Beneteau Oceanis Yacht 54Im Rumpf ein Renner: Beneteaus neue Oceanis Yacht 54

Jochen Rieker

 · 05.03.2020

Beneteau Oceanis Yacht 54: Im Rumpf ein Renner: Beneteaus neue Oceanis Yacht 54Foto: Beneteau
Ab Sommer 2020: Beneteau Oceanis Yacht 54
Eigentlich ist sie als Fahrtenboot für gehobene Ansprüche konzipiert. Ihre Rumpflinien teilt sich die Oceanis Yacht 54 jedoch mit einer sportlichen Schwester

In aller Stille hat der Weltmarktführer im vergangenen Herbst aus eins zwei gemacht: Schon während die First Yacht 53 in Cannes ihre Premierenvorstellung gab als Auftaktmodell der wiederbelebten First-Reihe, werkelten die Bootsbauer in Saint Gilles Croix-de-Ville an einer zweieiigen Zwillingsschwester: ebenjener Oceanis Yacht 54, die wir hier erstmals ausführlich vorstellen.

Es ist eine ungewöhnliche, aber durchaus sinnvolle Produktstrategie. Denn moderne Performance-Cruiser bieten durch hohe Freiborde und breite Hecks mehr als genug Volumen, um auch die Komfortansprüche von Fahrtenseglern zu befriedigen. Warum also nicht einen Rumpf gleich zweimal nutzen – zumal im hochpreisigen Segment großer Yachten, wo die Stückzahlen überschaubar bleiben und eine Laminierform für etliche Jahre der Produktion gut ist?

Der unorthodoxe Entschluss von Beneteau führt nun dazu, dass Eigner mit der Oceanis 54 ein hydrodynamisch höchst ausgefeiltes "Chassis" bekommen – gewissermaßen die AMG-Version einer Mercedes-S-Klasse, wenn auch mit einem weniger potenten Antrieb.

Kommt im Sommer 2020: Beneteau Oceanis Yacht 54, die komfortable Schwester der First Yacht 53
Foto: Beneteau

Beim Rigg unterscheiden sich die Schwestern nämlich deutlich. Das beginnt schon damit, dass die Oceanis serienmäßig mit Rollmast und Selbstwendefock ausgeliefert wird, zudem mit einem Bügel über der Plicht, der als Anschlagpunkt für die Großschot dient.

Auch das Deck ist trotz einiger konzeptioneller Parallelen neu konstruiert. Der Aufbau ist höher als bei der First Yacht 53, bietet vier zusätzliche Sonnenliegen neben dem Niedergang und vor dem Mast sowie eine achtern geschlossenere Plicht mit zusätzlichen Staufächern sowie Sitzgelegenheiten.

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Markant: Heck der Oceanis Yacht 54Foto: BeneteauMarkant: Heck der Oceanis Yacht 54

Eine deutlich ausgeprägte Schanz umfasst die breiten Laufdecks bis auf Höhe des Mastfußes, was eine sichere Begehbarkeit gewährleistet. Das Cockpit liegt auf einer Ebene und geht achtern stufenfrei ins Deck über – eine Art Walk-around-Cockpit wie bei Jeanneaus neuer Sun-Odyssey-Reihe, nur optisch eindrucksvoller gestaltet.

Unter Deck bleiben die Aufteilung und die Layout-Varianten achtern sowie im Vorschiff identisch mit denen der First 53. Die Oceanis Yacht 54 unterscheidet sich im Salon aber signifikant von ihrer sportlichen Schwester. Statt eines großen L-Sofas an Steuerbord und einer kleinen Dinette an Backbord verfügt sie über eine klassische Sitzgruppe und eine dezidierte Navigation vor dem Hauptschott (Ansichten dazu in der Galerie).

Noch gibt es keine Daten und Preise für die Neue aus Beneteaus Fahrtenyacht-Programm. Wir werden diese hier aktualisieren, sobald sie vorliegen. Fest steht jedoch, dass die Oceanis Yacht 54 um gut 100.000 Euro günstiger sein wird als die First Yacht 53. Das lässt auf einen Basispreis zwischen 450.000 und 500.000 Euro schließen. Gemessen am Konstruktionsaufwand, den Lorenzo Argento und Roberto Biscontini in die Entwicklung der First 53 gesteckt haben, erscheint das als ein höchst attraktives Angebot.

Den ausführlichen Test der Beneteau Oceanis Yacht 54 aus YACHT 23/2020 lesen Sie hier!

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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