Die Wahl der passenden Systems hängt stark vom persönlichen Bedarf und dem geplanten Einsatzgebiet ab. Wer die richtige App für gefunden hat, muss sich meist durch eine komplizierte Preisstruktur kämpfen. Spezielle Funktionen wie die Offline-Kartennutzung, das automatisierte Wetter-Routing oder die Überwachung von Schiffsdaten sind nicht für jeden Eigner gleichermaßen relevant. Zudem unterscheidet sich der Funktionsumfang der Apps je nach gewähltem Abo-Modell. Die folgende Übersicht der wichtigsten Apps für Navigation und Sicherheit soll Orientierung bieten.
Die App Navionics Boating zählt zu den am weitesten verbreiteten Apps für die nautische Navigation auf dem Markt. Als Teil des Garmin-Konzerns kann der Dienst auf großen Pool an Nutzerdaten zurückgreifen, was die Genauigkeit einiger Funktionen erhöht. Besonders hervorzuheben sind dabei die „SonarCharts HD“. Mit Tiefenlinien in einem 0,5-Meter-Raster bieten sie eine sehr hohe Genauigkeit. Ergänzt wird das Paket durch professionelle Funktionen wie das „Auto Guidance+”-Routing, Relief-Shading zur plastischen Darstellung des Meeresbodens und eine umfassende AIS-Integration.
Da die App in gewissen Abständen eine Online-Bestätigung verlangt, kann dies den Zugriff auf das bereits heruntergeladene Kartenmaterial auf offener See einschränken. Zudem ist die Funktionalität stark an das laufende Abonnement gebunden: Endet der Zeitraum, führt dies zum unmittelbaren Verlust zentraler Funktionen und Werkzeuge. Preislich setzt Navionics für die Saison 2026 auf regionale Pakete, wobei das Abonnement für die Ostsee bei jährlich 49,99 € liegt, während für das umfassendere Nordeuropa-Paket 99,99 € berechnet werden.
NV Charts verbindet Papierkarten und App-Nutzung: Mit dem Erwerb eines Kartenatlas ist der digitale Datensatz inklusive GPS-Navigation für ein Jahr kostenfrei enthalten. Die App ermöglicht dabei den nahtlosen Wechsel zwischen der klassischen Raster-Optik, die dem gewohnten Papierbild entspricht, und modernen Vektorkarten. Zum Funktionsumfang gehören ein europaweites Autorouting, Echtzeit-Layer für Gezeitendaten sowie eine Augmented-Reality-Funktion zur Identifizierung von Seezeichen im Kamerabild. Nutzer berichten jedoch gelegentlich von Instabilitäten, insbesondere auf älteren Android-Endgeräten, sowie von langen Ladezeiten der hochauflösenden Rasterkarten. Wer auf die gedruckten Karten verzichten möchte, kann ein rein digitales Abonnement für 49,90 € pro Jahr abschließen, welches für jeweils eine ausgewählte Region gültig ist.
Orca verknüpft die Rechenleistung von Mobilgeräten mit spezialisierter Hardware. Das System nutzt Vektor-Karten, die ein verzögerungsfreies Zoomen und Verschieben der Karten ermöglicht. Während das Plus-Paket (49 €/Jahr) weltweite Offline-Karten bietet, schaltet erst die Smart Navigation (149 €/Jahr) das wetterbasierte Routing sowie die AIS- und Instrumenten-Integration frei. In Verbindung mit dem optionalen Orca Core (549 €) wird das Tablet zum vollwertigen Display inklusive Autopiloten-Steuerung. Das globale Preismodell wirkt für regionale Skipper oft überdimensioniert. Zudem führt eine Kündigung zum sofortigen Verlust aller Offline-Karten.
C-Map Boating positioniert sich als visuell ansprechende und oft kostengünstigere Alternative zum Marktführer Navionics. Hervorzuheben ist die „Reveal Shaded Relief“-Darstellung der App, die den Meeresboden beinahe fotorealistisch visualisiert. Für Eigner, die Systeme von B&G, Simrad oder Lowrance nutzen, bietet die App eine nahtlose Synchronisation von Routen und Wegpunkten mit dem Kartenplotter. Das Preismodell ist mit 29,99 € für ein regionales Abonnement oder 48,99 € für das weltweite Premium-Paket im Jahr 2026 günstiger als die Konkurrenz. Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft dänische Gewässer: Aufgrund von Lizenzrestriktionen erlaubt die App dort häufig keine Offline-Speicherung der Karten, was bei einem Ausfall der Mobilfunkverbindung die Navigation erschwert. Während die Stabilität unter iOS gelobt wird, berichten Android-Anwender gelegentlich von verzögerten Ladezeiten.
