Mehrwertsteuer beim BootskaufWie ein Yachtkäufer zum Schmuggler wurde

Pascal Schürmann

 · 16.02.2022

Mehrwertsteuer beim Bootskauf: Wie ein Yachtkäufer zum Schmuggler wurdeFoto: Zoll

Am Bodensee muss sich ein deutscher Bootskäufer bald wegen Steuerhinterziehung verantworten. Der Fall zeigt, wie wenig Segler über Zoll- und Steuerregeln wissen

Bei Hafenkontrollen am Bodensee haben Beamte des Zolls jüngst ein Segelschiff entdeckt, das illegal aus der Schweiz nach Deutschland eingeführt worden ist. Ein 54-jähriger Deutscher hatte das Boot im Nachbarland von privat für rund 10.000 Euro gekauft und danach einfach über den See heimgesegelt – ohne dem Zoll die Einfuhr zu melden.

Die Beamten leiteten daher ein Strafverfahren gegen den Eigner ein. Der Vorwurf: Verdacht auf Steuerhinterziehung. Der Fall wird nun vom zuständigen Hauptzollamt Ulm weiterbearbeitet.

Ob dem Käufer bewusst war, dass er zum Schmuggler wird, wenn er ein Boot aus der Schweiz als Nicht-EU-Land nach Deutschland oder in ein anderes EU-Land einführt, ist nicht klar. Der Fall zeigt aber im Zweifel einmal mehr, wie wenig bekannt auch in Seglerkreisen die Zollvorschriften und vor allem die Regelungen zur Begleichung der Einfuhrumsatzsteuer sind.

Die wird immer dann fällig, wenn eine Ware – also etwa eine Segelyacht – in einem Nicht-EU-Land erworben und erstmals in die EU eingeführt wird. Dann kann sich der Käufer zwar die Mehrwertsteuer im Ausland sparen. Beim Übertritt in die EU muss er aber die Steuer im Heimatland zahlen, und zwar in Höhe des Nettowarenwerts zum im Heimatland gültigen Mehrwertsteuersatzes.

Für die Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer spielt es übrigens keine Rolle, ob das Boot von einem Händler oder von einer Privatperson gekauft wird.

Das klingt zunächst leicht verständlich. Doch zahlreiche Ausnahmen und Sonderregelungen machen die Angelegenheit mitunter kompliziert. Vor allem Eigner oder Käufer älterer Yachten stehen oftmals vor dem Problem, dass keine Originalrechnungen mehr vorliegen, aus denen die Höhe der einst abgeführten Mehrwertsteuer hervorgeht. Und vielleicht ist auch nicht mehr ganz klar, wo das Boot eigentlich gebaut wurde oder erstmals sein Heimatrevier hatte. Oder ob es die EU zwischenzeitlich für längere Zeit verlassen hat.

Der unter anderem auf Sportbootrecht spezialisierte Rechtsanwalt Benyamin H. K. Tanis von der Kieler Kanzlei Tanis | von der Mosel hat erst vergangene Woche auf YACHT online auf viele Fragen rund um die Mehrwertsteuerproblematik in Zusammenhang mit dem Besitz eines Bootes ausführliche Antworten gegeben. Der Artikel ist hier nachzulesen.

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