MexikoHunderte Yachten beschlagnahmt

Pascal Schürmann

 · 13.01.2014

Mexiko: Hunderte Yachten beschlagnahmtFoto: Montage YACHT online

Nach Razzien in mehreren Marinas droht über 300 Sportbooten, die Ausländern gehören, die Zwangsversteigerung. Auch bekannte Segler betroffen

Sie kamen schwerbewaffnet mit Maschinenpistolen, in schwarzen Kampfanzügen und begleitet von einer Armada Einsatzfahrzeuge, darunter sogar Gefängnisbusse. Ihr Ziel war allerdings kein Drogenbaron, wie viele der zufälligen Augenzeugen im ersten Moment dachten, sondern größtenteils Rentner!

Bereits vor einigen Wochen ließ der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto zig Yachthäfen an der Pazifik- und der Atlantikküste des Landes stürmen. Zweck der Aktion, die aktuell in US-amerikanischen Medien hohe Wellen schlägt: Die Beamten sollten Permits kontrollieren. Ein solches Dokument benötigen Ausländer, die mit ihrem Boot längere Zeit in Mexiko liegen. Es kostet rund 70 US-Dollar im Jahr.

Betroffen von den großangelegten Kontrollen waren entsprechend vorrangig Rentnerpaare, meist aus den USA und einige auch aus Kanada, die ihren Lebensabend im warmen Mexiko an Bord ihres Schiffes verbringen. Zwar seien die Beamten trotz ihres martialischen Auftretens meist freundlich vorgegangen, aber auch unerbittlich. Wer das Papier gleich aus welchem Grund nicht vorweisen konnte – sei es, dass er das Permit gerade nicht an Bord hatte oder der Eigner schlicht selbst nicht an Bord war –, dessen Schiff landete auf einer verhängnisvollen Strafliste.

Die Behörden hüllen sich in Schweigen

Von gut kontrollierten 1600 Booten fanden sich auf dieser Liste am Ende angeblich über 300 Boote wieder – überwiegend Yachten um die zehn, zwölf Meter Länge. Ihnen droht nun die Zwangsversteigerung. Denn Informationen darüber, wie man sein Boot auslösen kann und ob es überhaupt auf der Liste steht, gibt es nicht. Die Behörden hüllen sich in Schweigen. Einfach das Land verlassen geht auch nicht. Die Polizei hat angekündigt, auf jeden Jagd zu machen, der unberechtigt die Festmacher löst.

Viele Landeskenner vermuten, dass der mexikanische Präsident auf diese Weise die chronisch leere Staatskasse füllen will. Um diesem willkürlichen Verhalten Einhalt zu gebieten, haben sich inzwischen auch hohe US-amerikanische Stellen eingeschaltet. Ihre Vermittlungsbemühungen scheiterten bislang jedoch allesamt.

Betroffen von der Kontrollaktion waren auch bekannte Segler, etwa der Herausgeber des US-amerikanischen Segelmagazins "Latitude 38" Richard Spindler. Am Tag der Razzia war auch er nicht an Bord seines Katamarans "Profligate", der in der Marina von Puerto Vallarta an der Pazifikküste lag. "Wir haben ein Permit, wurden aber nicht angetroffen, und daher steht das Boot nun auch auf der Versteigerungsliste", so Spindler. "Und das, nachdem wir seit 17 Jahren regelmäßig in Mexiko segeln und bisher stets problemlos ein- und ausklariert haben."

Gift für den Bootstourismus in Mexiko

Die Kontrollen, so Spindler, seien Gift für den Bootstourismus in Mexiko. Er sagt: "Wer sorgt denn dafür, dass die vielen Marinas in Mexiko ausgelastet sind und die Yachtbetriebe Arbeit haben, wenn nicht die vielen US-Amerikaner, die hier mit ihren Booten liegen!"

Laut Gesetz können die Behörden die beschlagnahmten Boote vier Monate lang festhalten. Danach müssen sie entscheiden: die Yachten freigeben, die Eigner mit einer Geldbuße belegen oder die Schiffe ohne Wenn und Aber zu Gunsten des Staates zwangsversteigern. Viele fürchten, dass sich Enrique Pena Nieto für Variante drei entscheiden wird.

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