Jan-Ole Puls
· 09.07.2026
In der Nacht zum 3. Juli 2026 wurden drei Boote im Hafen von Rungsted, nördlich von Kopenhagen schwer beschädigt, so die dänischen Kollegen von minbaad.dk und den örtlichen Nachrichtensendern. Die Täter übergossen Teile der Boote mit orangefarbener Farbe und schnitten Polster sowie Verkleidungen mit einem Messer auf. Bei einem Motorboot ritzten sie die Aufschrift "Öl stoppen!" in das Fiberglas. Hafenmanager Anders Ulf Søderberg bezeichnet den Vorfall als ernste Eskalation gegenüber üblichen Vorkommnissen im Hafen.
Die Videoüberwachung des Hafens zeichnete einen Mann auf. Die Polizei Nordseeland hat die Ermittlungen aufgenommen. Alle Presseanfragen verweist die Hafenverwaltung an die Ermittlungsbehörden. Die betroffenen Bootseigner müssen mit erheblichen Reparaturkosten rechnen. Genaue Schadenshöhen liegen noch nicht vor.
Bereits am 12. Juni 2026 traf es drei Boote im Hafen von Nivå (ebenfalls auf Seeland). Auch hier verwendeten die Täter orangefarbene Farbe. Bei mindestens einem Boot schütteten sie die Farbe ins Cockpit. Besonders hart traf es den Besitzer einer klassischen schwedischen Motoryacht von 1974. Der Eigner hatte zwei Jahre in die Restaurierung investiert.
Hafennutzer in Nivå vermuten einen Klimaaktivisten hinter der Tat. Die orangefarbene Farbe ähnelt der Farbe, die die Gruppe "Just Stop Oil" bei ihren Aktionen verwendet. Diese Gruppe machte international durch Attacken auf Kunstwerke und Gebäude Schlagzeilen. Belege für einen Zusammenhang mit Klimaaktivismus fehlen jedoch bisher.
Die Ermittler können das Motiv noch nicht eindeutig bestimmen. Drei Szenarien sind denkbar: gezielte Aktionen gegen Bootseigner, zufällig ausgewählte Opfer oder organisierte Klimaproteste. Die Verwendung orangefarbener Farbe in beiden Häfen deutet auf einen Zusammenhang hin. Der zeitliche Abstand von drei Wochen zwischen den Taten passt zu diesem Muster.
In Rungsted gehört eines der beschädigten Boote einem Lokalpolitiker. Ob dies Zufall ist oder ein gezielter Angriff, prüft die Polizei. Die Hafenverwaltung betont, dass solche Vorfälle und Vandalismus in der Region äußerst selten sind. Bootseigner zeigen sich verunsichert und fordern verstärkte Sicherheitsmaßnahmen.
Beide Häfen arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Sie stellen Videomaterial und alle relevanten Informationen zur Verfügung. Die Hafenverwaltung Rungsted prüft zusätzliche Überwachungsmaßnahmen. Konkrete Pläne wurden noch nicht bekannt gegeben. Die Kosten für erweiterte Sicherheitstechnik müssten die Liegeplatzinhaber mittragen.
Hafenmanager Søderberg erklärt gegenüber TV 2 Kosmopol, die Unsicherheit belaste die Gemeinschaft. Viele Bootseigner fragen sich, ob ihre Boote sicher sind. Einige erwägen, ihre Boote vorübergehend an Land zu nehmen. Dies würde jedoch zusätzliche Kosten und Aufwand bedeuten.
Die Schäden reichen von oberflächlichen Farbspritzern bis zu tiefen Schnitten in Polstern und Fiberglas. Orangefarbene Farbe lässt sich nur schwer von Gelcoat-Oberflächen entfernen. Professionelle Aufbereitung kostet mehrere hundert bis tausend Euro pro Boot. Bei dem Motorboot mit der eingeritzten Aufschrift sind Laminatarbeiten nötig. Diese können schnell 2000 bis 3000 Euro kosten.
