alle News"Wir haben um unser Leben gebettelt"

Uwe Janßen

 · 22.02.2004

alle News: "Wir haben um unser Leben gebettelt"Foto: D. Giessen

Der legendäre Doppelmord auf der "Apollonia" – nach 22 Jahren bricht der Augenzeuge sein Schweigen

Der Fall ist unvergessen. Obwohl er sich vor mehr als 20 Jahren zugetragen hat. Über den Doppelmord auf der "Apollonia" wurde und wird noch heute reportiert und diskutiert wie über kaum ein zweites Yachtsport-Drama. Die ARD schlägt in der medialen Berichterstattung darüber nun ein neues Kapitel auf.

Am 8. März um 21.45 Uhr sendet Das Erste eine Rekonstruktion der Horror-Reise. Die Folge aus der Reihe "Die großen Kriminalfälle" trägt den Titel: "Mord in der Karibik — Die Todesfahrt der ,Apollonia&apos".

Die YACHT hat den Film vorab gesehen, zusammen mit einem ganz besonderen Betrachter: Michael Wunsch, der Augenzeuge, der das Massaker seinerzeit schwer verletzt überlebte. Wegen der bis heute nicht zurückgenommenen Morddrohung seitens des Täters hatte sich Wunsch in die Anonymität zurückgezogen und jahrelang keinerlei öffentliche Aussage gemacht. In der neuen YACHT (ab Mittwoch am Kiosk) bricht er jedoch sein Schweigen.

Wunsch kommentiert den Film, der das Grauen nachstellt, in aller Offenheit. Durch seine Beschreibungen wird vieles klarer: die Charaktere der Beteiligten, die unheilvolle Verkettung seemännischer und menschlicher Schwächen, die Eskalation an Bord, die wachsende Verzweiflung ("Wir haben um unser Leben gebettelt"), und schließlich der Ablauf der Tat. Der Augenzeuge konzediert auch gut 22 Jahre nach der Tragödie keine mildernden Umstände: "Das war Mord", sagt er, "ganz klar Mord."

  Die Yawl heute, nach aufwändigem Refit, in der KaribikFoto: F. Thomas
Die Yawl heute, nach aufwändigem Refit, in der Karibik

Aus Anlass dieser spektakulären Aussagen hat Klaus Hympendahl für die YACHT zudem das Schicksal des Schiffs recherchiert. Der wohl intimste Kenner des Falls — Autor der Chronik "Logbuch der Angst", das es bei Delius Klasing jetzt auch als Taschenbuch gibt — erfuhr, dass der Doppelmord noch keineswegs der Tiefpunkt im Dasein der ehemaligen "Wappen von Bremen" darstellt. Acht Jahre später sank sie im Hurrikan.

Dann verliebte sich ein amerikanischer Enthusiast in das Wrack, restaurierte es in zehnjähriger Arbeit und segelt heute damit in der Karibik. Die "Apollonia" ist noch immer für jede Menge Geschichten gut — schwer vorstellbar, dass irgendwo eine Yacht mit annähernd vergleichbarer Vita existiert.

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