Manöver

Wissen: Formenlehre der Segelphysik

Lars Bolle

 · 15.03.2009

Wissen: Formenlehre der SegelphysikFoto: YACHT/A. Hoppenhaus

Warum sind moderne Fahrtenyachten so getakelt, wie sie sind? Über die schwierige Suche nach dem perfekten Rigg

Die aktuellen Segelpläne, dominiert von der Slup-Takelung, taugen für Fahrtenyachten nur bedingt. Das große YACHT-Schwerpunktthema beschäftigt sich mit den Ursachen dieses Evolutionsergebnisses und zeigt aufwändig aufbereitet erstaunlich effektivere Alternativen – gerade für Fahrtensegler.

Es gibt tatsächlich die ideale Segelanordnung und -form. Nur bedeutet ideal für jeden etwas anderes. Der Eine möchte um Pokale mitsegeln, der Nächste um die Welt, der Dritte nur über die Kieler Förde schippern. Viele weitere Faktoren haben Einfluss darauf, was als optimal empfunden wird. Da spielt das Budget, von dem die Materialwahl für Rigg und Segel abhängt, ebenso eine Rolle wie die Crewstärke, die den Grad der Komplexität bestimmt.

Wesentlich sind das Revier und die bevorzugten Kurse. So kann eine Ketsch-Takelung für das Weltumseglerpaar ideal sein, weil der in mehrere kleinere Flächen geteilte Segelplan mit weniger Kraftaufwand zu bedienen ist. Für die junge Familie dagegen kann eine Topp-Takelung mit riesiger Genua die perfekte Lösung sein, weil den Kleinen zuliebe sowieso eher auf eine Kreuz verzichtet wird und das große Vorsegel die Yacht auf Raumschotskursen auch noch bei viel Wind ruhig hinter sich her zieht und diese weniger zum Rollen neigt. Solche Eigenschaften werden dagegen den Regattasegler zur Verzweiflung treiben, denn bei ihm entscheidet sich das Wettfahrtergebnis auf der Kreuz, zumindest bei den am häufigsten praktizierten Luv-Lee-Kursen um die Marken. Er möchte mit maximaler Höhe an den Wind und dabei so schnell wie möglich sein, diese Eigenschaften offerieren ihm das größte Spektrum an taktischen Optionen.

Und nicht zuletzt beeinflusst der Zeitgeschmack den Fahrtensegler bei der Wahl des Riggs und die Werften bei der Konfiguration ihres Angebots.

Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass sich die Slup-Takelung so stark durchgesetzt hat. Denn es gibt durchaus Alternativen. Untersuchungen belegen, dass das Gaffelsegel, ein vermeintlicher Windenergie-Vernichter, modernen Riggs Paroli bieten kann. Darüber hinaus soll die exotische Krebsscheren-Konfiguration polynesischer Fischer ihnen gar überlegen sein. Haben die Rigg-Entwickler die speziellen Bedürfnisse des Fahrtenseglers vernachlässigt? Antworten darauf gibt es ab sofort am Kiosk.

Im Schwerpunktthema:
Evolution Das Topp- und 7/8-Rigg
Bionik Die Lehre vom Vogelflug
Historie Die Stärken der Gaffel
Leistung Der Erfolg der Krebsschere
Physik Der Trend zum „fetten Kopf“
Aerodynamik Die Schwächen der Ellipse
Entwicklung Die Zeit der Zweimaster

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