RadarNeuer Prüfungssimulator für Berufs- und auch für Yachtskipper

Pascal Schürmann

 · 24.02.2026

Radar: Neuer Prüfungssimulator für Berufs- und auch für YachtskipperFoto: GDWS
Pottendichter Nebel: Prüfling am Schiffssimulator am Schiffer-Berufskolleg Rhein in Duisburg
Seit diesem Monat werden die für Berufsbinnenschiffer vorgeschriebene Radarprüfungen nicht mehr an Bord eines Binnenschiffs abgenommen. Stattdessen müssen die Prüfungskandidaten an einem Schiffssimulator zeigen, dass sie sicher mithilfe von Radar navigieren können. Die neue digitale Prüfungsmöglichkeit ist auch für Sportbootskipper spannend, die eine Radaranlage an Bord haben.

Die praktischen Prüfungen zum Erwerb der “besonderen Berechtigung für Radar” erfolgen im Schiffer-Berufskolleg Rhein in Duisburg, und zwar auf einem simulierten Schiff mit einer Länge von 33 Metern. Die Prüfungen werden einheitlich sowohl als besondere Berechtigung zum Unions-/Rheinpatent wie auch als Zusatzqualifikation zum Sportbootführerschein angeboten. Das teilt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) mit.

​Astrid Swieter, Leiterin des Dezernates Allgemeine Angelegenheiten der Binnenschifffahrt, Befähigungswesen in der GDWS, sagt: „Mit der Umstellung auf den Simulator gehen wir einen weiteren Schritt bei der Digitalisierung der Prüfungen. Damit erreichen wir gleich mehrere Ziele. Dazu zählen vor allem eine bessere Vergleichbarkeit aufgrund der vereinheitlichten Prüfungsbedingungen – ein simuliertes Schiff und eine fiktive Strecke. Und: Da kein reales Schiff mehr benötigt wird, werden Betriebsmittel eingespart und die Schiffsbesatzungen entlastet.”

Auch die Prüfung zum Kleinschifferzeugnis wird nun simuliert

Bisher waren die theoretischen Prüfungen für eine Radarberechtigung am jeweiligen Prüfungsstandort zu absolvieren. Die daran anschließende praktische Prüfung fand auf einem Schiff der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes auf der Elbe und dem Rhein statt. Auch die praktische Prüfung zum Erwerb des „Kleinschifferzeugnis für die kleine Fahrgastschifffahrt“ findet nun am Simulator auf dem neuen simulierten Prüfungsschiff statt, heißt es seitens der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

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Für Sportbootfahrer hat das Thema Radarnavigation in den vergangenen Jahren deutlich an Relevanz gewonnen. Das ist vor allem der technischen Entwicklung zu verdanken. Waren Radaranlagen für Sportboote in der Vergangenheit noch äußerst kostspielig, technisch anspruchsvoll und kompliziert in der Anwendung, sieht das inzwischen ganz anders aus. Yachtradaranlagen sind heutzutage erschwinglich, deutlich einfacher zu bedienen, und sie lassen sich in die schon vorhandenen Navigationssysteme an Bord integrieren.

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Warum Radar binnen und auf See wichtig ist

Worauf es dabei ankommt, wie man das Yachtradar bedient und welche Kniffe man dabei anwenden kann, um sich die Navigation zu erläutern, hat Experte Sven M. Rutter erst kürzlich in einem Artikel detailliert erklärt (hier gehts zum Artikel).

Im Küstenbereich sind noch vergleichsweise wenige Yachten mit Radaranlagen ausgestattet. Hier dominieren GPS, Plotter und AIS. Skipper von seegehenden Yachten setzen hingegen vermehrt auch auf die Radartechnik.

Und auch im Binnenbereich auf den großen Schifffahrtsstraßen, allen voran auf dem Rhein, sind Sportbootfahrer gut beraten, ihre Schiffe mit Radar auszustatten. Der dichte Verkehr mit schnellen Fahrgastschiffen, schwer manövrierbaren Güterschubverbänden und zahlreichen anderen Wassersportlern stellt moderne Freizeitskipper vor Herausforderungen, die mit traditioneller Navigation allein deutlich schwerer zu bewältigen sind.

