Eiszeit im RevierWenn Häfen, Seen und Küsten zur Winterkulisse werden

Lars Bolle

 · 02.02.2026

Ein Segelboot liegt vor dem Hafen Kirchdorf zwischen der Insel Poel und der Ostsee im Eis.
Foto: dpa/pa
​Strenger Frost hat viele Gewässer in Deutschland fest im Griff, verwandelt vertraute Reviere in eine stille Eislandschaft. Der Winter zeichnet plötzlich Linien und Strukturen, die man im Sommer nie sieht. Unsere Fotostrecke zeigt die schönsten Motive dieser kurzen, spektakulären Zwischenwelt, wo das Wasser für einen Moment stillsteht.

​Wenn strenger Frost Buchten, Kanäle und Seen mit einer dünnen, milchigen, teil glänzenden Haut überzieht, wirken die Wasserflächen Deutschlands plötzlich wie neue Reviere. Manchmal hängt Nebel wie ein Vorhang über dem Eis, manchmal taucht die Wintersonne die Kälte in ein tiefes Blau oder rot-orangene Töne. Es entstehen Motive einer entrückt wirkenden Welt.

Für Segler und Motorbootfahrer ist diese Eiszeit mehr als nur Saisonpause. Häfen werden zur Bühne aus Pfählen, Stegen und vertäuten Booten, die eingefroren auf ihren Liegeplätzen warten. In geschützten Becken friert das Wasser zuerst zu, während draußen noch dunkle Bahnen offen bleiben. Und selbst dort, wo die Oberfläche geschlossen wirkt, erzählt sie in Strukturen: Windfahnen im Schnee, gefrorene Spritzkanten, kristalline Muster um Dalben, Bruchlinien wie mit dem Messer gezogen.

An der Küste, etwa an der Ostsee, zeigt der Winter sein eigenes Gesicht: Schnee liegt auf dem Strand wie Schaum, vereiste Buhnen wirken wie Zähne im Wasser, und in Bodden-, Förde- oder Fjordrevieren schieben sich Schollen gegeneinander. Im Binnenland verwandeln sich Flüsse und Seen in helle Ebenen, in denen sich Uferlinien, Inseln und Steganlagen wie mit dem Lineal abheben; auf großen Revieren, etwa der Müritz, entsteht aus der Höhe ein faszinierendes Mosaik aus Grau, Weiß und dunklen Adern.

So verlockend diese Kulisse ist: Eis bleibt tückisch. Strömung, Zuflüsse, Brücken und Schilfkanten sorgen dafür, dass Tragfähigkeit nie überall gleich ist. Wer fotografiert oder spazieren geht, bleibt besser am Ufer, hält Abstand zu dunklen Stellen und verlässt sich nicht auf Fußspuren. Das schönste Winterbild ist kein Risiko wert.

Unsere Fotostrecke nimmt Sie mit in diese frostige Zwischenwelt, erzählt von spiegelglatten Flächen bis zu zerbrochenen Schollen, von Nebelstimmung bis Sonnenkälte.

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