Gute Wetterdaten bilden das Fundament für die Sicherheit auf See und eine entspannte Törnplanung. Abseits der großen Allrounder bieten spezialisierte Apps hochauflösende Modelle für lokale Reviere oder komplexe Routing-Berechnungen direkt auf dem Tablet. Unübersichtliche Abo-Modelle und komplizierte Funktionen verkomplizieren jedoch häufig die Suche nach dem passenden System.
Da ein richtiger Praxistest aller verfügbaren Apps und ihrer Funktionen nur schwer umsetzbar ist, haben wir uns auf die Analyse der App-Funktionen und die Auswertung von App-Store-Bewertungen konzentriert. Dieser Überblick soll Ihnen dabei helfen, die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme besser einzuschätzen und die passende Wahl für Ihre persönlichen Anforderungen und Budget zu treffen. Der folgende Überblick stellt die leistungsfähigsten Apps für die Segelsaison 2026 vor.
Insbesondere Segler in dänischen Gewässern sollten die App des nationalen schwedischen Wetterdienstes DMI auf dem Schirm haben. Ihr Kern ist das ultra-lokale „HARMONIE“-Modell mit einer Gitterauflösung von nur 2,5 Kilometern, welches Windeffekte zwischen den Inseln präzise erfasst. Sehr hilfreich sind auch die stündlichen Strömungskarten unter dem Menüpunkt „Hav“ sowie die zentimetergenauen Wasserstandsvorhersagen für die Häfen. In der Anwendung wird die konsequente Sprachbarriere kritisiert, da die App ausschließlich auf Dänisch verfügbar ist. Der Dienst ist als staatliches Angebot kostenlos und dezent werbefinanziert.
In deutschen Küstengewässern kann die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes eine wichtige Rolle in der Vermeidung von Schwerwetter spielen. Die Kernkompetenz liegt in den amtlichen Warnungen vor Sturm oder Gewittern, die per Push-Nachricht direkt auf das Endgerät gelangen. Praktisch sind auch die offiziellen Seewetterberichte im bewährten Textformat. Die Anwendung bietet eine hohe Zuverlässigkeit für die deutsche Nord- und Ostseeküste. Mit einem einmaligen Betrag von 2,49 € für die Vollversion ist die App eine preiswerte Investition in die Sicherheit an Bord.
LuckGrib ist speziell für den Einsatz unter schwierigen Bedingungen via Satellitenverbindungen wie Iridium GO! optimiert. Technisch punktet die App durch extrem kleine Datenpakete, was Zeit und Kosten bei Satelliten-Verbindungen spart. Zudem bietet LuckGrib ein sehr flexibles Routing: Der Skipper kann der App genau vorgeben, wie bestimmte Hindernisse oder Inseln umfahren werden sollen, anstatt nur einem starren Vorschlag zu folgen. Ein wesentlicher Unterschied zu vielen Wettbewerbern ist das nutzerfreundliche Preismodell: Anstelle laufender Abonnements zahlt man hier nur einmal. Die Basis-App für den GRIB-Datenzugriff kostet 34,99 Euro. Hinzu kommen das Weather-Routing für 69,99 Euro sowie das Offshore-Modul für Satellitendaten-Downloads für weitere 69,99 Euro. Wer das Gesamtsystem für den weltweiten Einsatz inklusive Routing erwerben will, zahlt somit einmalig rund 175,00 Euro. Zu beachten ist, dass die Versionen für iOS und Mac separate Käufe erfordern.
Meteoblue ist eine Wetter-Anwendung, die für detaillierte Datenanalysen und den Vergleich verschiedener Prognosen genutzt wird. Die App wertet die Daten von über 40 verschiedenen Wettermodellen aus und berechnet daraus den „Predictability Index“. Dieser zeigt in Prozent an, wie verlässlich die Windvorhersage für den Tag ist, was besonders beim Erkennen von instabilen Wetterlagen hilft. Für Segler sind zudem die Diagramme nützlich, die Winddaten direkt mit der Wellenhöhe und der Wellenperiode kombinieren. Ein Kritikpunkt ist die unübersichtliche Menüführung, da viele Funktionen speziell auf die Luftfahrt ausgerichtet sind. Auch das Abomodell ist zweigeteilt: In der App zahlt man 6,99 € pro Jahr nur für die Werbefreiheit, während das umfassende Profi-Paket (point+) ein separates Abonnement für die Website ist. Seit Juni 2024 gehört der Dienst mehrheitlich zu Windy.com, wird aber als eigenständiges Tool weitergeführt.