Aqua Map legt den Schwerpunkt auf die Integration von Bord-Hardware und amtlichen Geodaten. Über ein Schnittstellen-Modul verarbeitet die App NMEA 0183- sowie Signal-K-Daten via WLAN und blendet AIS-Ziele inklusive Kollisionswarnungen in das Kartenbild ein. Ein zentrales Funktionsmerkmal ist der „Route Explorer“, der geplante Routen auf Hindernisse und Brückenhöhen scannt. Für die Überwachung vor Anker bietet das System einen Fern-Alarm, der Positionsdaten und Warnungen per Telegram oder E-Mail an mobile Endgeräte übermittelt. In Nordamerika ermöglicht die App zudem den Zugriff auf detaillierte USACE-Vermessungsdaten. Die jährlichen Kosten für ein Paket aus regionalen Seekarten und den erweiterten Funktionen liegen je nach Revier bei etwa 30-40 Euro.
Savvy Navvy bündelt Seekarten, Wetterdaten des ECMWF-Modells sowie Gezeiten- und Strömungsinformationen in einer intuitiven Benutzeroberfläche. Das integrierte Routing berechnet automatisch den optimalen Vorhaltewinkel („Course to Steer“), was besonders Gelegenheitsseglern die Planung erleichtert. In den Nutzerkommentaren wurde angemerkt, dass der Routing-Algorithmus Kurse teils sehr nah an Kaps oder Untiefen plant; eine manuelle Kontrolle der Route bleibt daher unerlässlich. Viele Nutzer kritisieren außerdem den hohen Energiebedarf der App durch die permanenten Hintergrundberechnungen. Das „Explore“-Paket inklusive weltweiter Offline-Karten kostet 144,99 € pro Jahr, während die „Elite“-Version für 189,99 € zusätzliche AIS-Overlays und NMEA-Anbindungen bietet. Man sollte jedoch darauf achten das man für die Karten in Dänemark einen Aufpreis auf da jeweilige Abo-Modell zahlen muss.
Die WinGPS App richtet sich an Skipper, die die Ästhetik der klassischen Papierkarte schätzen und diese digital auf dem Tablet oder Smartphone nutzen möchten. Als funktionaler Begleiter für die Navigation im Cockpit ermöglicht die App die Darstellung von Position, Kurs und Geschwindigkeit direkt auf dem vertrauten Kartenbild von Delius Klasing. Mit dem Kauf eines physischen Kartenatlasses, wird über einen Code der digitale Datensatz für die App freigeschaltet. Während die eigentliche App im Store kostenlos erhältlich ist, erfordert die professionelle PC-Software eine separate Lizenz, die einmalig zwischen 179 € und 419 € kostet.
In Nutzerberichten wird gelegentlich der komplizierte Aktivierungsprozess mittels physischer Codes sowie die organisatorische Trennung zwischen Software- und Kartenhersteller kritisiert. Dennoch bietet das System für Eigner, die bereits mit den Papierkarten von Delius Klasing oder Stentec arbeiten, eine konsistente digitale Erweiterung für den Einsatz direkt auf dem Wasser.
Für das Segeln in schwedischen Gewässern gilt Skippo als die wichtige Ergänzung. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist die Integration hochpräziser Hydrographica-Daten, die in vielen internationalen Seekartenwerken nicht enthalten sind. Für das Anlegen in Naturhäfen liefert die App spezifische Hinweise zu Felsenliegeplätzen inklusive einer Einschätzung des Windschutzes. Aufgrund der lokalen Detailtiefe ist Skippo das ein nützliches Tool für die Navigation in den Schärengärten. Während die reine Planung am PC kostenfrei ist, erfordert die mobile Navigation an Bord ein Abonnement.
Waterkaarten fungiert als spezialisierter Informationsdienst für die Binnen- und Küstengewässer Westeuropas und hat sich als vollwertiges Navigationstool etabliert. Die App ermöglicht eine präzise Routenberechnung unter direkter Berücksichtigung von Masthöhe, Tiefgang und Schiffsbreite. Ein technisches Kernmerkmal sind zudem die Live-Daten zu Brücken- und Schleusenöffnungszeiten, die zum Teil direkt über die Anwendung angefordert werden können. Die App konzentriert sich auf den Nordwesten (u. a. Niederlande, Deutschland, Frankreich, Dänemark). Für das Mittelmeer wird derzeit kein Kartenmaterial angeboten.
SailGrib WR verfolgt einen konsequenten Offline-Ansatz, bei dem das Weather-Routing direkt auf dem Endgerät berechnet wird. Dies erhöht die Unabhängigkeit von externen Servern und die Sicherheit auf hoher See massiv. Die Software ist gezielt für den schmalbandigen Datenabruf via Satellitensystemen wie Iridium GO! optimiert. Ein technisches Alleinstellungsmerkmal ist die offizielle Navionics-Schnittstelle, die es ermöglicht, vorhandene Kartenabonnements ohne Zusatzkosten direkt in die Anwendung zu spiegeln. So lassen sich präzise Tiefendaten mit komplexen Wind- und Wellenvorhersagen in einer Anzeige vereinen. Über NMEA-Gateways ist zudem die Integration von Live-Instrumentendaten und AIS-Zielen möglich. Als Kehrseite wird oft das nüchterne, funktionale Design sowie eine steile Lernkurve angeführt. Zudem bleibt die Anwendung weiterhin exklusiv für Android verfügbar. Ein Jahres-Abo ist für 45,99 € erhältlich. Eine lebenslangen Lizenz für 139,00 €. Seekarten müssen separat erworben werden, sofern kein bestehendes Navionics-Abo gespiegelt wird.
