Segel-App BluecruiseGroßer Funktionsumfang zum kleinen Preis

David Ingelfinger

 · 28.06.2026

Die Software von Bluecruise kombiniert die geplante Route mit aktuellen Wetterdaten auf dem Bildschirm.
Foto: A. Fritsch/YACHT
Die neue Segel-App Bluecruise vereint die Funktionen mehrerer Apps auf nur einer Plattform. Neben automatischem Routing sollen auch Fahrtenbuch, Wetterdaten, Ankerwacht und die Darstellung von Leistungsanalysen in einer Software zusammenlaufen.

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Wer das Smartphone als eigenständiges Werkzeug für den seglerischen Alltag verwenden möchte, merkt schnell, dass man in ein Wirrwarr unterschiedlicher App-Anbieter gerät: Eine App zeigt das Wetter, die nächste dient als Ankerwacht oder zur Navigation. Bluecruise soll nun mehrere Funktionen in einem Programm vereinen. Die Anwendung ist im Google Play Store für Android-Geräte verfügbar. Die Version für Apple soll demnächst folgen. Für einen Jahrespreis von 23,99 Euro bietet die App einen beachtlichen Funktionsumfang - zumindest auf dem Papier.

Mehrere App-Funktionen integriert

Die eigentliche Stärke von Bluecruise liegt in der konsequenten Verknüpfung von Datenquellen, die sonst getrennt voneinander verwaltet werden. Der Startbildschirm liefert eine Übersicht über die aktuelle Position, die geplante Route samt integrierter Wettervorhersage für jeden Wegpunkt, nahegelegene Häfen und andere Nutzungen. Über ein festes Hauptmenü am unteren Bildschirmrand können Skipper schnell zwischen den Kernbereichen wechseln. Die Anwendung ist mit verschiedenen Werkzeugen ausgestattet, die von digitalen Spielereien bis hin zu nützlichen Segel-Tools reichen.

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Neben einem automatischen Logbuch, Wartungslisten für Reparaturen an Bord und einer GPS-basierten Ankerwacht mit SMS-Alarmfunktion steht laut der Entwickler auch ein Tool für 3D-Nachbildungen gefahrener Routen zur Verfügung. Das System soll zudem im Hintergrund die Segeleigenschaften des Bootes erfassen, um ein individuelles Polardiagramm zu erstellen. Eine Kamerafunktion mit integriertem Daten-Overlay sowie eine Übersicht skandinavischer SOS-Notrufnummern ist ebenfalls integriert. Über den Netzwerk-Reiter „Connect“ können sich Segler laut Hersteller in Gruppen organisieren und untereinander austauschen. Zudem sollen sich die erfassten Daten automatisch in der Cloud sichern und auf mehreren Endgeräten parallel synchronisieren lassen.

Handy-Messung statt feste Bord-Sensoren

Ein zentraler Unterschied zu einigen etablierten Systemen betrifft die Datenlage. Bluecruise besitzt keine NMEA-Schnittstelle und koppelt sich nicht mit den physischen Instrumenten an Bord wie dem Windmesser oder der Logge. Die Positionsbestimmung sowie die Erfassung von Geschwindigkeit über Grund und Kurs funktionieren über den GPS-Empfänger im Smartphone. Für den Fall, dass die Verbindung zum GPS verloren geht, hat der Entwickler einen GPS-Alarm integriert.

Spannend ist auch die Berechnung des individuellen Segelprofils, der sogenannten „Soft Polar“. Dabei nutzt die App ein statistisches Verfahren. Bluecruise gleicht die über GPS gemessene Schiffsgeschwindigkeit kontinuierlich mit online abgerufenen Wetterdaten ab. Aus dieser Kombination erstellt die App einen Datensatz, der über Zeit ein statistisches Leistungsmuster des Bootes darstellen soll. Wenn diese Funktion genug Genauigkeit mitbringt, um beispielsweise später verlässliche Ankunftszeiten für verschiedene Wegpunkte bei der Routenplanung zu erhalten, wäre das ein praktisches Tool, um Routen effektiver zu planen und besser mit dem Wetter in Einklang zu bringen.

Die Unbekannte beim Autorouting

In der kostenpflichtigen Premium-Version bietet die App auch eine Autorouting-Funktion an. Auf welcher Datengrundlage dieser Algorithmus arbeitet und wie das System automatische Routen vorschlagen kann ist jedoch nicht bekannt. Laut Hersteller nutzt sie keine zertifizierten Seekarten. Es liegt nahe, dass das System im Hintergrund auf freie Daten wie OpenSeaMap zurückgreift. Wie solche Systeme funktionieren können Sie hier nachlesen.

Bluecruise empfiehlt jedoch ausdrücklich, die App nur als Ergänzung zu bestehenden Systemen zu nutzen. Zuverlässige Navigationssysteme wie von Garmin oder C-Map kann die App also nicht ersetzen. Skipper können die Wegpunkte ihrer Route aber auch komplett manuell einstellen, sollten diese aber mithilfe offizieller Seekarten prüfen.

Bluecruise: Verfügbarkeit und Testphase

Die App ist voll funktionsfähig und hat bereits eine intensive Erprobungsphase hinter sich. Rund 20 dänische Segler testeten das System vor dem Release unter realen Bedingungen. Während Mitglieder der dänischen Klassenvereinigung „LM Klubben“ kostenfreien Premium-Zugang erhalten, zahlen externe Nutzer für das Abonnement eine Jahresgebühr von 23,99 Euro oder 4,99 Euro im Monat. Ein Preis, der durchaus konkurrenzfähig ist, wenn man bedenkt, dass man alleine für eine Logbuch- oder Anker-App zum Teil mehr Geld bezahlen muss. Ein guter Deal, sofern die versprochenen Systeme auch gut funktionieren.


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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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