ManöverAblegen unter Segeln

Lars Bolle

 · 01.08.2010

Manöver: Ablegen unter SegelnFoto: YACHT

Teil 2 der Serie. Nach dem Anlegen geht es nun unter Segeln auch wieder aus dem Hafen hinaus

Es gehört zur guten Seemannschaft und weist den Skipper als Meister seines Fachs aus. Es lohnt, das Manöver zu üben – denn manchmal ist es die einzige Option.

Das Ablegen unter Segeln gehört wie das Anlegen zu den Grundfertigkeiten, über die ein Skipper ver­fügen sollte. Und zwar gerade weil die Wahrscheinlichkeit heutzutage sehr gering ist, auf dieses Wissen zurückgreifen zu müssen. Das scheint zwar widersprüchlich, ergibt aber bei genauerer Betrachtung durchaus Sinn.

Als Hilfsmotoren auf Segelyachten noch nicht selbstverständlich und auch keineswegs zuverlässig waren, stellte sich die Frage nicht, ob man diese Manöver können müsse. Sie waren einfach nötig, um aus dem Hafen zu kommen. Moderne Technik dagegen lässt die Kunst des Segelns aus dem Stand fast in Vergessenheit geraten. Die Motoren sind lang­lebig und zuverlässig, die Häfen oft sogar zu eng geworden, um sicher manövrieren zu können. Weshalb der Verzicht auf die Maschine auch mancherorts verboten ist.

Und dennoch sollte das Manöver beherrscht werden. Warum wohl lernt jeder Anfänger, dass die Segel beim Ablegen klar zum Setzen sein sollten, auch wenn der Hafen unter Maschine verlassen wird? Weil der Hilfsantrieb eben ausfallen kann und der sicherste Motor einer Yacht nun einmal die Segel sind. In dieser Richtung ließen sich noch viele gar nicht so seltene Szenarien anführen, zum Beispiel die defekte Maschine und der erst im nächsten Hafen erreichbare Motorenservice. Dorthin schaffen es nur Skipper, die ihre Yacht auch ohne Jockel beherrschen.

Ein weiterer Grund, unter Segeln ablegen zu können, ist dieser: Das Manöver weist den Schiffs­führer als einen Guten seines Fachs aus. Ein fast lautloses Hinausgleiten, ohne den Nachbarn zu wecken, oder die perfekte Passage des letzten Schlengels vor der Ausfahrt sichert die stille Anerkennung der zuschauenden Kapitäne. Außerdem vermittelt es jene schwer in Wort zu fassende Befriedigung, die sich einstellt, wenn eine nicht alltägliche, etwas anspruchsvollere Aufgabe fehlerfrei erledigt wurde. Und nicht zuletzt macht es sogar die Bootsbeherrschung unter Maschine sicherer. Denn Manöver ohne Motorkraft erfordern mehr Vorausdenken und Fein­gefühl, dadurch lernt der Skipper seine Yacht mit all ihren Eigenheiten wesentlich besser kennen.

Die wichtigsten Ablege-Varianten unter Segeln haben wir in den gewohnten Schritt-für-Schritt-Anleitungen aus der Vogelperspektive in der aktuellen Ausgabe zusammengestellt.

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