Der Rhein als Autobahn für Frachter, Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Sportboote

Auf dem Rhein zwischen Mainz und Köln beispielsweise herrscht ein Verkehrsaufkommen, das durchaus mit stark befahrenen Autobahnen vergleichbar ist. Berufsschiffe mit Längen von über 100 Metern und Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h teilen sich das Fahrwasser mit Sportbooten, die oft nur halb so schnell unterwegs sind.

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Diese Geschwindigkeitsunterschiede führen nicht selten zu kritischen Situationen, besonders wenn Sichtverhältnisse durch Nebel, Regen oder die Dämmerung eingeschränkt sind. Hinzu kommen die komplexen Fahrwasserverhältnisse mit Brückenpfeilern, Buhnen und wechselnden Fahrrinnen, die bei Niedrigwasser zu zusätzlichen Navigationsproblemen werden.

Ein Sportboot, das unbeabsichtigt aus der Fahrrinne gerät, kann binnen Sekunden auf Grund laufen oder anderen Verkehrsteilnehmern gefährlich in die Quere kommen. Die hohen Bugwellen der Berufsschifffahrt verstärken diese Problematik zusätzlich und machen präzise Navigation zu einem sicherheitsrelevanten Aspekt.

Die Kombination von Radar und GPS-Plotter als Sicherheitsgewinn

Während das menschliche Auge bei dichtem Nebel bereits nach wenigen Metern versagt, erfasst das Radarsystem zuverlässig andere Verkehrsteilnehmer und Hindernisse in einem Umkreis von mehreren Kilometern. Die Kombination mit GPS-Plottern ermöglicht es, die Radardarstellung direkt über die elektronische Seekarte zu legen und so eine präzise Positionsbestimmung auch ohne Sichtkontakt zu Landmarken zu gewährleisten.

Besonders hilfreich ist die Fähigkeit zur Kollisionsvermeidung durch das Prinzip der stehenden Peilung. Bleibt die Peilung zu einem sich nähernden Ziel konstant, während sich die Entfernung verringert, besteht akute Kollisionsgefahr. Moderne Systeme visualisieren diese Situation durch Bewegungsvektoren und ermöglichen es dem Skipper, rechtzeitig zu reagieren. Bei Anlegemanövern in unbekannten Häfen unterstützt das Radar mittels präziser Entfernungsmessungen zu Kaimauern und anderen Hindernissen.

Rechtliche Verpflichtungen und Standards

Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) fordern in Regel 7b ausdrücklich, dass „eine vorhandene und betriebsfähige Radaranlage gehörig gebraucht werden" muss, einschließlich der Anwendung großer Entfernungsbereiche und systematischer Überwachungsverfahren. Diese rechtliche Verpflichtung bedeutet für Sportbootfahrer mit Radarausrüstung, dass sie das System nicht nur besitzen, sondern auch sachgerecht einsetzen müssen.

Regel 19 der KVR verschärft diese Anforderungen bei verminderter Sicht zusätzlich: Fahrzeuge müssen ermitteln, ob sich eine Nahbereichslage entwickelt oder Kollisionsgefahr besteht. Obwohl für Sportboote auf Binnenwasserstraßen noch keine generelle Ausrüstungspflicht besteht, empfehlen Berufsgenossenschaften und Wassersportverbände zunehmend die Radarausrüstung für Fahrten auf stark befahrenen Gewässern. Dazu zählen neben dem Rhein insbesondere auch stark befahrene Bereiche etwa auf der Mosel, der Elbe oder der Donau.

Spezielle Seminare in Radarnavigation für Freizeitskipper werden von diversen Sportbootschulen, Vereinen oder auch Bootsexperten angeboten. Ob man anschließend eine Prüfung beim WSA am Simulator ablegt, bleibt jedem selbst überlassen. Vorgeschrieben ist sie für Sportbootfahrer nicht. Dennoch könnte es in bestimmten Situationen, wie etwa im Falle einer Havarie, hilfreich sein, die eignen Fähigkeiten auch schwarz auf weiß nachweisen zu können.

Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

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