Corona-KrisePetitionen gegen Hafensperrungen in Bayern und am Bodensee

Kristina Müller

 · 28.04.2020

Corona-Krise: Petitionen gegen Hafensperrungen in Bayern und am BodenseeFoto: YACHT/N. Krauss

Bootseigner wollen sich bei den Landesregierungen Gehör verschaffen. Denn man darf zwar segeln, doch der Zugang zu Booten ist aufgrund gesperrter Häfen verwehrt

Unter den Seglern am Bodensee und auf den bayerischen Seen herrscht großer Unmut über die Hafensperrungen aufgrund der dort geltenden Corona-Verordnungen. YACHT online hat bereits über einen Appell des Deutschen Segler-Verbands an das baden-württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport berichtet, in dem auf die Absurdität geltender Regeln verwiesen wird. Denn Wassersportler, die zur Ausübung ihres Sports auf dem Bodensee keinen Hafen benötigen, können aufs Wasser – die meisten Segler werden aufgrund gesperrter Häfen jedoch weiterhin daran gehindert.

Betroffene Segler wenden sich nun selbst mit einer Petition an den baden-württembergischen Minister für Soziales und Integration Manfred Lucha. Sie fordern darin eine Lockerung der Nutzung von Sportboothäfen.

"Es geht darum, dass wir am Bodensee eine sehr befremdliche Regelung bezüglich der Nutzung unserer Sportboote haben", berichtet Philipp Wolf, 38, aus Friedrichshafen. Er ist Initiator der Petition.

"Während unsere Freunde in Österreich und der Schweiz ihre Boote unter den gängigen Auflagen nutzen dürfen, ist in Deutschland eine mitunter sinnlose Regelung in Kraft: Man darf zwar das Boot ein- und auskranen – sich also im Hafen aufhalten und das Boot dort auch bewegen –, und man darf auch theoretisch den Bodensee befahren. Man darf nur nicht aus der Hafeneinfahrt rausfahren", erläutert Wolf. "Die Regelung ist einfach absurd, und ich denke, daher finden sich so viele Unterstützer."

Seit einigen Tagen kann man online auf der Plattform www.change.org an der Petition teilnehmen. Bereits über 2000 Betroffene haben das mit Stand 29. April gemacht.

"Uns alle frustriert, dass man derweilen von der Politik ignoriert wird, dass Verantwortlichkeiten zwischen Landrat und Stuttgart hin- und hergeschoben werden. Ebenso ist die Regelung nicht wirklich verständlich", berichtet Wolf, selbst Eigner einer derzeit nicht nutzbaren Joker in der Marina von Langenargen.

"Wir setzten uns dafür ein, hier schnellstmöglich eine sinnvolle Regelung zu erreichen und fordern von der Politik, den § 5a der Corona-Verordnung anzupassen. Es geht ja auch darum, in diesen schweren Zeiten mit Augenmaß Möglichkeiten des Ausgleichs für Bürger zu schaffen. Und wenn es irgendwo sicher ist mit genügend Mindestabstand, dann auf dem Wasser."

Eine weitere Petition gibt es von Seglern und Motorbootfahrern am Starnberger See, die sich an den Bayerischen Landtag und Ministerpräsident Markus Söder richtet. Segler und Motorbootfahrer argumentieren darin ähnlich wie am Bodensee:

"Inzwischen stellt sich die Frage, weshalb Menschen das SUP-Board nutzen, Kitesurfen oder im Kajak, Kanu und Ruderboot unterwegs sein dürfen, jedoch nicht Motorbootfahrer – und dazu jetzt noch Segler, denen der Zugang zu ihren Booten aufgrund gesperrter Häfen verwehrt wird? (...) Als Motorbootfahrer und Segler befindet man sich auf dem Wasser – und damit fernab überfüllter Parks oder sonstiger öffentlicher Einrichtungen mit etwaigen Gefahren der Infizierung für sich und andere. Die Abstandsregeln werden eingehalten, das Ansteckungsrisiko für andere Menschen sogar reduziert."

Über 1500 Unterschriften wurden hier bereits geleistet (Stand 29. April, 12:30 Uhr).

Meistgelesene Artikel