Die von Météo Consult betriebene App eignet sich vor allem für Törns in europäischen Gewässern, insbesondere an den französischen Küsten und im Mittelmeerraum. Das Herzstück ist ein hauseigenes, hochauflösendes Modell mit einer Gitterauflösung von nur einem Kilometer, das lokale Windphänomene deutlich präziser abbildet als globale Modelle. Neben klassischen Wind- und Wellenprognosen liefert die Anwendung detaillierte Informationen zu Häfen, Ankerplätzen und spezifischen Küstenrisiken. Während eine 24-Stunden-Vorschau der interaktiven Karten kostenlos zugänglich ist, erfordern tiefergehende Analysen und personalisierte Warnfunktionen das Zen-Abonnement für 5,99 € pro Monat. Segler schätzen die App für ihre hohe Verlässlichkeit in küstennahen Zonen, weisen jedoch darauf hin, dass die volle Funktionalität primär für den europäischen Raum optimiert ist.
Als moderner, plattformübergreifender Newcomer schließt NavimetriX die Lücke zwischen den Betriebssystemen. Die Anwendung läuft mit einem zentralen Account identisch auf Android, iOS, Windows und Mac, wobei alle Routen und Einstellungen automatisch über die Cloud synchronisiert werden. Technisch basiert NavimetriX auf den bewährten Algorithmen von SailGrib und Weather4D, bietet jedoch eine zeitgemäße Benutzeroberfläche inklusive Autopiloten-Schnittstelle und aktiver AIS-Kollisionswarnung. Beim Kartenmaterial nutzt der Dienst offizielle Raster- und Vektorkarten via GeoGarage. Das Preismodell ist zweigeteilt: Die Premium-App kostet etwa 80 € pro Jahr, zuzüglich der Seekarten-Abos für je 30 bis 60 €, wodurch sich die Gesamtkosten auf jährlich 110 € bis 140 € belaufen.
In einer Ära hochauflösender Wettergrafiken stellt PocketGrib eine funktionale Alternative dar, die ihren Wert vor allem im optimierten Datenverbrauch beweist. Während grafikintensive Anwendungen bei schwachen Mobilfunkverbindungen (2G/Edge) oft an ihre Grenzen stoßen, ermöglicht PocketGrib den gezielten Download kompakter GRIB-Dateien (kompakt formatierte meterologische Daten). Segler können dabei Parameter wie Wind, Luftdruck, Wellenhöhe oder CAPE-Werte für ein exakt definiertes Gebiet anfordern. Nach dem Download fungiert die Anwendung als verlässlicher Offline-Viewer für die stundenweise Prognose-Analyse. Kritisiert wird das seit Jahren unveränderte Design sowie das Fehlen moderner Lokalmodelle und Plotter-Funktionen. Dennoch gilt die App in der Community als unverzichtbare Rückfallebene für Situationen mit instabiler Internetverbindung. Das Preismodell ist nutzerfreundlich: Für eine Einmalzahlung von 6,99 € (iOS) bzw. 2,99 € (Android) wird dauerhafter Zugriff auf die GRIB-Server ohne Abonnement gewährt.
PredictWind ist eine leistungsfähige Wetter-App, die in der Vollversion bis zu elf verschiedene Prognosemodelle nutzt. Die Software bietet präzises Weather Routing und einen Abfahrtsplaner, um die sicherste Route auf Basis der Schiffspolaren zu ermitteln. Technisch ist sie für die schmalbandige Datenübertragung via Satellit (z. B. Iridium) optimiert. Da die Bedienung komplex ist und die Profi-Features teure Abos erfordern, wirkt das System für die reine Küstennavigation oft überdimensioniert. Das günstigste Einstiegs-Abo (Basic) für ca. 29,00 € pro Jahr bietet lediglich grundlegende Wettervorhersagen ohne Routing-Funktion. Professionelles Weather Routing und der Abfahrtsplaner sind erst ab dem Standard-Abo für ca. 274,00 € jährlich verfügbar; die Professional-Version kostet rund 499,00 €.
SailGrib WR gilt als eine der leistungsfähigsten Lösungen für technisch versierte Android-Nutzer. Die App verfolgt einen konsequenten Offline-Ansatz, bei dem das Weather-Routing direkt auf dem Endgerät berechnet wird, was die Unabhängigkeit von externen Servern und die Sicherheit auf hoher See erhöht. Die Software ist gezielt für den schmalbandigen Datenabruf via Satellitensystemen wie Iridium GO! optimiert. Sehr praktisch ist ebenfalls die offizielle Navionics-Schnittstelle, die es ermöglicht, vorhandene Kartenabonnements ohne Zusatzkosten direkt in die Anwendung zu spiegeln. Über NMEA-Gateways ist zudem die Integration von Live-Instrumentendaten und AIS-Zielen möglich. Das Preismodell mit einem Jahres-Abo für 45,99 € oder einer lebenslangen Lizenz für 139,00 € wird als fair bewertet.
