Beneteau und Fontaine PajotEnergiewende auf dem Wasser

Michael Rinck

 · 23.04.2026

Beneteau und Fontaine Pajot: Energiewende auf dem WasserFoto: Gilles Martin-Raget/lagoon catamarans
Lagoon 51
​Die französischen Werftgruppen Groupe Beneteau und Fountaine Pajot Group haben E-LEKTRA MARINE gegründet. Damit verabreden sie den Ausbau elektrischer Antriebssysteme auf Segelyachten. Insgesamt sieben Marken mit 60 Prozent Marktanteil sollen einen gemeinsamen Standard schaffen.

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​Über 99 Prozent aller Segelyachten haben einen Verbrennungsmotor. Auch Segelboote brauchen ihn für Hafenmanöver, bei Flaute oder zur Energieversorgung an Bord. Dass sich das ändert, wollen zwei der größten Yachtbauer weltweit nun gemeinsam vorantreiben. Groupe Beneteau und Fountaine Pajot Group bündeln ihre Elektrifizierungsbemühungen in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen: E-LEKTRA MARINE. Sieben Marken – Beneteau, Jeanneau, Lagoon, Excess, Fountaine Pajot Sailing Catamarans, Fountaine Pajot Yachts und Dufour – arbeiten künftig an einem gemeinsamen Standard für elektrischen Antrieb und intelligentes Energiemanagement. Die Allianz ist in dieser Form einzigartig in der Yachtbranche.

Mehr als nur Elektroantrieb

Die Herausforderung bei der Elektrifizierung von Segelyachten geht über den reinen Antrieb hinaus. Anders als ein Elektroauto, das jederzeit an einer Steckdose geladen werden kann, muss eine Segelyacht ihre Energie möglichst auch selbst erzeugen können. Solarmodule, Batterien, Generator, Antrieb, Bordkomfort, alle Energieflüsse müssen in Echtzeit koordiniert werden. E-LEKTRA MARINE adressiert genau diese Komplexität: das Management der gesamten Energieautonomie an Bord.

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Bruno Thivoyon, Vorsitzender des Vorstands von Groupe Beneteau, erklärt: "Mit E-LEKTRA MARINE schließen sich zwei große Akteure der Segelindustrie in einer beispiellosen Allianz zusammen, um die Elektrifizierung des Segelns zu beschleunigen. Durch die Bündelung unserer industriellen Expertise wollen wir offene Standards etablieren und emissionsarme Lösungen einfacher, zugänglicher und skalierbar machen."

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60 Prozent Marktanteil als Hebel

Die beiden Gruppen bringen zusammen 60 Prozent des globalen Segelyachtmarktes auf die Waage. Diese Masse soll helfen, die industriellen Schwellen zu erreichen, die elektrische Lösungen wettbewerbsfähig mit Verbrennungsmotoren machen.

Mathieu Fountaine, stellvertretender Geschäftsführer von Fountaine Pajot, sagt: “Das Joint Venture E-LEKTRA MARINE mit Groupe Beneteau zeigt, dass unsere Branche sich um gemeinsame Umweltziele mobilisieren kann. Heute wird die Elektrifizierung unerlässlich; sie muss nun auf dem gesamten Segelyachtmarkt zugänglich gemacht werden."

Technologie ist bereits erprobt

Beide Gruppen haben bereits Erfahrung mit elektrischen Antrieben gesammelt. Groupe Beneteau bietet seit mehreren Jahren Niedervolt-Elektrolösungen für Segelyachten bis zwölf Meter an, etwa bei den Oceanis-Modellen von Beneteau. Fountaine Pajot setzt Hochvolt-Hybrid-Lösungen bei Katamaranen über 15 Meter ein, beispielsweise bei der Aura 51 und der Samana 59. Diese Technologien sind mittlerweile ausgereift. Statt dass jede Gruppe ihre eigene technologische Basis weiterentwickelt, wollen sie nun einen gemeinsamen Standard verabreden.

E-LEKTRA MARINE arbeitet mit strategischen Partnern zusammen: Alternatives Energies aus La Rochelle, spezialisiert auf elektrische Systemintegration; Cirtem aus Toulouse, Experte für Energieumwandlung und -management; und EVE System aus Lyon, Spezialist für Batteriepack-Design. Die Aufgabe der Experten von E-LEKTRA MARINE für elektrische Schiffsarchitekturen ist es, standardisierte Lösungen für elektrischen Antrieb und Energiemanagement zu definieren, zu spezifizieren und zu validieren – angepasst an verschiedene Yachtgrößen und Nutzungsprofile.

Ambitioniertes Ziel bis 2030

E-LEKTRA MARINE bietet Elektrifizierungslösungen für Segelyachten von 9 bis 24 Meter an. Je nach Größe und Einsatzprofil sollen vollelektrische Systeme, Niedervolt-Hybrid- oder Hochvolt-Hybrid-Lösungen zum Einsatz kommen. Das System soll auch das Energiemanagement zwischen Solarenergie, Motor, Generator, Komfortausrüstung und Landstrom optimieren.

Die beiden Gruppen verfolgen ein klares Ziel: Bis 2030 sollen 10 bis 15 Prozent des globalen Segelyachtmarktes elektrifiziert sein. Groupe Beneteau begann seine Elektrifizierungsreise vor über 20 Jahren, unter anderem mit den ersten Lagoon 421-Modellen. In den letzten Jahren folgten vollelektrische Lösungen bei den Beneteau Oceanis-Einrumpfyachten von 30 bis 40 Fuß sowie Hybrid-Lösungen bei mehreren Modellen wie der Excess 11 und der Jeanneau Sealoft 480.

Fountaine Pajot positionierte sich im Markt für elektrifizierte Fahrtenkatamarane mit der Aura 51 und der Samana 59. Aufbauend auf diesen technischen Validierungen geht die Gruppe nun den nächsten Schritt und führt elektrische Lösungen für alle Marken Fountaine Pajot Sailing Catamarans, Fountaine Pajot Yachts und Dufour Einrumpfsegler ein.

Offener Standard für die Branche

Durch die Bündelung der Volumina von sieben Marken, die 60 Prozent des globalen Marktes repräsentieren, will E-LEKTRA MARINE einen offenen globalen Standard schaffen. Die Gründung von E-LEKTRA MARINE ist ein bemerkenswerter Schritt in einer Branche, die traditionell von Konkurrenz geprägt ist. Zwei große Wettbewerber arbeiten zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: die Dekarbonisierung des Segelns. Nach der gemeinsamen Entwicklung von Methoden zur Lebenszyklusanalyse ihrer Boote gehen die beiden Marktführer nun einen weiteren Schritt und schmieden eine gemeinsame Dekarbonisierungs-Roadmap.

Was bedeutet das für Bootseigner?

Erstmal handelt es sich um die Absichtserklärung der beiden Werftgruppen, einen gemeinsamen Standard zu finden. Wenn das einfach wäre, müssten sie diese Anstrengung nicht gemeinsam unternehmen. Denn bisher sind die elektrischen Antriebslösungen nur für sehr kleine Boote wirtschaftlich. Die Preise sind aktuell noch zu hoch und es fehlt an leistungsfähiger Ladeinfrastruktur in den Marinas. So einfach wie bei Elektroautos ist es mit Booten nicht. Einfach unterwegs rechts ranfahren zum Ladestopp geht nicht. Und ohne Schnellladesäulen kann der Ladevorgang einer großen Batteriebank zur mehrtägigen Geduldsprobe werden. Die Hürden sind also aktuell noch sehr hoch, ein gemeinsamer Standard wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung.


Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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