Was SailGrib für Android leistet, übernimmt Weather4D als technologisch führende Lösung für die iOS-Welt. Die App fungiert bei Bedarf als vollwertiger Kartenplotter und geht damit über reines Routing hinaus. Ein wesentliches Merkmal ist die Simulationsfunktion, mit der Skipper geplante Törns virtuell abfahren können, um Wetterfenster präzise einzuschätzen.
Die Darstellung im Apple-Ökosystem ist gewohnt elegant umgesetzt. Aufgrund der enormen Funktionstiefe erfordert das System jedoch eine intensive Einarbeitungszeit. Anwender kritisieren vor allem technische Instabilitäten sowie das unübersichtliche Abo-Modell: Neben dem Einmalkauf der Routing-Version für 37,99 € fallen jährlich Kosten für hochauflösende Wetterdaten (ca. 38,00 €) sowie für das Kartenmaterial (30 bis 60 €) an. In der Praxis summieren sich die Kosten im ersten Jahr dadurch oft auf über 100 €.
Als moderner, plattformübergreifender Newcomer schließt NavimetriX die Lücke zwischen den Betriebssystemen. Die Anwendung läuft mit einem zentralen Account identisch auf Android, iOS, Windows und Mac, wobei alle Routen und Schiffseinstellungen automatisch über die Cloud synchronisiert werden. Technisch basiert NavimetriX auf den bewährten Algorithmen von SailGrib und Weather4D, bietet jedoch eine zeitgemäße Benutzeroberfläche inklusive Autopiloten-Schnittstelle und aktiver AIS-Kollisionswarnung. Beim Kartenmaterial nutzt der Dienst offizielle Raster- und Vektorkarten via GeoGarage. Da die App erst Ende 2025 erschienen ist, können jedoch noch Kinderkrankheiten auftreten. Das Preismodell ist zweigeteilt: Die Premium-App kostet etwa 80 € pro Jahr, zuzüglich der Seekarten-Abos für je 30 bis 60 €. Die Gesamtkosten belaufen sich damit auf jährlich 110 € bis 140 €.
Für Wassersportler in deutschen Gewässern ist die SafeTrx-App der DGzRS ein unverzichtbares Sicherheits-Tool. Sie fungiert als direkte Schnittstelle zur Seenotleitung (MRCC Bremen) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Die App bietet zwei wichtige Funktionen: Im Ernstfall übermittelt ein roter Notruf-Button die exakte GPS-Position direkt an die Rettungsleitstelle, noch bevor das Gespräch aufgebaut wird. Für die passive Sicherheit sorgt die Tracking-Funktion. Der Skipper hinterlegt seine geschätzte Ankunftszeit (ETA) und die geplante Route. Wird diese Zeit ohne Rückmeldung überschritten, alarmiert das System automatisch einen privaten Notfallkontakt, der den Rettern Zugriff auf die letzte bekannte Position geben kann.
Die App ist komplett kostenlos. Wer die Grenze in die Niederlande überschreitet, findet in der App ‚KNRM Helpt‘ das exakte Gegenstück der königlich-niederländischen Rettungsgesellschaft. Sie bietet für das Nachbarrevier denselben kostenlosen Funktionsumfang und ist das offizielle Sicherheits-Tool für alle Wassersportler in den Niederlanden.
Anchor Pro (auf Android teilweise unter „Anchor Watch / Alarm“ geführt) ist die Empfehlung für Skipper, die eine zuverlässige Fernüberwachung ihres Ankerplatzes suchen. Das Prinzip ist simpel: Ein Gerät bleibt als Sender an Bord, während der Alarm bei einer Positionsveränderung per Telegram-Nachricht oder E-Mail auf das Smartphone an Land gesendet wird. Ein großer Vorteil der Telegram-Anbindung ist die hohe Zuverlässigkeit selbst bei schwachen Internetverbindungen. Die App kostet lediglich 6,99 € pro Jahr. Eine komfortable Alternative aus Deutschland stellt zudem die App Ankeralarm dar, die sich durch eine besonders einfache Kopplung via QR-Code und eine Datenhaltung auf deutschen Servern auszeichnet (verfügbar als Lifetime-Version für 19,99 €).
Der AnchorChainCalculator ist ein spezialisiertes Analysewerkzeug für Skipper, die eine physikalisch fundierte Absicherung ihres Ankerplatzes suchen. Basierend auf den Schiffseigenschaften berechnet die Anwendung, ab welcher Windkraft ein Anker unter Berücksichtigung von Wassertiefe, Kettenvorlauf, Gewicht und Ruckdämpfern seine Haltekraft verlieren könnte. Die App wird in der Community vor allem für ihre mathematische Genauigkeit geschätzt und ist gerade für Langfahrt- und Blauwassersegler ein wertvolles Instrument wenn man mal länger vor Anker liegt. Ein Einmalkauf schlägt mit etwa 8,99 € zu Buche, ohne weitere Abonnement-Kosten.