Wie jetzt offiziell bekannt wurde, hat die schwedische Marine bei einer Militärübung im Kalmarsund Ende 2025 ein bislang nicht identifiziertes Schiffswrack aus dem späten 16. Jahrhundert entdeckt. Eine dendrochronologische Analyse des Holzes bestätigt das Alter des Fundes, der zwischen dem schwedischen Festland und der Insel Öland liegt und nach Angaben der Provinzverwaltung Kalmar sogar älter ist als die berühmte “Vasa”.
Das Marineschiff “Belos” lokalisierte das Wrack während routinemäßiger Übungen in der strategisch bedeutsamen Meerenge. Die Region war jahrhundertelang ein Brennpunkt maritimer Auseinandersetzungen und Handelsrouten. Der Kalmarsund verbindet die nördliche mit der südlichen Ostsee und war im 16. Jahrhundert eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten Nordeuropas.
Die Datierung erfolgte mittels einer dendrochronologischen Analyse, bei der die Jahresringe des verwendeten Holzes präzise bestimmt wurden. Experten der Provinzverwaltung von Kalmar bestätigten die Ergebnisse dieser zeitlichen Einordnung in einer offiziellen Stellungnahme. Das Verfahren gilt als äußerst zuverlässig und erlaubt eine Altersbestimmung auf wenige Jahre genau.
Damit wäre das Wrack sogar älter als die berühmte “Vasa”, die als schwedisches Nationalheiligtum gilt. Die “Vasa”, ein Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, sank 1628 bei ihrer Jungfernfahrt und wurde 1961 geborgen. Sie zählt heute zu den bedeutendsten maritimen Museumsobjekten weltweit und wird jährlich von rund 1,5 Millionen Besuchern besichtigt.
Forscher Daniel Tedenlind hob hervor, dass das Schiffswrack über einen erheblichen kulturhistorischen Wert verfügt. Laut dem Experten liefert der Fund einzigartige archäologische Informationen über die damalige Schifffahrt. Aus dem späten 16. Jahrhundert sind nur sehr wenige gut erhaltene Schiffswracks bekannt – eine Zeit, die im Schiffbau für grundlegende technologische Veränderungen stand.
Die Ostsee bietet aufgrund ihres sauerstoffarmen und kalten Brackwassers ideale Bedingungen für die Konservierung von Holz. Anders als in den Weltmeeren gibt es im Mare Balticum keine Schiffsbohrwürmer, die Holzstrukturen zerstören. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Wracks am Grund der Ostsee aus, von denen viele außergewöhnlich gut erhalten sind.
In den vergangenen Jahren wurden in der Region immer wieder bedeutende Relikte und Wracks am Meeresboden registriert. So entdeckten Taucher erst im Jahr 2024 eine alte Ladung Champagner auf einem anderen historischen Schiff in schwedischen Gewässern.
Über Details zur Identität des Schiffes, eine mögliche Bergung oder weitere Untersuchungen liegen derzeit noch keine Informationen vor. Die Provinzverwaltung Kalmar hat angekündigt, weitere Analysen durchzuführen.
Die “Vasa” und ihre Schwesterschiffe:
Maritime Museen:

Stellvertretender Chefredakteur YACHT