Was der DMI für Dänemark leistet, übernimmt das SMHI für schwedische Gewässer. Die App bietet eine dedizierte Sektion für Seewetter („Sjöväder“), die gezielt auf die Bedingungen in den Schären zugeschnitten ist. Technisch nutzt der Dienst das hochauflösende „AROME“-Modell, welches lokale Winde sowie Geländestrukturen detaillierter berücksichtigt als internationale Anwendungen. Zusätzlich liefert das SMHI offizielle Küstenwarnungen und präzise Daten zum Wasserstand, was gerade für das Navigieren im Schärengarten nützlich sein kann. Als staatlich finanzierter Dienst ist die App vollständig werbe- und kostenfrei.
Squid Mobile hat sich als leistungsfähige und zugleich einfach zu bedienende Routing-App etabliert, die professionelle Grib-Daten für jedermann zugänglich macht. Die Anwendung bietet eine kostenlose Basisversion, die jedoch nur grobe Modelldaten mit kurzer Vorhersagedauer anzeigt und auf die Routing-Funktion verzichtet. Der eigentliche Funktionsumfang wird erst durch regionale Datenpakete freigeschaltet.
So kostet das hochauflösende Europa-Paket inklusive Routing aktuell 33,99 Euro pro Jahr, wobei auch flexible Zeiträume wie Wochen- oder Monatsabos für kurzzeitige Törns zur Verfügung stehen. Während Wettbewerber oft externe Programme oder Tabellen für die Anpassung der Bootseigenschaften benötigen, lassen sich die Werte bei Squid Mobile direkt in der App-Oberfläche editieren. Das erlaubt den Nutzern, die Performance-Daten ihrer Yacht einzusehen, um noch präzisere Routing-Ergebnisse zu erhalten. Die App ist neben den mobilen Versionen für Android und iOS auch als Desktop-Variante für Windows und Mac verfügbar, was eine nahtlose Planung zwischen Kartentisch und Cockpit ermöglicht.
Was SailGrib für Android leistet, übernimmt Weather4D als technologisch führende Lösung für die iOS-Welt. Die App fungiert bei Bedarf als vollwertiger Kartenplotter und geht damit über reines Routing hinaus. Ein interessante Funktion ist die Simulationsfunktion, mit der Skipper geplante Törns virtuell abfahren können, um Wetterfenster präzise einzuschätzen. Die Darstellung ist im Apple-Ökosystem elegant umgesetzt. In Rezensionen wird häufig die komplexe Preisgestaltung thematisiert: Neben dem Einmalkauf der Routing-Version für 37,99 € fallen jährlich Kosten für hochauflösende Wetterdaten (ca. 38,00 €) sowie für das Kartenmaterial (30 bis 60 €) an. In der Praxis summieren sich die Kosten im ersten Jahr dadurch oft auf über 100 €.
Für den schnellen Abgleich der Bedingungen im Cockpit bleibt Windfinder ein verlässliches Werkzeug. Die Stärke der App liegt in den präzisen Echtzeitdaten, die über ein engmaschiges Netz globaler Messstationen generiert werden. Während der „Superforecast“ eine stündlicher Vorhersage bietet, ist die Anwendung für die großräumige Wetterplanung auf See nur bedingt geeignet, da ihr Fokus auf einzelnen Orten liegt. Kritisiert wird vor allem die präsente Werbung in der kostenlosen Variante sowie die unübersichtliche Differenzierung zwischen den Versionen „Plus“, „Free“ und der veralteten „Pro“. Das werbefreie Plus-Abo ist für 12,99 € im Jahr erhältlich.
Windy.com hat sich durch die anschauliche grafische Aufbereitung von Wetterdaten als Standard auf vielen Yachten etabliert. Besonders die flüssigen Partikel-Animationen ermöglichen es dem Skipper, Wind- und Wellenbewegungen intuitiv zu erfassen. Ein wesentlicher Vorteil für die Törnplanung liegt im Modell-Vergleich: Über die „Compare“-Funktion lassen sich Vorhersagen von ECMWF, GFS, ICON und AROME direkt gegenüberstellen. Aktuelle Erweiterungen erlauben außerdem die Routenplanung entlang eines manuell gezeichneten Kurses. In den Nutzerkommentaren stößt meist die restriktive Preispolitik auf Kritik, da die Gratis-Version lediglich Drei-Stunden-Intervalle bietet und die präzisere Einstunden-Vorhersage zahlenden Premium-Kunden vorbehalten bleibt. Das Abonnement schlägt jährlich mit etwa 26,00 € zu Buche.
Die App des norwegischen Wetterdienstes eignet sich gut, um lokale Wetterbedingungen zu erfassen. Ihr großer Trumpf ist das sogenannte Meteogramm, eine übersichtliche Kurvengrafik, die Wind, Luftdruck und Niederschlag präzise visualisiert. Besonders die Regen-Prognose gilt als eine der zuverlässigsten am Markt. Ein massiver Pluspunkt ist zudem, dass Yr komplett kostenlos und ohne störende Werbung auskommt. Da keine Windfelder angezeigt werden, liefert die App lediglich Punktvorhersagen für bestimmte Orte, was voraussetzt, dass der Nutzer seine Position oder den Zielhafen genau kennt.