EU-ParlamentSportbootrichtlinie neu geregelt

Alexander Worms

 · 13.10.2013

EU-Parlament: Sportbootrichtlinie neu geregeltFoto: YACHT/M. Naujok

Der Volksmund nennt sie CE-Norm, sie tritt nun überarbeitet in Kraft. Kern der Änderungen sind Abgaswerte und Entwurfskategorien

Ab 2014 müssen alle neuen Bootsmotoren einer anderen Abgasrichtlinie entsprechen. Sie ist an die als streng geltenden amerikanischen TIER-III-Regelungen angepasst. „Endlich ist die Initiative durch das Parlament und kann jetzt noch in diesem Jahr in Kraft treten. Durch die Harmonisierung mit den USA können die Hersteller weltweit ein und denselben Motor anbieten. Das reduziert den logistischen Aufwand", so Robert Marx, Importeur für Yanmar-Motoren und Vorsitzender der European Boatbulding Industry, des europäischen Branchenverbandes, der federführend an der Überarbeitung mitgewirkt hat.

Die in der neuen Direktive geforderte Abgasreinigungsanlage ist dabei keineswegs ein Katalysator oder Partikelfilter, in einem nassen Auspuffsystem schwerlich vorstellbar, sondern, so Marx, bereits in Form von Abgasrückführung und Ähnlichem in die Motoren integriert. Die geforderten Grenzwerte erfüllen die am Markt befindlichen Motoren zum großen Teil bereits heute. Es ändert sich also nicht viel. Auch nicht für Eigner älterer Motoren: „Da besteht natürlich Bestandsschutz", so Marx

Ebenso angepasst wurde der Begriff Antriebsmotor. Er wurde weiter gefasst, um in Hybridsystemen auch die dort verwendeten Verbrennungsmotoren mitzuberücksichtigen. Logisch, denn schließlich sollen ja auch die verwendeten Stromerzeuger, auch wenn sie nicht direkt für den Antrieb gedacht sind, möglichst saubere Abgase in die Umwelt pusten.

Sonderregelungen, wie etwa für den Bodensee, bleiben weiterhin bestehen, sollen aber mithilfe der EU-Kommission europaweit harmonisiert werden.

Verwirrende Bezeichnung geändert

Auf Wunsch des Parlaments wurden neben der Abgasrichtlinie auch die Entwurfskategorien angepasst. Sie geben an, für welche Bedingungen ein Boot konstruiert wurde. So besagt die Kategorie A, dass das Fahrzeug bis Windstärke acht oder mehr und vier Meter hohe Wellen, nicht aber in extremen Wetterbedingungen wie Sturm zu funktionieren hat. So setzt sich die Regelung bis zur Kategorie D fort, die bis zu Windstärke vier und 0,3 Meter hohen Wellen unbeeinträchtigt fahren können muss.

Was das Parlament verwirrend fand, war die namentliche Bezeichnung der Kategorien (A = Hochsee, B = außerhalb von Küstengewässern, C = küstennahe Gewässer, D = geschützte Gewässer). Um diese Verwirrung zu reduzieren, so das Parlament, sei es besser, die Kategorien fortan ohne die namentliche Einordnung zu verwenden. Die Kategorien heißen nun also nur noch A, B, C und D. Die Bedingungen, die den Einteilungen zugrunde liegen, bleiben indes dieselben. Ob der Wassersportler jetzt mehr über die konstruktiven Fähigkeiten seiner Yacht weiß, nun da eine Einordnung jenseits eines einfachen Buchstabens gänzlich fehlt, muss sich erst noch zeigen.

Weitere Regelungen im Detail

So wurde etwa bestimmt, dass Backskisten, in denen Behälter für Ottokraftstoffe gelagert werden, also zum Beispiel der Kanister für das Dingi, belüftet sein müssen.

Auch die Definition des Begriffs "Sportboot" wurde mit größer als 2,5 und kleiner als 24 Meter genau definiert.

Außenborder müssen mit einer Not-Stopp-Leine ausgerüstet sein. In Deutschland nichts Neues, in anderen EU-Staaten allerdings schon.

Sportboote müssen einen leicht zugänglichen Stauraum für Rettungsmittel in ausreichender Anzahl für die an Bord maximal zugelassenen Personen aufweisen. Das klingt sinnvoll, wird aber auf offenen Segeljollen, wie etwa einem Laser, der definitionsgemäß ein Sportboot ist, schwierig.

Wer diese und weitere Änderungen in echtem „Europäisch" lesen möchte, findet den Entwurf, der mittlerweile vom Parlament angenommen wurde, hier.

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