: Enavigo Composite Yachts Enavigo 38R

Unter Deck bekommt die Enavigo 38R einen zwar einfachen, aber sehr funktionalen Innenausbau mit Kojen für bis zu acht Mitseglern. Dazu ist eine Pantry ausgewiesen und ein Toilettenraum abgetrennt. Speziell ist die mittig im Boot freistehend angeordnete Navigation. Offshore-Segler werden dies begrüßen.

Eine erste Berechnung der Werft präsentiert einen Basispreis von 232.000 Euro (inkl. D-MwSt.) vor, allerdings ohne die Segel. Der Prototyp der Enavigo 38R ist jetzt im Bau und soll in diesem Sommer bereits getestet werden können.

Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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