Mega-Tsunami 2025481 Meter hohe Monsterwelle – Horrorszenario wie im Öko-Thriller

Christian Tiedt

 · 09.05.2026

Kalbender Gletscher im Tracy Arm Fjord in Alaska. | dpa/pa
Im August 2025 wurde durch einen Erdrutsch in den Tracy Arm Fjord in Alaska der zweithöchste jemals gemessene Tsunami ausgelöst: Die Monsterwelle brandete 481 Meter hoch. Was genau passierte, rekonstruierten nun Wissenschaftler - mit beunruhigendem Ergebnis.

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Der Tracy Arm Fjord an der Pazifikküste im Süden Alaskas ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe: Die Fahrt durch den gewundenen, rund 50 Kilometer langen Meeresarm, von steilen Bergen eingerahmt, mit der ins Wasser reichenden Gletscherzunge des South Sawyer Gletschers an seinem Ende gilt als spektakulär.

Ein Horrorszenario wie im Öko-Thriller

Um größer das Glück, dass am 10. August 2025 keines der mehrere Tausend Passagiere fassenden Schiffe vor Ort war - das folgende Naturereignis hätte sonst Folgen haben können, wie man sie nur aus fiktiven Öko-Thrillern kennt. Bis zu sechs von Ihnen besuchen den Fjord gewöhnlicherweise während der Sommersaison pro Tag.

Am frühen Morgen des Tages, um 5:26 Uhr, kam unvermittelt der nördliche Steilhang unterhalb der Gletschereinmündung ins Rutschen: Mindestens 64 Millionen Kubikmeter Geröll und Erde stürzten in einer gewaltigen Lawine in den Fjord. Die Erschütterung wurde als Erdbeben der Stärke 5,4 gemessen.

Die Monsterwelle rasiert die Berge kahl

Das so auf einen Schlag verdrängte Wasser bildete eine brechende Flutwelle von anfangs 100 Meter Höhe und einer Geschwindigkeit von 70 Metern pro Sekunde, die an der gegenüberliegenden Wand des Fjords bis auf eine Höhe von 481 Metern emporbrandete und jegliche Vegetation vom Fels rasierte.

Der Run-up, wie die Höhe der Brandungswirkung genannt wird, ist der zweithöchste jemals dokumentierte Wert: Der Rekord stammt aus dem Jahr 1958, als ein Tsunami unter ähnlichen Umständen in der Lituya Bay in Alaska 520 Meter Höhe erreichte.

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Klimawandel als Ursache ausgemacht

Die Rekonstruktion des aktuellen Ereignisses wurde von Wissenschaftlern der University of Calgary durchgeführt und im Magazin Science in einem Artikel veröffentlicht. Darin weißt das Forscherteam rund um den Geomorphologen Dan Shugar auch auf mögliche verstärkende Ursachen hin.

Demnach sei es wahrscheinlich, dass der durch den Klimawandel verursachte Rückzug des Gletschers eine Rolle gespielt habe. Ohne das Eis an ihrer Basis hätten die steilen Felsen eine wichtige Stütze verloren. Das habe den Hang entscheidend destabilisiert.

“Es wird ein nächstes Mal geben”​​

“Dass der Erdrutsch so früh am Morgen erfolgte, war unglaubliches Glück. Beim nächsten Mal - und es wird ein nächstes Mal geben - werden wir vielleicht weniger Glück haben”, sagte Shugar in Science.

Auch sich wenn sich glücklicherweise noch keine Kreuzfahrtschiffe im Fjord befanden, Zeugen des Ereignisses gab es dennoch: So wurden auf Schiffen vor der Mündung des Fjords, an der die Flutwelle “nur” noch eine Höhe von etwa zwei Metern hatte, starke Strömungen und ein Ansteigen des Wasserspiegels bemerkt.

Das Wasser spülte um die Zelte

Eine Gruppe von Kayak-Paddlern, die ihr Lager auf Harbor Island aufgeschlagen hatten, einer Insel vor der Mündung, wurde vom Wasser geweckt, dass um ihre Zelte spülte und ein Boot sowie fast die gesamte Ausrüstung mitriss.


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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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