Die aufgeschnittenen Polster müssen komplett erneuert werden. Je nach Qualität und Umfang liegen die Kosten zwischen 1000 und 5000 Euro. Hinzu kommen Ausfallzeiten während der Reparatur. Viele Bootseigner hatten ihre Sommerurlaube bereits geplant. Diese müssen sie nun verschieben oder absagen.
Ob die Versicherungen für alle Schäden aufkommen, ist unklar. Viele Kaskoversicherungen schließen Vandalismus aus oder verlangen hohe Selbstbeteiligungen. Diese liegen oft bei 500 bis 1000 Euro. Einige Eigner müssen die Reparaturen möglicherweise selbst bezahlen. Dies trifft besonders Besitzer älterer Boote hart, die oft nur über eine Haftpflichtversicherung verfügen.
Hafenverwaltungen raten Bootseignern zu erhöhter Wachsamkeit. Wertgegenstände sollten nicht an Bord bleiben. Abdeckplanen erschweren den Zugang und schützen vor Witterung. Sie bieten jedoch keinen Schutz vor gezieltem Vandalismus. Einige Eigner installieren eigene Überwachungskameras oder Alarmanlagen.
Bewegungsmelder mit Licht können abschreckend wirken. Sie kosten zwischen 50 und 150 Euro und lassen sich einfach installieren. GPS-Tracker helfen zwar nicht gegen Vandalismus, ermöglichen aber die Ortung bei Diebstahl. Diese Geräte kosten ab 100 Euro plus monatliche Gebühren von 5 bis 10 Euro.
Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit in dänischen Häfen. In Bogense wurde 2019 ein Motorboot mit roter Farbe beschmiert. Der Täter konnte durch Videoaufnahmen identifiziert werden. In Mariager lösten Unbekannte 2020 Schrauben und Bolte an einem Bootskran. In Otterup bohrten Vandalen Löcher in mehrere Boote.
Diese Vorfälle unterscheiden sich jedoch vom aktuellen Fall. Die Verwendung orangefarbener Farbe und die zeitliche Nähe der Taten in Nivå und Rungsted deuten auf einen organisierten Hintergrund hin. Die Polizei prüft mögliche Verbindungen zu Klimaprotesten in anderen europäischen Ländern.
Auch in Deutschland sind solche Proteste – sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen möchte – keine Seltenheit. So wurde beispielsweise 2023 die Motoryacht „Lady M“ mit orangener Farbe besprüht und beschädigt.
Hier ist der Vorfall einmal verlinkt: Klimaaktivisten besprühen Luxusyacht „Lady M“ mit Farbe
Experten empfehlen mehrschichtige Sicherheitskonzepte. Videoüberwachung allein reicht nicht aus. Regelmäßige Kontrollgänge durch Hafenpersonal oder Sicherheitsdienste erhöhen die Abschreckung. Diese Maßnahmen verursachen jedoch zusätzliche Kosten von mehreren tausend Euro monatlich.
Einige Häfen setzen auf Nachbarschaftshilfe. Bootseigner achten gegenseitig auf ihre Boote und melden verdächtige Beobachtungen. Mobile Apps ermöglichen schnelle Kommunikation innerhalb der Hafengemeinschaft. Diese Systeme funktionieren jedoch nur, wenn ausreichend Nutzer regelmäßig vor Ort sind.
Die Polizei Nordseeland gibt keine Details zu den laufenden Ermittlungen bekannt. Die Auswertung der Videoaufnahmen läuft. Zeugen, die verdächtige Personen beobachtet haben, sollen sich melden. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. Eine Belohnung für sachdienliche Hinweise wurde nicht ausgesetzt.
Forensische Untersuchungen der Farbe könnten Hinweise auf Hersteller und Bezugsquellen liefern. Auch DNA-Spuren an den Tatorten werden gesichert. Diese Analysen dauern jedoch mehrere Wochen. Bis dahin bleiben die Bootseigner in Sorge.

Redakteur Test & Technik
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