NavigationBritish Admiralty stellt gedruckte Seekarten ein

Navigation: British Admiralty stellt gedruckte Seekarten einFoto: Nico Krauss, Hamburg

Das Ende einer Ära: Das United Kingdom Hydrographic Office (UKHO) kündigte an, die British Admiralty Charts in der Papierversion bis 2026 vom Markt zu nehmen

Hintergrund ist nach Angaben des UKHO die sinkende Nachfrage nach Karten im Papierformat, während immer mehr Anwender die digitalen Versionen nutzen. „Wir möchten an vorderster Front der digitalen Transition stehen und Seeleuten weltweit die besten Navigations-Hilfen anbieten“, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Mit der Einstellung der Papierkarten könne man sich noch stärker auf die digitalen Ausgaben fokussieren. Unter anderem seien Updates der Karten nahezu in Echtzeit möglich.

Die British Admiralty Charts sollen nach und nach auslaufen, beginnend mit den Ausgaben, die am seltensten nachgefragt werden. Auch Karten in großem Maßstab fallen schon bald weg, denn diese verursachen nach Angaben des UKHO einen großen Pflegeaufwand. Ende 2026 soll es dann nur noch digitale Karten geben. Ebenfalls eingestellt werden soll der Print-on-demand-Service. „Wir geben den Nutzern ausreichend Zeit für die Umstellung und bieten Unterstützung an“, so die Behörde in ihrer Mitteilung.

Es habe in den letzten Jahren eine sinkende Nachfrage nach den Papierkarten gegeben, zum Teil begründet durch den Wechsel zu ECDIS (Electronic Chart Display and Information Systems), berichtet das UKHO weiter. Dieses digitale Navigations-System wird inzwischen im „Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See“ (engl. SOLAS) für die Berufsschifffahrt vorgeschrieben.

  Seekarten auf dem iPad oder Handy: Immer mehr Seefahrer navigieren digitalFoto: YACHT/A. Lindlahr
Seekarten auf dem iPad oder Handy: Immer mehr Seefahrer navigieren digital

BSH hat internationale Seekarten schon länger nicht mehr im Angebot

Das deutsche Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte bereits ab 2009 die Produktion von Papierkarten für internationale Gewässer schrittweise eingestellt. Nur heimische Reviere sind nach wie vor im Angebot. Auch in anderen europäischen Ländern ist diese Entwicklung zu beobachten. Während die vielbefahrenen Küstenreviere auch von privaten Karten-Anbietern gut abgedeckt werden, könnte es für Überfahrten über die Nord- und Ostsee oder sogar den Atlantik künftig schwierig werden, gedruckte Karten zu bekommen.

Freizeit-Kapitäne, die noch nicht auf digitale Anwendungen setzen wollen, bekommen aber auch nach 2026 noch Papierkarten, sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland. Gegenüber dem britischen Segel-Magazin „Yachting Monthly“ betonte der private Anbieter Imray, auch weiterhin gedruckte Versionen anbieten zu wollen. „Unsere Kernklientel sind die Freizeit-Schifffahrt und kleinere Fahrzeuge, die andere Bedürfnisse haben als die kommerzielle Schifffahrt, an die sich das Angebot des UKHO hauptsächlich wendet“, so eine Sprecherin.

In Deutschland werden gedruckte Seekarten auch weiterhin vom Delius Klasing Verlag und anderen Anbietern wie etwa NV und HanseNautic angeboten. Dabei ist das Angebot oft sogar größer und besser auf die Reviere zugeschnitten als bei den staatlichen Veröffentlichungen.

Die Karten der British Admiralty gelten weltweit als Standard für die Schifffahrt. Seit 1795 werden diese vom UK Hydrographic Office veröffentlicht. Im Gegensatz zu den meisten nationalen Einrichtungen, die sich schon länger auf Seekarten für die jeweiligen Heimatgewässer konzentriert hatten, bietet die British Admiralty immer noch Seekarten für die ganze Welt an.

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