Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen in die Erdatmosphäre gelenkt werden und dort Gase zum Leuchten anregen. Häufiger Auslöser sind koronale Massenauswürfe (CME, Coronal Mass Ejection), Plasmawolken der Sonne , die nach ein bis drei Tagen auf die Erde treffen können. Sichtbar werden die leuchtenden Gase, wenn die geomagnetische Aktivität stark genug ist und es dunkel ist. Wichtig ist die Einordnung: Das Polarlicht ist nicht der „Sonnensturm“ selbst, sondern das sichtbare Zeichen, dass das Erdmagnetfeld gerade stark angeregt wird.
Wenn Polarlichter in Deutschland sichtbar sind, ist das ein klarer Hinweis auf erhöhte geomagnetische Aktivität. In dieser Woche wurde das Ereignis zeitweise als G4 auf der G-Skala eingestuft (Stufen G1 bis G5 für geomagnetische Stürme). G4 gilt als stark.
Übrigens: Diese Prozesse laufen das ganze Jahr. Es ist ein Mythos, dass es Polarlichter nur im Winter gibt. Es gibt sie immer, sie sind aber nicht immer zu sehen. Sichtbar werden sie nur, wenn der Himmel dunkel genug ist. In hellen Sommernächten kann die Aktivität vorhanden sein, ohne dass man sie mit bloßem Auge sieht.
Für Wassersportler besteht jedoch keine akute, direkte gesundheitliche Gefahr. Auf diese Weise betroffen sind nur Menschen, die sich außerhalb oder am Rand des natürlichen Schutzschilds der Erde aufhalten, wie Astronauten oder Flugpersonal wegen erhöhter Strahlenbelastung. Vielmehr sind die Gefahren eher sekundär, ergeben sich aus möglichen Störungen technischer Systeme, vor allem bei anspruchsvoller Navigation, nachts oder offshore.
So kann die GNSS-Satellitennavigation (GPS, Galileo) bei starker Aktivität ungenauer werden. Ursache ist die veränderte Ionosphäre, welche die Signalwege beeinflusst. Das kann sich als größere Positionsstreuung, kurzzeitige Aussetzer oder unplausible Sprünge zeigen. Auch der Kurzwellenfunk (HF) kann stärker betroffen sein, weil auch er von der Ionosphäre abhängt. UKW-Seefunk ist im Küstenalltag meistens nicht betroffen, weil UKW überwiegend Sichtfunk ist. Komplett ausschließen lässt sich eine Störung jedoch nie.
Auch der Kompass oder andere magnetische Sensorik, etwa Fluxgate-Sensoren, können gestört werden, denn bei geomagnetischen Stürmen können Magnetfeldschwankungen zunehmen. In der Praxis heißt das: Kursangaben können unruhiger werden, und eine kleine Abweichung kann im falschen Moment nerven, zum Beispiel bei Nachtansteuerungen oder in engem Fahrwasser. Allerdings liegen diese Abweichungen in unseren Breiten eher im Bereich der Deviation.
Ein Polarlicht ist kein Grund, in den Hafen zu flüchten. Es ist aber ein guter Anlass, die eigene Navigationsdisziplin zu überprüfen, vor allem wenn man sich stark auf Elektronik stützt.
Sinnvolle Vorkehrungen, wenn die Weltraumwetter-Warnstufe hoch ist oder die Navigation anspruchsvoll wird (und die ohnehin immer gelten sollten):
• GNSS-Position plausibilisieren: Radar, Peilungen, Tiefen, Tonnenbild und Log/Lot aktiv zum Gegencheck nutzen, statt nur dem Plotterpunkt zu folgen.
• Kursquellen vergleichen: Magnetkompass, elektronischer Kompass, Kurs über Grund aus GNSS. Bei Abweichungen konservativ navigieren und lieber früher korrigieren.
• Kommunikation redundant denken: Wer offshore fährt oder Kurzwelle nutzt, sollte bei starken Ereignissen Alternativen einplanen.
• Timing: Enge Reviere, Nacht, Starkwind und viel Verkehr sind ohnehin „Fehlerverstärker“. Wenn dann noch Technik unzuverlässiger wird, kann ein konservativer Plan sinnvoll sein.
Für den Bordalltag sind Apps vor allem dann sinnvoll, wenn sie Push-Warnungen liefern und die wichtigsten Kennzahlen verständlich darstellen.
Polarlichter sind in erster Linie schön und bedeuten keine unmittelbare Gefahr. Bei vorhergesagten starken Sonnenstürmen sollte jedoch besonders aufmerksam navigiert werden.